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Einf�hrung in die Psychologie

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Einf�hrung in die Psychologie
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12/4/2011
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Einführung in die Psychologie

1. Einleitung

 Anfänge der Psychologie als Wissenschaft: vor rund 150 Jahren

hängt zusammen mit: wissenschaftliche Sicht der Evolution des Menschen, Ausdifferenzierung

der klassischen Naturwissenschaften, Industrialisierung der westlichen Welt



 Alltagsbezogenheit und Lebenskompetenz der Psychologie:

fast alle globalen Probleme lassen sich auf psychische Faktoren zurückführen

noch besser: passt zu individuellen Fragestellungen und Problemlagen



 Ziel: kritische Distanz zum Fach  Gefahr einer Dogmatisierung unterbunden

Weg: Beschäftigung mit den wissenschaftstheoretischen Prinzipien und den geschichtlichen

Strömungen der Psychologie



2. Definitionen der Psychologie

 freie Übersetzung: Seelenkunde (gr. psyché = Hauch, Leben, Seele; gr. logos = Wort, Begriff)



 Wurzeln des Seelenbegriffs: „homo sapiens sapientis“ (Versuch der Erklärung der Kontinuität

des Ich-Erlebens und der Unvermeidlichkeit des Todes in einer philosophisch-religiösen

Anwandlung)



Verstellung einer unsterblichen Seele: plausibler Erklärungsansatz für existentielle Zweifel und

damit verbundene Ängste



o Bourne und Ekstrand:

„wissenschaftliche Erforschung von Verhalten“

(sehr breit angelegt, impliziert auch Soziologie, Kommunikationswissenschaften,

Verhaltensforschung,...)



o Zimbardo und Gerrig:

„Verhalten, Erleben und Bewusstsein des Menschen, deren Entwicklung über die

Lebensspanne und deren innere und äußere Bedingungen und Ursachen“

(Erleben und Bewusstsein explizit angesprochen, Bedeutung introspektiver Prozesse

betont, aber nur beim Menschen?)



o Rohracher:

„Wissenschaft, welche die bewussten Vorgänge und Zustände sowie deren Ursachen

und Wirkungen untersucht“

(alle unbewussten und automatisch ablaufenden Vorgänge vernachlässigt)



o Mandler:

„Psyche ist komplexes, einem Individuum zugeschriebenes

Informationsverarbeitungssystem, das Input verarbeitet und Output an die

verschiedenen Subsysteme und die Außenwelt abgibt“

(Bewusstsein ist wie eine Lupe, psychische Prozesse = alle Vorgänge der

Verhaltensregulation, bewusste Vorgänge = Spezialfunktionen)



o Spitzer, Maderthander:

„Psychische Abläufe als Ausprägung und Übertragung von Erregungen“

(Inhalte des Bewusstseins haben stärkste Aktivierung, werden deshalb bevorzugt

gespeichert, in Bezug gesetzt und können über Sprache kontrolliert werden)



o Dörner und Selg:

„Wissenschaft von den variablen Regulationen“

(variable Regulation ist die nicht genetisch vorprogrammierte Aktion auf gegebene

Umwelt- oder Innenweltbedingungen; möglichst Allgemeine Definition, nicht

zufriedenstellend für generelle Definition)



o Dörner und Selg:

„Gegenstand der Psychologie kann alles werden, was erlebbar ist und/oder sich im

Verhalten äußert.“

(Aufgrund der offenen Grenzen und den vielen thematischen Überlappungen)



3. Ziele der Psychologie

 Beschreiben – präzises, systematisches und theoriegeleitetes Erfassen von Daten



 Erklären – versuchen Daten anhand von Hypothesen oder Gesetzen hinsichtlich ihres

Kausalzusammenhanges zu interpretieren



 Vorhersagen – bei Vorinformationen unter Heranziehung psychologischer Gesetze

Konklusionen über nicht bekannte Informationen ableiten



 Verändern – Entwicklung eines Repertoires von Bedingungen, die eine Veränderung

psychischer Strukturen und Abläufe erlauben



4. Wissenschaftlichkeit und Wahrheit

Allgemein gültige Kriterien für Wissenschaftlichkeit:



 Sachverhalten müssen wirklich vorhanden sein



 Aussagen über Sachverhalte und die abgeleiteten Gesetz müssen prüfbar sein



 Widerspruchsfrei (vgl. Kohärenz) und auch Ableitungen möglich



 Beinhaltung von Verallgemeinerungen



Die vier Wahrheitskriterien:



 Kohärenz – innere Widerspruchsfreiheit einer Aussage und logische Verträglichkeit mit

anderen



 Korrespondenz – für eine theoretische Aussage eine inhaltliche Entsprechung mit

empirischen Beobachtungen



 Pragmatik – Aussagen führt in den Realität zu richtigen Prognosen



 Konsensus – Meinungsübereinstimung unter Wissenschaftlern



Paradigma = Zusammenfassung wissenschaftsspezifischer/ gegenstandsadäquater Normen;

konkrete Kriterien für Wissenschaftlichkeit in einem Fach meist nur implizit festgelegt;

Psychologie ist „multiparadigmatische“ Wissenschaft,

weil innerhalb der einzelnen Subdisziplinen oft unterschiedliche Forschungsnormen

 Richtungsstreitigkeiten



5. Geschichtliche Entwicklung der Psychologie als Wissenschaft

500 v. Chr. Griechische Philosophen systematische Ansichten über die Seele, ihre Teile

und ihre Funktionen

1873/74 Wilhelm Wundt Inhalte des Bewusstseins lassen sich in

Empfindungen, Vorstellungen und Gefühle erlegen

 Strukturalismus / Introspektion

1890 William James Konzentration aus die handlungssteuernde Funktion

des Bewusstseins  Funktionalismus

1894 Wilhelm Dilthey Forderung nach einer geisteswissenschaftlichen

Psychologie  Hermeneutik

1900 Sigmund Freud Bedeutung der Psychodynamik für das Verhalten

und für psychische Störungen  Psychoanalyse

1912 Max Wertheimer anhand von Gestalten und Scheinbewegungen

Erforschung der Organisationsprozesse des Geistes

 Gestaltpsychologie

1913 John Watson Ablehnung von introspektiven Begriffen,

ausschließliche Beschäftigung mit der

gesetzmäßigen Beschreibung des Verhaltens 

Behaviorismus

1943 Abraham Maslow Mensch als freies, selbstverantwortliches, im

Grunde positives Wesen  humanistische

Psychologie

1948/49 Norbert Wiener, Entwicklung der Grundlagen für den

CE Shannon, Informationsverarbeitungsansatz 

W Weaver Informationsverarbeitung

1951 Carl Rogers Gegenposition zu Behaviorismus und

Informationsverarbeitungsansatz, Einzigartigkeit

und Eigenverantwortung des Menschen  Client-

centered therapy)

ab 1960 Gegenreaktion zu Behaviorismus, Verhalten ist

Ergebnis komplexer kognitiver Regulationsprozesse

 Kognitivismus

1963 Konrad Lorenz Menschliche Psyche ist Produkt der Evolution 

Evolutionäre Psychologie

1972 Klaus Holzkamp marxistisch fundierte Theorie über bestehende,

bewusstseinsbestimmende „Produktions- und

Herrschaftsinteressen“  Konstruktivismus,

Kritische Psychologie



6. Wissenschaftliche Strömungen und Kontroversen

Leib – Seele Gibt es neben der materiellen Welt auch eine geistige? Sind

Körperliches und geistiges nur 2 Seiten einer Wirklichkeit?

Anlage – Umwelt Wie stark wird das Verhalten durch die Anlagen (endogen)

und die Umwelt (exogen) beeinflusst?

Vergangenheit – Gegenwart Ist der Charakter der vergangene Erfahrungen stabil geprägt

oder kann er sich flexibel auf Gegenwärtiges einstellen?

Freier Wille – Determiniertheit Gibt es Freiheit oder sind wir in lückenlosen Kausalketten

gefangen? Ist Freiheit vielleicht nur bewusstes Erkennen von

Handlungsalternativen?

Bewusst – Unbewusst Welcher Anteil des Verhaltens wird willkürlich und welcher

unwillkürlich gesteuert?

Allgemeingültigkeit – Einzigartigkeit Lassen sich für alle Menschen gleichartige psychologische

Gesetze finden, oder können nur Individuen ausrechend

genau charakterisiert werden? einzelfallsbeschreibend

(idiographisch) oder gesetzesfindend (nomothetisch)? nur

Scheinproblem  oft beides angebracht

Wertfreiheit – Wertbekenntnis Soll sich ein Wissenschaftlich möglichst jeglicher subjektiver

Bewertung enthalten oder sich eindeutig zu seinen

Überzeugungen bekennen? (Humanistische vs. Kritische Psy.)

Objektivität – Subjektivität Forschungsergebnisse intersubjektiv gültig  Anforderung

einer Einfühlung in andere Lebensrealität

Zergliederung – Ganzheitlichkeit Können psychische Strukturen oder Prozesse in Teilsystem

oder Elemente zerlegt werden? Lass sich Phänomene durch

voneinander unanhängigen Faktoren erklären?

Dynamik – Statik Querschnittanalyse= Momentaufnahmen /

Längsschnittanalysen = Hinblick auf zeitabhängige

Veränderungen

Quantitativ – Qualitativ Quantitative Methoden = Tests, Messungen (leichter zu

verallgemeinern)

Qualitative Methoden = Fallbeschreibungen, Inhaltsanalysen

(detaillierter)

oftmals Einsetzung beider Methoden



7. Praxisbezug und Anwendbarkeit

Die 15 Fachgruppen der „Deutschen Gesellschaft für Psychologie“ (DGP)

Allgemeine Klinische –

und Psychotherapie

Arbeits- und Organisations- Medien-

Biologische Methoden und Evaluation

Differentielle, Pädagogische

Persönlichkeits-

und Psychologische Diagnostik

Entwicklungs- Rechts-

Geschichte der Sozial-

Gesundheits- Umwelt-

Verkehrs-



Berufsfelder für Psychologen

Kliniken und sonstige therapeutische Einrichtungen

Beratungsorganisationen

Schulung / Training

Klinisch-psychologische Praxis

Leitung / Führung

Arbeits-, Betriebs- und Organisationsbereiche

Lehre und Forschung

Rechtswesen etc.



8. Ethische Normen und rechtliche Situation

Verpflichtende Ethische Prinzipien für Psychologen

 Würde des Menschen wahren

 sein Selbstverständnis fördern

 keine ideologische Indoktrination betreiben

 moralische Normen der Gesellschaft achten

 nur seriös werben

 nur valides und fundiertes Wissen verwenden

 bei Bedarf andere Berufsgruppen zur Konsultation heranziehen

 Verschwiegenheitspflicht einhalten

 Klienten über mögliche Konsequenzen informieren

 höchsten Standard professioneller Kompetenz einsetzen



Psychologengesetz in Österreich

 schützt den Titel „PsychologIn“ (nur für Absolventen der Studienrichtung Psychologie)

 regelt die Berufsausübung für Gesundheitspsychologen und Klinische Psychologen

 schützt die psychologische Tätigkeit selbst nicht



Österreichischer Berufskodex

 auf psychologisch begründbare Mängel gesellschaftlicher Werthaltungen hinweisen

 keine einseitige Anpassung des Individuums an die Gesellschaft anstreben

 Grenzen der eigenen Kompetenzen deklarieren


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