GRUNDLAGEN DER DIFFERENTIELLE PSYCHOLOGIE
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1. GRUNDLAGEN DER DIFFERENTIELLEN PSYCHOLOGIE
1.1. Einführung
° Alltagserfahrung: Einzigartigkeit von Individuen ist Grundtatsache
° Interindiv. Diff. * sind in vielen Bereichen des Alltags zu erkennen [offensichtl. Folgen davon:
Bildungswesen, Leistungsgesellschaft, Arbeitsteilung, Produktvielfalt der Wirtschaft, ...]
* können für den Einzelnen ... # nahezu ohne Belang sein [z.B. Konzentration
der Natrium-
Ionen im Blut]
# in best. Sit. relevant sein [Schwindelneigung,
Seekrankheit, ...]
# von genereller Bedeutung sein [z.B. Geschlecht,
Hautfarbe]
und die Ausbildung anderer Merkmale
beeinflussen
° Diff.psy. Fragestellungen:
* Beschaffenheit von Merkmalen, in denen es interindiv. Diff. gibt
* Ausmaß dieser Differenzen * wechselseitige Abhängigkeit solcher
Merkmale
* Ursachen der Differenzen
* ihre Beeinflußbarkeit durch Training, Umw.veränderungen, Medikamente, ...
=> z.B. Operation Headstart (USA, 1964) = Versuch interindiv. Diff. in Begabung,
Motivation,
Talent durch bessere Anregungs- und Schulungsbedingungen zu senken; aber:
geförderte
Kinder schnitten nicht besser ab
° meth. Vorgehensweiden interindiv. Untersch.:
* Querschnittbetrachtung [Unterschiede zwischen Personen zu einem gegebenen Zeitpunkt]
* Längsschnittbetrachtung [Unterschiede innerhalb einer Person in Abh. von best. Sit. oder
Zeitpunkten]
° paradox: immer wieder Ruf nach Gleichheit in der Geschichte
1.2. Zur Universalität interindividueller Differenzen
1.2.1. Interindiv. Diff. beim Menschen
° es ex. interindiv. Diff. bzgl. * phys. Merkmale [Körpergröße, Atemvolumen, Zusammensetzung von
Körperflüßigkeit...]
* psy. Merkmmale [Gedächtnisleistung, Extrav., Neurotizismus, Ängstlichkeit,
...]
° bei graph. Darstellung nähert sich die Kurve der Meßwerte der Gaußschen
Normalverteilung
Ann.: Gaußsche Normalvert. kommt zustande, wenn Vielzahl von Faktoren in zufälliger
Kombi.
zusammenwirken
aber: * psy. Meßverfahren werden häufig so konzipiert, daß sie zur Normalvert. führen
* oft keine freie Kombi. d. Fakt. [z.B. Zuspätkommen am Arbeitsplatz wird durch Konfirmitätsdruck
beeinfluß]
1.2.2. Interindiv. Diff. bei Tieren
° auch bei Tieren interindiv. Untersch. erkennbar [bei Pflanzen bedingt, da bspw. keine Untersch im
Verh.]
° Konditionierungsversuche hauptsächlich bei Hunden (Pawlow), aber auch häufig mit Affen
(menschenähnl.) und Ratten (ökon.), Katzen, Meerschweinchen, ...
1
° Verh.untersch. auch bei Taufliegen [pos. vs. neg. geotaktisch], Pantoffeltierchen [groupers vs. free
swimmers]
° immer besonders wichtig bei Tieruntersuchungen: Unterscheidung zw. Beob. und
Interpretation!
1.3. Interindiv. Diff. in Vergangenheit und Gegenwart
1.3.1. Antike und Judentum
Ansätze der Diff. Psy. bis ... ° ins alte China [1100 v. Chr.: Auswahl für gehobenen Posten im
Staatsdienst]
° zu Plato [jeder Mensch eignet sich aufgrund seiner spez. Begabung für best.
Tätigk.]
° zur Bibel [Auslese für Heer]
1.3.2. Mittelalter und Neuzeit
° Mittelalter: Scholastik [Interesse an phil. Spekulationen/Abweichung eines Indiv. von der Norm,
Desinteresse an
interindiv. Untersch.]
° 18. Jhd.: Gedanken zur Diff. Psy. durch Vermögenspsy. [geht zurück auf hl. Augustinus, Thomas
von Aquin]
° 18./19. Jhd.: Phrenologie [Franz Josef Gall; Beziehung zw. Schädelform und der Ausprägung der in den
jeweiligen
Arealen angeblich befindlichen Sinne]
° Entscheidende Impulse zur wiss. Beschäftigung mit interindiv. Diff. kamen aus der
Biologie:
* Charles Darwin (1809-1882): Evolutionstheorie [Bestreitung der Artenkonstanz (geht bis auf
Aristoteles
zurück) natürl. Auslese des Bestangepaßten => interindiv. Diff. grundlegend für
Evolution (und
nicht bedeutungslos, wie bis dahin behauptet)]
* Gregor Mendel (1866: Veröffentlichung der Ergebnisse der Kreuzungsversuche) [keine
gottgewollte
Entw. zu best. Arten, sondern interindiv. Untersch. basieren auf zufälliger Kombi. der
Erbanlagen]
* Sir Francis Galton: # Begründer der wiss. Untersuchungen indiv. Diff. [Fingerabdruck,
Gesicht, ...]
# analysierte Vert.formen psy. Var., legte Grundlage zur Entw. des
Korr.koeff.
# entw. erste obj. Testverfahren, erste Fragebogen, erste
Reihenuntersuchungen
* Wilhelm Wundt: # erstes psy. Laboratorium 1879 in Leipzig
# Unters. zu Untersch. i.d. Reaktionszeit [aber: Suche nach allg.gültigen
Gesetzen]
1.3.3. Mental Tests und ihre Folgen
° James McKeen-Cattell: Erfassung intellekt. Funktionen, v.a. der Intell., über die Leistungs-
fähigkeit der Sinnesorgane Entw. von Meßverfahren = Mental Tests
° Galton und McKeen wollten Intell. messen, aber * Ergebn. versch. Tests korr. gar nicht o.
nur kaum
* Testwerte kaum oder keine Bez. zu Intell.schätzungen von Lehrern / Erfolg im
Studium
1.3.4. Die Beiträge von Binet [1857 - 1911] (und Simon [1873 - 1961]) und Stern
2
° Kritik der Spezifität und sensor. Ausrichtung der Tests Vorschlag der Messung
komplexer
Merkmale (Verständnis, Konzentration, ...) => die Präzision sinkt aber die Zahl der
Variablen steigt
Beobachtung: mehr Zusammenhang zw. Alter und Intell. als zw. Lehrerurteil und Intell.
° => Binet und Simon: Entw. eines Tests zur Sonderschulselektion [5 Fragen für jede Altersstufen
zw. 3 und
15a Errechnung des Intell.alters (IA) im Vgl. zum Lebensalter (LA) aus der Zahl der gelösten Aufgaben
jeder
Altersstufen]
° Kritik an diesem Staffeltest: * keine Wertung welche Altersstufenaufgaben ein Kind löst
* hohe Abh. des Tests von Bildungseinflüssen und sozioökon.
Status
* eine best. Diff. zw. IA und LA kann untersch. Tragweite
haben
[z.B. LA=5 und IA=3 ist "schlimmer" als z.B. LA=13 und IA=11]
° => William Stern: Herstellung einer Beziehung zw. IA und LA: IQ = IA : LA x 100 [aber ist
IQ
überhaupt interpretierbar? denn: Intell.entw. ist neg. beschleunigt und Quotientenbildung nur bei Linearität
zulässig]
1.3.5. Neuere Entwicklungen
Gruppentests statt Individualtests, z.B. USA im ersten Weltkrieg: Army-Alpha-Test & Army-
Beta-Test; Entw. von Pers.fragebögen und Projektive Tests => Grundlage für Diff. Psy. war
geschaffen
1.4. Abgrenzung der Diff. Psy.
1.4.1. Entw. und Aufgaben der Diff. Psy.
° Protestantismus (Individualität) und Kapitalismus (quantifizierende Betrachtungsweise)
förderten das
Interesse an interindiv. Untersch.!
° method. Zugänge nach Stern (1921): Ann.: Zeit- und Sit.konstanz der Merkmale
* Variationsforschung [ein Merkmal an vielen Indiv.] * Korr.forsch. [2 oder mehrere Merkmale an
vielen Indiv.]
* Psychograpie [viele Merkmale an einem Indiv.] * Komparisationsforsch. [viele Merkmale an 2 oder
vielen Indiv]
. aber: viele Merkmale sind nicht zeit- und sit.konstant
=> Einführung einer weiteren Dim. nötig = Dim. der zeitlichen und/oder sit. Bedingungen
=> Entw. des Datenquaders von Cattell [-> 6 Betrachtungsweisen der Diff.Psy.: O-, P-, Q-, R-, S-, T-
Technik: dabei
wird jeweils eine Dim. stabil gehalten und die beiden anderen werden variiert]
° Fucker, Bartussek: gleichzeitige Betrachtung aller 3 Dim. durch "dreimodale Fakt.analyse"
° in der Diff.Psy. interessiert man sich auch für Untersch. zw. Gruppen, da so auf interindiv.
Diff.
geschlossen werden kann; Ermittlung über Gruppenvergleiche [man nehme 2 Gruppen, die sich in
einem
Merkmal unterscheiden (die anderen Merkmale seinen in beiden gleichverteilt) und vergleiche beide
miteinander]
1.4.2. Zum Antagonismus zwischen Diff. und Allg. Psy.
3
° Allg. Psy.: Interesse für Uniformität menschl. Verh. (Weg über Exp.: Variation der
Bedingungen,
denen Vpn ausgesetzt sind, Ergebnis ist das dem Verhalten der Vpn
Gemeinsame)
Diff. Psy. Interesse für interindiv. Untersch. (Weg: Korr.forschung)
° Bsp.: Müller-Lyersche Täuschung
diff.psy. Ansatz: Versch. Personen unterliegen verschieden stark der Täuschung
allg.psy. Ansatz: Veränderungen der Wirksamkeit der Täuschung (z.B. bei
Veränderung der
Winkel), bei allen Vpn
° aber: künftiges Verh. am besten vorhersagbar bei Kombi. von allg.psy. und diff.psy. Ansatz
=>:
gleichzeitige Berücksichtigung situativer Variablen (treatments) und indiv. Merkmale
(z.B.
Eignungen = aptitudes), sowie deren Zusammenwirken (interaction)
= Aptitude-Treatment-Interaction-Konzept (ATI-Konzept; hat sich i.d. Praxis bewährt)
= Kompromiß nach Cronbach (1957)
1.5. Zentrale Begriffe
1.5.1. Variablen und Skalen
° Variablen = Klassen von Merkmalen, die nach best. Gesichtspunkten geordnet sind
(Ausprägungsgrad variiert kontinuierlich oder diskret)
Unterscheidung versch. Variablenarten (z.T. Unterschiede in Qualität/Quantität):
Reaktionsvariable, Reiz- oder Situationsvariable, Organismische Variable, Objektive
Außenvariable, Subjektive Außenvariable
° Messung = Zuordnung von Zahlen zu emp. Sachverhalten
je nach Zuordnungsvorschriften ergeben sich versch. Skalen, Skalentypen,
Skalenniveaus:
* Nominalskala [z.B. Hausnummern]
* Ordinalskala [z.B. Schulnoten; zulässig sind Größer-Kleiner-Aussagen aber keine Mittelwertbildung]
* Intervallskala [z.B. °C-Einheit; Diff.bildung mögl., aber willkürl. Nullpunkt => keine
Verhältnisaussagen mögl.]
* Verhältnisskala [z.B. Längen, Fahrenheit-Einheit; es ex. nat. Nullpunkt => Verhältnisaussagen mögl.]
° Tests für Intell., Hilfsbereitschaft, ... verwenden meist Intervallskalenniveau; Problem: nicht
überprüfbar ob Meßwerte überhaupt Diff.bildung zulassen / sich nur auf O.-Skalenniveau
befinden
1.5.2. Konstrukte und Persönlichkeit
° emp. Sachverhalte ... * werden in sog. Protokollsätze festgehalten
* sind oft nur Indikatoren, die für etwas th. erdachtes (z.B. Angst), also für th.
Konstrukte,
stehen [werden durch das Gegebene kontrolliert und enthalten versch. Beob.inhalte mit untersch.
Gewichtung]
° Konstrukte erster Art: vollst. operationalisierbar, geht in der Bedeutung nicht über emp.
gegebene
Sachverhalte hinaus
Konstrukte zweiter Art: nicht vollst. auf Protokollsätze rückführbar =>
Bedeutungsüberschuß (=
surplusmeaning) => Ableitung von Hypoth. über emp. Sachverhalte
mögl.,
4
kann durch diese auch falsifiziert werden [hypothetico-deduktives
Vorgehen]
fast alle Konstrukte der Diff. Psy. (Intell., Ehrlichkeit, ...) sind Konstrukte zweiter Art
° Persönlichkeit: * es ex. viele versch. Def. * ist nicht das konkrete Verh. in spez. Sit.
* als Konstrukt: "ein bei jedem Menschen einzigartiges, relativ
überdauerndes und
stabiles Verh.korrelat" (Herrmann, 1976)
=> Pers.psy befaßt sich mit der Erforschung dieses Verh.korrelat, der Organisation und
Stabilität von
Traits, der einzigartigen Manifestation der Traits im Individualfall
1.5.3. Nomothetische, idiographische und idiothetische Methode
° idiographische Methode: Ann.: es ex. qual. Untersch. zw. Personen; Unvgl.barkeit der
Indiv. wegen
ihrer Einzigartigkeit => eigentl. nur Biographien angemessen => methodisch unmöglich!
° nomothetischer Methode: versucht allg. Gesetze zu entw., die für den einzelnen oder
„Mengen von
Persönlichkeiten“ gelten => Aufg.: Entw. von Beschreibungsyst., mit denen alle Einzelne
erfaßt und
kategorisiert werden und die erfaßten Unterschiede erklärt werden können
[° Lamiell (1981): idiothetische Methode als Kombi. aus nomoth. und idiogr.: Beschr. von Personen im idiogr.
Sinne, allerdings
so, daß die Personen miteinander vgl. werden können]
1.6. Inhaltliche Konzepte der Differentiellen Psychologie
1.6.1. Verhaltenseigenschaften
° Reiz (stimuli): phys.-energische Veränderungen innerhalb oder außerhalb eines
Organismus, die
dieser registrieren kann
° Verh.- / Beob.eigenschaften = in Protokollsätzen festgehaltene Reaktionen einer Person auf
best.
Stimuli in best. Sit.; direkter Beob. zugänglich => kein Wissen /
Vermutungen über
Konstanz und Konsistenz des registrierten Verh.,dessen Ursachen, ...
1.6.2. Gewohnheiten (Habits)
° Habits oder Gewohnheiten ...
* entstehen durch Verallg. einer Menge von Verh.eigenschaften [notwendig: Stabilität des
Verh.
(über die Zeit) und Konsistenz des Verh. ( über versch. Sit.)]
= gelernte Verbindungen zw. Reizen / Reizmustern und Reaktionen
* sind versch. stark je nach Wahrsch. bzw. Intensität des Reizes
* sind Konstrukte [=> das aktuelle Verh. ist zwar direkter Beob. zugänglich, aber die
Tendenz/Set/Disposition zu
Reakt. in ganz bestimmter Weise entzieht sich der unmittelbaren Beob. und wird erschlossen]
° Behaviorismus (Watson):
* Forderung nach Objektivität der Beobachtungsdaten => Messung von externen Reizen
und
Reakt. der Sinnesorgane, Muskel und Drüsen (mögl. über Apparate, da diese Vl unabh.)
* grundlegende Verh.einheit = Reflex
5
* Beschreibung das gesamten menschl. Verh. als Sequenz einfacher Reiz-Reakt.-
Verbindungen,
deren Verkettung und Verknüpfung.
* klass. Konditionierung: unwillkürl., unbedingte Reakt. auf den unbedingten Reiz kann auf
andersartige Reize (bedingte Stimuli) übertragen werden mögl.: Reizgeneralisation
[Reakt. kann
auch von dem bedingten Reiz ähnl. Reize ausgelöst werden] => Ex. eines
Reizgeneralisationsgradient [gibt an
von wievielen Reizen die bedingte Reakt. ausgelöst werden kann]
* operante Kond. => Verh. tritt häufiger auf als "normal" mögl. Reakt.generalisierung
1.6.3. Dispositionseigenschaften (Traits)
1.6.3.1. Begriffsbestimmung
Dispositionseigenschaften / Traits = relativ breite und zeitl. stabile Dispositionen zu best.
Verh.weisen, die konsistent in versch. Sit. auftreten
* eine Art Dim. (morphologische, physiol. Dim. oder
motivationale
Eigenschaften, Bedürfnisse, Einstellungen, Interessen)
Persönlichkeit = "seine einzigartige Struktur von Traits" (Guilford)
= Summe der Wesenszüge /Traits
1.6.3.2. Existentielle und konstruierte Traits
° Allport (und Cattell): Traits sind nicht nur konstruierte Gedankengebilde, sondern besitzen
emp.-
mat. Realität (ex. also wirklich) und steuern die Reakt. des Indiv. auf
Reize.
° fast alle ander Pers.theoretiker halten Aussagen über die Ursachen der Verh.konsistenzen
(und damit
auch über Traits) für entbehrlich
1.6.3.1. Bestimmung von Traits = Suche nach Beschreibungsdim.
1. Rationale Variablenreduktion: nach dem Sprachverständnis der Beurteiler wird versucht,
ein ökon.
Syst. von Beschr.elementen festzulegen (z.B. Allport-Odberg (1936): Katalog von
Eigenschaftsbegriffe stufenweise Reduktion auf schließl. 12 relativ grundlegende Dim.
zur
Beschr. von Verh.)
2. Analyt. Variablenreduktion: Weg über Faktorenanalyse: Zusammenfassung von Variablen
die hoch
miteinander, aber wenig mit den anderen korr. zu einem Fakt. (= Trait im fakt.analyt.
Sinne),
gewonnen Fakt. können weiteren Fakt.analysen unterworfen werden (=> Typen) evtl.
späterer
Bedeutungsverleih für die Fakt. durch Validierung an externen Variablen
3. Analyse von Handlungshäufigkeiten (Act Frequency Approach = AFA): Ann.: einzelne
Handlungen
sind für einen Trait untersch. kennzeichnend; Weg: Pbn müssen angeben, wie typ. sie eine
bestimmte Handlung für eine Eigenschaft halten (es ex. hohe Übereinstimmung der Urteile
(wird als
Bestätigung gewertet) => allg. Verbreitung von Vorstellung über Eigenschaften)
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1.6.4. Trait und States
Traits States
relativ zeitl. stabil zeitl. fluktuierend
Gewohnheiten temporäre Zustände von Aktivation,
Entspannung, guter Stimmung, ...
z.B. Angst z.B. Ängstlichkeit
Unterscheidung relativ willkürl., v.a. da häufig Trait-Indikatoren aus der Summation von
State-
Einheiten gewonnen werden
1.6.5. Typen
Typen: Bezeichnung für Fakt 2. Ordnung; extreme Merkmalsausprägung; Unterscheidung
zw.
bipolaren und unipolaren Typendimensionen.
1. Typen als Abschnitte auf Beschr.dim.: Personen, die auf einer Beschreibungsdim. in best.
Bereichen
liegen, werden zu Gruppen von Personen eines Typs zusammengefaßt
2. Typen als Gruppen von Indiv. mit gesonderten Beschr.dim.: Klassifizierung der
Merkmalsträger
nach d. Ähnl. ihrer Merkmalsausprägungen in mehreren Traits [Weg: Erhebung indiv. Testprofile
Übertragung der Punktwerte in versch. Traits auf einen vgl.baren Maßstab => Ergebn.:
Personengruppierungen it vgl.barer
Dimensionalität]
3. Typen als qual. Beschreibungsklassen: Klassifizierung von Personen in qualitativ untersch.
Beurteilungskategorien nach ihren Eigenschaftskombinationen [z.B.: Hippokrates: Körperbau;
Galens:
Einteilung der Temperamente, Wundt: Vier-Felder-Schema; Eysenksche Typologie, ...]
1.6.6. Grundzüge von Eigenschafts - Theorien
° unterschiedl. Lehrmeinungen: existent. vs. konstruierte, generelle vs. spez., breite vs. enge
Traits
° allg.: Versuch, best. Verh.weisen aufgrund von rationalen oder analyt. Verfahren zu
statistichen
Klassen untersch. Breite zusammenzufassen
° Eigenschaften als Konstrukte Zusammenwirken von th. Annahmen und emp. Befunden.
Das Konzept erweist sich dann als sinnvoll, wenn es erlaubt:
* die in den Traits bestehenden Unterschiede auf andere Konstrukte zurückzuführen
* auf ihrer Basis Verh.vorhersagen für solche Sit. zu treffen, die nicht mit den Testsit.
ident. sind
° Kritik: oftmals Vernachlässigung der Sit.faktoren (Interaktionismus = Wechselwirkungen
zw. Traits
und sit. Bedingungen => Ausmaß und Richtung der Verh.untersch. von Personen mit
den
jeweiligen Eigenschaften fallen in versch. Sit. versch. aus)
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2. FORSCHUNGSMETHODEN DER DIFFERENTIELLEN PSYCHOLOGIE
2.3. Gewinnung empirischer Daten zur Beschreibung individueller Unterschiede
2.3.1. Voraussetzungen
° indiv. Diff. ex. und können gemessen werden => Forderungen: Reliabilität,
Standardisierung
[Bedingungen immer gleich oder ähnl. => Vgl.barkeit], Differenzierungen [Test trennt möglichst scharf die
interindiv.
Diff. der Pbn voneinander ab, am besten dazu: mittlere Lösungswahrsch. der Items]
° Meßwerte nur sinnvoll im Bezug auf eine Th. (wie auch die Th. die Technik der
Info.gewinnung
und die Art der zu erhebenden Meßwerte beeinflußt)
2.3.2. Trait-theoretische Ansätze
2.3.2.1. Allgemeines zur Entwicklung von Verfahren
Zus.fassung einiger Verh.weisen (als Indikatoren für Verh.bereitschaft) zu übergreifenden
Kategorien.
Dabei sind versch. Vorgehensweisen mögl.:
1. Rationale Skalenkonstr.: Def. eines Konstruktes Nachdenken über „Indikator-
Verhaltensweisen“
Beob. bzw. Messung dieser (notw.: zusätzliche Validierung) [Bsp. im Leistungsbereich:
Perlen aufreihen,
Zielpunkte treffen als Indikatoren für „motorische Geschicklichkeit“]
2. Kriterienorientierte Skalenkonstruktion: Fehlen th.Vorstellungen, meist nur statistische
Prozeduren
Bildung 2er Gruppen, die sich in einem Merkmal deutl. unterscheiden Fülle
irgendwelcher
Items an die Gruppen Selektion der zufällig differenzierenden Items [Intrepretation der
Items nicht
mögl.; oft unklar warum Items die Gruppen trennen]
3. Faktorenanalyt. Skalenkonstr.: keine th.geleitete Itemsauswahl, keine Apriori-
Identifikation spez.
Personengruppen Verwendung vieler Personen und vieler Items Ermittelung der
Korr. der
Items miteinander => Faktorenbildung [Items müssen trennscharf sein => die Items innerhalb eines
Fakt. sind
homogen; je nach Rotationsmethode sind die Fakt. mehr oder weniger orthogonal]
2.3.2.2. Tests im Leistungsbereich
° Binet-Test: Staffelintell.test (allg. Intell.): Krit.bezogene Konstr., da Selektion jener Items,
die am
besten zw. benachbarten Altersgruppen diff.
° Wechsler-Tests: v.a. rationale Konstr.
° Thurstone: Differentieller Leistungstest: v.a. fakt.analyt. Konstr.
° Guilford: einige Tests (u.a. soz. Intell.): rationale Skalenkonstr., aber es ex. keine eind.
richtigen
Antworten, diese wurden durch die Autoren festgelegt => geringe Validität
° Leistungstests * sind i.a. in Durchführung, Auswertung, Interpretation absolut objektiv
* Reliabilität (auch bei längeren Retestintervalen) in befriedigender Höhe: .80 bis .90
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* verbale Intell.tests zeigen höchste Übereinstimmung mit externen Kriterien (z.B.
Schulnote)
* Validität i.a. schwer bestimmbar
2.3.2.3. Tests im Persönlichkeitsbereich
1. Selbstbeurteilungen und ihre Voraussetzungen
° direktester Weg zu Empfindungen, Emotionen, Erlebnissen, Motiven der Vpn
° notw. Vor.: Bereitschaft zur Beantw., Kenntnis über sich selbst , Fähigk. sich selbst zu
beurteilen
° Frage: Stimmen verb. Äußerungen mit dem Verh. i.d. Realität überein?
2. Einige Beispiele
° Fragebogen:
* Ziele: direkter Zugang zu Merkmalen der Persönlichkeit; absolute Objektivität in
Durchführung,
Auswertung, Interpretation; hohe Ökonomie; viel Info in kurzer Zeit
* Beispiele:
# Personal Data Sheet [von Woodworth im 1. WK zur Ersetzung des Psychiater-Interv. zur
Rekrutenselektion]
# Manifest Anxiety Scale [Taylor, 1953, rational konstruiert, Vorläufer vieler Ängstlichkeitstests]
# MMPI [Minessota Multiphasic Inventory, Hathaway & McKinley, 1951, krit.orientiert an Gruppen von
klin.
Auffälligen und "Normalen" 10 klin. Skalen und 3 Validitätsskalen (bzgl. soz. Erwünschtheit, extremer
Offenheit,
irregul. Bearb. des Tests), Hauptkritikpunkt: Diff. konstruktionsgemäß nicht innerhalb des klin.
unauffälligen Bereichs]
# CPI [California Psychological Inventory, Gough, 1960, Items zu 50% aus MMPI, 15 Skalen (11
kriteriumsorientiert
konstr. und 4 durch Fremdbeurteilung) und 3 Kontrollskalen, diff. auch im „Normalbereich“]
# PRF [Personality Reseach Form, Jackson, 1974, nach rationalen und emp. Gesichtspunkten konstruiert]
° Selbst- und Fremdratings
* Selbstrating: Beob. der eigenen Person und Urteil darüber wie oft bzw. wie intensiv die
jeweiligen
Sachverhalte auftreten; Urteile untersch. sich erheblich bzgl. Komplexität (kurzes
Nachdenken,
vielschichtiger Entscheidungsprozeß, Einstufung auf Eigenschaftsdim.)
*Fremdratings: Urteile zu Einstellungen / Verh.weisen anderer Menschen (meist Freunde,
Bekannte); oft Außenkriterium für Tests
Problem: subj. Fakt. beeinflussen die abgegebenen Urteile [Versuche (u.a. Passini & Norman,
1966) mit
Fremdbeurteilung unbekannter, nur kurz gesehener Personen]
=> Formulierung der IPT (Implizite Pers.th.: jeder besitzt ein Netzwerk von
Vorstellungen und
Annahmen, das in seine Wahrnehmung miteinfließt)
Frage: IPT = obj. Realität? (oftmals signifikante Übereinstimmungen)
mögl. Ursachen der IPT: 1. Beob. von Beziehungen zw. Traits Verinnerlichung
dieser
2. Täuschungsschlüsse = Urteile z.T. von anderen Fakt.
verfälscht,
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bspw. von der semant. Ähnl. zw. den Bezeichungen für
Traits
2teres tritt v.a. ein bei Gedächnisinfo. als Basis der Ratings,
ersteres
v.a. bei On-line-Registrierung des Verh. [Versuch: Verhalten in
Familieninteraktion on-line und im Nachhinein in 6 Kateg. „geratet“]
Formulierung der SDH [Systematic Distortion Hypothesis; Syst. Verzerrungs-Hypoth., Shweder
&
D´Andrade (1980), alle gedächtnisgestützten Eigenschaftsurteile geben nur die semant. Ähnl. zw. den
verwendeten Begriffen wieder (=> alle Korr. zw. Traits basieren auf IPT)]
SDH aber nicht haltbar Formulierung der SOH [Systematic Overlap Hypothesis,
Borkenau (1989),
nur Fehler beim Schätzen bedingter Wahrscheinlichkeiten]
* Brauchbarkeit von Ratings umstritten, aber
... Beurteilungsverfahren unvermeidbar wenn Meßinstrumente fehlen
... näher kann man nicht an die Erlebnisrealität von Menschen und deren Einordnung
in ihre Uw.
herankommen
... hohe Korr. zw. Testskalen / Selbstratings und Fremdeinschätzungen [z.B. Woodruffe
(1985): r= .56
zw. durchschn. Selbstbeschreibung anhand von Adjektiven und durchschn. Frendrating]
3. Fehlerfaktoren
° absichtliche Verstellung
* Fragebogen leicht nach oben und nach unten verfälschbar
* Verfälschung durch Übernahme von Rollen mögl. [z.B. beim MMPI sind durch Instruktion zur
Rollenüber-
nahme charakt. Unterschiede erzeugbar, die anhand der Kontrollskalen nicht identifiziert werden können]
° Soziale Erwünschtheit (SE)
* Wahrsch. sich eine Eigenschaft selbst zuzuschreiben korr. mit dem SE-Gehalt der
Eigenschaft
[Edwards: r= .87] es ex. interindiv. Untersch. i.d. SE-Tendenz <- Berücksichtigung in
Testverf.:
* Entw. gesonderter Skalen zur Feststellung der SE-Tendenz [Items, die soz. erwünschte
Eigenschaften (aber
selten auftretende, z.B. gefundenes Geld zurückgeben) oder soz. unerwünschte (aber häufiger vorkommende,
z.B.
schummeln) beschreiben, sollen beantwortet werden]
* exp. Technik: Bogus-Pipeline-Paradigma [angeblich könne eine komplizierte Versuchsapparatur
subj. phys.
Reakt. auf Items messen, Vpn sollen Ausschlag des Gerätes vorhersagen <- Antworten gelten als SE frei]
* Randomized-Respose-Technique [mittels verschiedener Instruktion wird versucht die SE-Komponente
unter
Standardbedingungen abzuschätzen]
* Ausschluß von Personen mit hohen SE-Werten
* Verwendung ausschließl. von SE-indifferenten Items [es ex. aber keine völlig SE-freien Items, da
alle psy.
Merkmale von der Gesellschaft normiert sind]
* SE kann als Pers.merkmal aufgefaßt werden (als "Response-Style" anstelle eines
"Response-Set"):
Streben nach soz. Anerkennung / Lob / Billigung [z.B. Heilbrun (1964): umso höher der SE-
Gehalt von Skalen
umso besser trennen sie zw. klin. auffälligen und "normalen" Gruppen] => Herauspartialisierung von
SE führt zu
10
Val.verlusten anstatt zu Val.gewinnen
° Akquieszenz
= Tendenz, mit "ja" oder "stimmt" unabh. vom Iteminhalt zu antworten
* Mögl. zur Erfassung:
# Spiegelung von Itemformulierungen [Akqu. feststellbar, aber adäquate Spiegelung der
Itemformulierung
oftmals schwierig (Versuch mit College-Studenten und ausgewählten MMPI-Items)]
# Verwendung schwieriger oder unlösbarer Sachfragen [Akqu. nur in unbedeutendem Maße
nachweisbar]
* Versuch der Minimierung des Akqu.einflusses durch Gleichverteilung der Ja- und Nein-
Items
innerhalb einer Skala [aber hierdurch auch kaum Minderung der Akqu.]
° weitere Fehlerfaktoren
* Bevorzugung extremer, indifferenter oder spez. plazierter Antwortkategorien
* Tendenz zu Antworten abh. von deren Länge, Wortfolge, serialer Position
= Beeinflußbarkeit durch Formateigenschaften (auch voriger Punkt)
* Tendenz zum Raten, zu zu schnellem Antworten, zu Konsistenz, zu kritischen
Antworten
= Tendenz zu best. kogn. Stilen
trotzdem ex. Pers.fragebögen mit valider (Inhalts-)Varianz!
2.3.3. Psychodynamische Ansätze
° wesentl. Untersch. zu Trait-Konzepten: dynamische statt statischer Betrachtungsweise
° Psychodynamisch orientierte Verfahren sollen ...
* die unbewußten Prozesse und Konflikte der Persönlichkeit aufdecken
* Abwehrmechanismen und Widerstände überwinden
* die dem Verh. zugrundlegenden nichtbewußten Motive identifizieren
2.3.3.1. Projektive Tests
° proj. Tests /Verfahren sollen ... * ökonomische und standardisiert sein
* direkt zum Unterbewußten vorstoßen [Überwindung
unbewußter
Hindernisse / Verfälschungen / zugrundeliegender Konflikte /
Abwehrmechansimen]
° Material: inhaltl. nicht festgelegt (d.h. mehrdeutig) und der Vp nicht vertraut
° These: Pb konfrontiert mit Stimuli Reakt. auf diesen entsprechend subj. Wahrnehmung
und
Bedeutung der Stimuli für Pb => in Reakt. spiegeln sich Merkmale der Pers. wieder
° Problem: Interpretation der Reakt. nicht eindeutig
° klass. Techniken: Psychoanalyse, Traumdeutung, freie Assoziation
2.3.3.2. Einige Beispiele
° Formdeuteversuch von Rorschach (1921): 10 Klecksbildern Vp soll Deutung auf die
Frage
„Was könnte das sein?“abgeben Interpretation der Antworten
° TAT [Thematischer Apperzeptions-Test, Murray, 30er Jahre]: Figuren in versch. (oft mehrdeutigem)
Kontext
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Vp soll Geschichte dazu erzählen Interpret. ausgehend von d. Person d. Helden,
dessen Motive
beide Verfahren heute noch gebräuchl., obwohl keine befriedigenden Normdaten
vorliegen!
° weitere Verfahren: Satzergänzung, Wünsche äußern, Umgang mit puppenartigen Figuren
(Mitglieder
der Familie), Entwurf einer individuellen Welt mit Spielzeug, ...
2.3.3.3. Gütekriterien
Probleme: nur mangelhaft sind die ...
° Durchführungsobj., da: Vl-Vp-Beziehung, notw. Rückfragen
° Obj. der Signierung , da kein erschöpfender Katalog der Antwortmögl. ex.
° Interne Konsistenz aufgrund der Heterogenität der Tafeln bzw. Items
° Retestrel., da beim nochmaligen Vorlegen des Materials keine spontane Reakt der Vp
mehr
zustandekommt und die Vp bestrebt ist neue Antworten zu liefern
° Validität, da kein verbindl. Außenkriterium ex.
2.3.4. Verhaltenstheoretische Ansätze
2.3.4.1. Grundzüge und Unterscheidungsmerkmale
Behaviorismus
* basiert auf lernth. Konzepten
* Verh. ist abh. von sit. Gegebenheiten oder spez. Reizen der Umw., die beim Organismus
best.Reakt.
auslösen Konsequ. dieser Reakt. können zur Änderung des Auftretenswahrsch. des
Verh. führen
* Stabilität des Verh. ist abh. von raumzeitl. Kontingenzen von auslösendem und
bekräftigendem
Verh.; Konsistenz von der Breite des Reiz- und Reaktions-Generalisationsgradienten
* Ann.: es ex. keine Strukturen der Pers. die sich der Beob. entziehen
* Pers. ist def. durch die Wahrsch., mit der eine Person best. Verh.tendenzen in versch. Sit.
hat
* Weg zur Erfassung der Pers.: Stichproben aus dem Kriteriumsverh. selbst (Rollenspiel,
verbale
Äußerungen über Reakt.weisen)
* Vorzüge behavioristischer Methoden: geringe Verfälschbarkeit, keine Frage nach Fairness
der Tests,
Wahrung der persönl. Intimität
Traitansatz Psychodyn. Th.
Verh. als Indikator für Pers.strukturen die Verh. als Reakt. auf sit. Gegebenheiten / spez. Reize
nicht direkt beob. sind
Messung von Eigenschaften Entnahme von Stichproben aus dem Kriteriumsverh.
Frage: Was hat die Person? Frage: Was tut die Person?
Vorhersage für ähnl. Sit. Vorhersage für genau diese Sit.
verh.th. Ansatz besonders zur Modifikation von Verhalten geeignet: z.B. Funktionale
Analyse
(Beschreibung des problematischen Verh., seiner kontrollierenden Bedingungen und der
Mittel, mit
12
denen es geändert werden kann, bspw. Kontext, Qualität, Intensität, Folgen bzgl. Inidiv.
und
Umw., Mögl. einer Modifikation von Umw. und Indiv., mögl. Rückkopplung einer
Modifikation)
2.3.4.2. Einige Beispiele
1. Fremd-beobachtbares Verhalten
Untersuchungen zu ... * Delay of Gratification
* Aggr.
* Rollenspiel (u.a. Nachstellen von Sit. in denen sonst keine Beob.
mögl. wäre)
* Behavior Sampling (häufig in klin. Psy., Registrierung der Häufigkeit
und der
Dauer de´s Verh. das zur interessierenden Verh.kategorie gehört)
2. Selbst-beobachtetes Verhalten
° Mittel: Protokollbögen (Registrierung eigenen Verhaltens), Fragebögen, z.B. ...
* FSS (Fear Survey Schedule, Wolpe & Lang, 1964)
* Assertiveness Schedule: Selbstbehauptung in frustierenden Sit.
* PES (Pleasant Event Schedule): über Tätigk. ist anzugeben wie oft sie in best.
Zeitraum
ausgeführt wurden und wieviel Freude dabei empfunden wurde)
* S-R-Fragebögen (Situation-Response-Fragebögen): Sit vorgegeben Pb soll
genau
sagen, welche Reakt. hervorgerufen werden
3. Physiologische Variable; Ausdrucksverhalten
Versuch über 1. physiol. Indikatoren 2. Ausdrucksverhalten auf Pers.merkmale zu schließen
zu 1.: erfasst werden meist: gehirnelektrischen Prozesse (über Elektro-Encephalo-Gramm,
EEG),
Schwankungen des Hautwiderstandes (über Psycho-Galvanische
Reaktion,
PGR), Atem- und Pulsfrequenz, Spannung der Muskulatur, Größe
der
Pupille, Konz. von Hormonen und Spurenelementen
Probleme: * hoher apparativer Aufwand
* eher Erfassung momentaner Aktivationsunterschiede als habitueller, indiv.
Diff.
zu 2.: vom Ausdrucksverh. (Gestik, Mimik, Motorik) auf Pers.merkmale zu schließen klappt
i.d.
Forschung kaum, im Alltag allerdings schon!
2.3.4.3. Gütekriterien
Reliabilität: * nur mäßig bei Verhaltensstichproben, die sich auf singuläre Ereignisse stützen
* Verbesserung der Rel. bei Verlängerung des Beobachtungsintervalls
* Interne Konsistenz und Retest-Reliabilität von Fragebogen hoch (deutet auf
Vorliegen
13
von Traits geringer Breite hin)
Vorhersage des Verh. gelingt in eng umrissene Sit. sehr gut (z.T.bessere als traitth.
Ansatz) jedoch
aber: keine Prognose mögl. für völlig neuartige Sit. (bei traitth. Ansatz und Tiefenpsy.
schon!)
3. BEREICHE INTERINDIVIDUELLER DIFFERENZEN
3.1. Leistungsbereich
3.1.1. Intelligenz
3.1.1.1. Verbale Umschreibung und operationale Definitionen
Intelligenz ist ein besonders wichtiges Merkmal!
Bsp. wiss. Def.:
„ den innerhalb einer bestimmten Kultur Erfolgreichen gemeinsame (...) Fähigkeit“
(Hofstätter, 1957); „ trägt (...) dazu bei“ den „Platz in der hierarchischen Struktur“ der
„Gruppe zu bedingen“
( Roth, Oswald & Daumenlang, 1972); „die Art der Bewältigung einer aktuellen Situation“;
„gut urteilen, gut verstehen und gut denken (Binet & Simon, 1905); „ die zusammengesetze
oder globale Fähigkeit des Individuums, zweckvoll zu handeln, vernünftig zu denken und
sich mit seiner Umgebung wirkungsvoll auseinanderzusetzen“ (Wechsler, 1964)
sehr unterschiedl. Def.; verbale Umschreibungen schwer zu operationalisieren (Probleme:
sinnfreie Tautologien, Wann ist best. Verh. intelligent?, sehr unterschiedl.
Anpassungsleistungen
gefragt, versch. Tests ergeben oft versch. Werte für eine Person)
wiss. Def. tragen sehr wenig zum Verständnis und der Erforschung des Konstrukts Intell.
bei
operationale Def. nötig: Intell. als dasjenige, was der entsprechende Test mißt.
es ex. so viele Intelligenzen wie Verfahren zu ihrer Erfassung
nach Sternbergs Auflistungsverf. (1981) durch Laien und Experten weist Intell. drei Aspekte
auf:
1. praktische Problem-Löse-Fähigkeit (z.B. „Urteilt logisch“)
2. verbale Fähigkeit (z.B. „Ist verbal flüssig“)
3. soziale Kompetenz (z.B. „ Gibt Fehler zu“)
soz. Aspekt fehlt oft in wiss. Def, was darauf hindeutet, daß implizite Intell.th. (ist auch
Teil der
soz. Realität) umfassender sind als wissenschaftliche!
3.1.1.2. Skalen und Verteilungen
3.1.1.2.1. Quotienten und Abweichungswerte als quantitative Maße für allgemeine
Intelligenz
Staffeltest von Binet & Simon Stern: Bildung eines Intelligenzquotienten (altersunabh.
Zahl)
14
Beob.: Standardabw. der IA-Werte steigt mit zunehmendem Alter Versuch Thurstones
(1928) einen absoluter Nullpunkt der Variation zu berechnen (Ergebn.: einige Wochen vor
der Geburt)
Probleme bei der Testung von Erwachsenen:
° keine zwischen den Alterstufen differenzierenden Aufgaben konstruierbar
° Stillstand der IA-Werte und Anstieg des LA immer niedrigere Intell.quotienten umso
älter
die Personen (widerspricht aber der Alltagserfahrung)
Korrektur des IQ notw.: erstmals bei Wechsler im HAWIE/-K durch sog.
Abw.quotienten:
[Grundlage ist altersspezifische Rohwertvert. (=AV)]
Abw.quot. = 100 + s [( indiv. Rohwert - emp. Mittelw. der AV ) : (emp. Standardabw.
der AV)]
[s=15 bei Wechsler, s=10 bei Amthauer; Multipl. mit s nur aus Gründen d. Konvention]
Geprochen wird immer noch von einem „Quotienten“ obwohl es sich faktisch um einen mit s
multipl. Standardwert handelt. Verwendung solcher Normierungsverfahren derzeit üblich
auch noch üblich ist die Kennzeichnung einzelner Abschnitte der kontinuierl. IQ-Verteilung
mit best. Ausdrücken (können bei versch. Autoren versch. sein)
Allen Standardnormen ist die Ann. gemeinsam, daß Intell. normalverteilt ist (d.h. bei
Kenntnis von Mittelw. und Standardabw. ist die Vert. der indiv. Meßwerte völlig
beschreibbar und die rel. Häufigk. von Merkmalsträgern unter den einzelnen Abschnitten
festellbar).
3.1.1.2.2. Abhängigkeit von Meßbereich und Meßwertträger
° Allgemeine Probleme:
Intell.skalen sind keine Absolutskalen Vergl. der Variationsbreite versch.
Merkmalsbereiche fraglich (z.B. Cattell (1971): Standardabw. von „fluid intell.“ größer als
von „cristallized intell..“)
besser ist der Vergl. versch. Pers.gruppen bzgl. ihrer Meßwertvert. (z.B. Burt (1963):
Standford-Binet-Test an versch. Pers.gruppen; Ergebn.: hohe Untersch. zw. den Gruppen,
z.T. erhebl. Abw. von der Normalvert.)
Probleme:
1. an den beiden Vert.enden emp. mehr Meßwertträger als nach der Normalvert. zu erwarten
wären
(evtl. Ursachen: prä- & perinatale Schädigungen des Gehirns (z.B. durch Schläge, O2-
Mangel,
genetisch bed. Intell.defekte (Trisomie 21, ...), assortativ mating (gezielte Partnerwahl nach
Maßgabe der jeweil. Intell.), untersch. Expressivität und Gewichtung versch. Gene)
2. Ist Intell. überhaupt normalverteilt? Vielleicht erhalten wir nur die Normalvert. aufgrund
der
Testkonstruktion und der Stichprobenwahl.
Alternative: Skalierung mittels Rasch-Modell (Meßergebn. unabh. vom Kontext der Items
und den
untersuchten Pers. (dies ist bei der Klassischen Testth. nicht so))
° Allgemeine Intelligenz und Geschlecht:
15
1. nur unbedeutende Mitterw.diff. bei Tests zur Allg. Intell. (Binet; Wechsler), da nur solche
Items in
die Testendform übernommen wurden, in denen Frauen und Männer gleich gut
abschneiden
[dieses Vorgehen ist aber aus ontho- und phylogenet. Sicht vertretbar und widerspricht
auch nicht
dem intuitiven Urteil von Experten und Laien] „Intelligenz im Sinne dieser Tests ist nur
das,
was beide Geschlechter gleich gut können.“ (Merz, 1979)
2. Syst. Untersch. in spez. Fktionsbereichen:
- Frauen zumeist besser in: Wortflüssigkeit, Grammatik, Wortschatz, Leseleistung
- Männer meist besser in: räumliches Vorstellen, technisches Verständnis
3. Varianzuntersch.: in einigen Unters. wiesen Männergruppen höhere Standardabw. als
Frauen-
gruppen auf (d.h. mehr besonders geringe und mehr besonders hohe Intell.werte bei
Männern) es
bestehen aber große Zweifel an der Realität solcher Varianzuntersch. (Varianzeffekt evtl.
bedingt
durch Mängel der Unters.)
° Allgemeine Intelligenz und Alterseinflüsse
Leistungzuwachs während Kindheit und Jugend; insgesamt ist der Verlauf der Werte typ. für
eine Wachstumskurve (steiler Anstieg, Hochplateau, allmähl. Abfall)
strittig ist die Entw. nach Erreichen des Kulminationspunktes (ca. 25-27a):.
- Querschnittstudien zeigen langsamen Abfall nach Kulminationspunkt
(Probleme: untersch. Kohorten, Zeitwandel)
- Längsschnittstudien auch wenig aussagefähig
- am besten: Kombi. aus Längs- und Querschnitt; Ergebn.: kein Abbau (v.a. der Skala
verbal
meaning) vor dem 6 Jahrzehnt (Probleme: Stichprobenrepräsentanz, Tests eigentl. für
Kinder und
Jugendl. entw. und validiert)
Alter ist für die Intell.entw. nur von nebensächl. Bedeutung als besonders wichtig
erweisen sich: Schulbesuch, Berufstätigkeit, Familienstand, Gesundheit
3.1.1.3. Strukturmodelle
3.1.1.3.1. Die Zwei-Faktoren-Theorie von Spearman
Binet sieht Intell. als ein Bündel zahlreicher Einzelfähigkeiten, bildet aber trotzdem nur einen
einzigen Kennwert (nämlich Intell.alter (IA)) für die Beschreibung der intellekt. Leistung.
Spearman entwickelte erstmals eine Modellvorstellung im Hinblick auf die Struktur der
Intell:
die Zwei-Faktoren-Theorie der Intell.:
Beh.: Jedes Maß für Intell. beruhen auf zwei Faktoren, nämlich einem Anteil zu Lasten von
„general intelligence“ (g) und einem anderen der spezifisch (s) für den jeweiligen Test ist.
Die Korr. zw. 2 Verfahren hängt nur davon ab, inwieweit beide g erfassen.
16
[Allerdings sind manche Tests nicht mit dem Modell vereinbar und es ex. auch kein
Kriterium zur Festellung der Ähnlichkeit zweier Verfahren, ( keine Modellprüfung
mögl.)]
3.1.1.3.2. Gruppenfaktoren-Modelle (stehen zw. 2-Fakt.-Th. und Modell mehrer gemeins.
Fakt.)
Burt (1909): statt einem Generalfakt. ex. versch. Gruppenfakt., die jeweils nur auf einer
Untergruppe von Variablen laden
Gruppenfakt.nicht vollst. seperierbar Ann. einer hierarch. Ordnung der Intell.fakt. :
"minor group factors" (unterste Ebene; spez., nur den Test kennzeichn. Fakt.) "major
group
factors" g-Faktor (Ebene des höchsten Allgemeinheitsgrads)
emp. Grundlage: heterogene Verfahren; Korr.koeff.
Umso höher ein Fakt. i.d. Hierachie steht, umso mehr Variablen organisiert er und umso
geringer ist seine Korr. mit der Verh.ebene. [Bsp.: Gruppenfakt.-Modell von Vernon]
3.1.1.3.3. Das Modell mehrerer gemeinsamer Faktoren von Thurstone
Ann., daß ...
1. beim Lösen irgendwelcher Denkaufg. immer mehrere Gruppenfakt. (= “Primary Abilities“
(P.A.)) in wechselnden Gewichtungsverhältnissen beteiligt sind.
2. zur Lösung einer Aufg. nicht alle P.A. notw. sind.
Interkorr.matrix führt mittels Fakt.analyse zur Einfachstruktur (min. Zahl von Fakt. die zur
Erklärung notw. sind)
Thurstone fand 9 P.A., von denen 7 als gesichert gelten: verbal comprehension, word
fluency,
number [Bewältigung arithm. Aufg.], space [räuml. Vorstellungsvermögen], memory
(associative),
perceptual speed, induction oder general reasoning [schlußfolgerndes Denken, Auffinden
von
Regeln]
Bem.: Die ermittelten P.A ...
° sind untersch. breit
° stehen gleichberechtigt nebeneinander [insofern, daß kein Fakt. auf der Ex. eines anderen
aufbaut]
° können u.U. von den verwendeten Personen- u. /o. Merkmalsstichproben abhängen.
Abgeleitete Testverfahren (= Versuch der Entw. von Skalen)
- PMA, 1943: The Chicago Test of Primary Mental Abilities [direkter Abkömmling der
Forschungsarbeiten]
- LPS, 1962 von Horn: Leistungs- & Prüfsystem
- PSB, 1969: Prüfsystem für Schul- und Bildungsberatung [hervorgegangen aus LPS]
- IST, 1953 von Amthauer: Intelligenz-Struktur-Test [entw. im Bezug auf originale
Arbeiten von
Thurstone und auf AGCT (Army-General-Classification-Test)]
[PSB und IST zählen zu den derzeit gebräulichsten diff. Leistungstests]
Thurst.: Exist. sehr untersch. Primärfakt. verbietet Berechnung eines einzelnen Kennwertes
für Intell..
aber: Primärfakt. korr. untereinander (um durchschn. .35) Sekundäranalysen möglich, d.h.
Modell
mehrer gemeinsamer Fakt. muß kein Gegensatz zum g-Faktor- Modell sein
17
3.1.1.3.4. Das Modell der „fluid“ und „crystallized general intelligence“ von Cattell
Synth. von Zwei-Fakt.-Th. und Modell mehrerer gemeinsamer Fakt. es wird ein g-Fakt.
angenommen, dessen Ex. aus den interkorr. Primärfakt. erschlossen wird
Die 2 wichtigsten Sekundärfakt. sind:
1. fluid intelligence (gf):
° Fähigkeit, sich neuen Problemen oder Sit. anzupassen
° v.a. gekennzeichnet durch: Figural Relations (z.B. über Matrizen-Test), Memory Span,
Induction
(Ableitung eines Zusammenhangs)
° relativ kulturfrei = culture fair; culture reduced
° Stillstand d. Entw. mit 14-15a
2. crystallized intelligence (gc):
° umfaßt v.a. kogn. Fertigkeiten (vorangegangenes Lernen!)
° v.a. gekennzeichnet durch: verbal comprehension, experimential evaluation, semantic
relations;
° hoch kulturspez.
° Entw. bis ca. 20a
Bem.:
° Korr. von gf u. gc um ca. .50 weiterer Fakt. mit größerem Allgemeinheitsgrad zu
erwarten: gf(h)
° Identifizierung von gf und gc relativ gut möglich
° nicht eind. belegt: Veränderungen bzgl. LA, Auswirkungen von Schädigungen des Gehirns,
Auswirk.
von Umw.einflüßen während versch. Lebensabschnitte
° Modell weist hohen heuristischen Wert auf
3.1.1.3.5. Das „Structure of Intellect“- Modell von Guilford
Abkehr von hierarch. Modellvorst. und von g-Fakt.; Verwendung des Modells der
Info.verarb.:
Input-, Operation-, Output-Variablen (entspricht Inhalten, Operationen und Produkten):
° 4 Inhalte: figural, symbolisch, semantisch, behavioral
° 5 Operationen: Kogn., Gedächtnis, Divergente Produktion, Konvergente Produktion,
Evaluation
° 6 Produkte: Einheiten, Klassen, Beziehungen, Systeme, Transformationen,
Implikationen
Kombination ergibt 120 Faktoren. Dadurch läßt sich jeder Info.verarb.prozeß zuordnen.
Bem.:
° Kritik am S-I-Modell: * Fakt. korr. untereinander (sind also nicht unabh., wie postuliert)
evtl. Reduktion auf weniger Fakt. mögl.
* Nachweis ihrer Unabh. methodisch sowieso unmögl. (zu hoher
Aufwand!)
* Fakt. kaum replizierbar und interpretierbar
° hierar. Betrachtung mögl. (umso mehr Beschr.dim. notw. sind, umso niedriger das Niveau
des Fakt.)
° hoher heuristischer Wert des Modells
3.1.1.3.6. Das Berliner Intelligenzstrukturmodell von Jäger
Meili (1957): Postulat gestaltsth. Intell.fakt.: Komplexität, Plastizität, Ganzheit, Flüssigkeit
18
Jäger (1973): ermittelt 6 Gruppen von Hauptfakt. untersch. Breite [u.a. mit Variablen aus den
Strukturmodellen von Thurstone, Guilford und Meili]:
Anschauungsgebundenes Denken, Einfallsreichtum und Produktivität,
Konzentrations-
kraft und Tempomotivation, Verarbeitungskapazität, formallogisches Denken
und
Urteilsfähigkeit, zahlengebundenes Denken, sprachgebundenes Denken)
Fortentw. dieser 6 Gruppen von Hauptfakt. zum Berliner Modell [enthält u.a. Elemente
aus den
Kategorisierungssyst. von Spearman, Thurstone und Guilford]
Ausgangspunkt: Zusammenstellung eines Gesamtsatzes von Intell.skalen
Bearbeitung einer Gesamtauswahl versch. Aufgabentypen zur Intell.messung durch
Abiturienten
Strukturanalyse dieses Gesamtsatzes und Faktorisierung von Bündeln von jeweils
operationshomogenen Variablen
4 Operationsklassen (Einfallsreichtum, Verarb.kapazität, Gedächtnis, Bearb.geschw.)und
die 3
postulierten Inhaltsklassen (Sprach-, Zahlen-, Inhaltsgebundenes Denken) treten simultan
auf
Bem.:
° Diese Bi-Modalität der Fakt. konnte mit gewöhnl. Fakt.analyse nicht gefunden werden, da
das Einfachstrukturkriterium Variablen gruppiert, die nur auf einem Fakt. hoch laden.
° hypoth.geleitetes und methodenkritisches Vorgehen „absolut beispielhaft“ (S.213)
3.1.1.3.7. Zusammenfassende Würdigung
Einfluß auf die erhaltenen Resultate können haben die ...
° angewandte Meth. ( Auswahl der Pb- und Merkmalsstichprobe, Verwendung der
Fakt.analyse,
orthog. o. schiefwinkl. Rotation, ..)
° Ann. über d. Varianzaufspaltung (allg. u. spez. Leistungsfakt. (Spearman), hierarch.
geordnete
Fakt. (Vernon), Einfachstrukturmodell (Thurstone), gemeinsame Fakt. (Cattell), Bi-
Modalität, ...)
° Menge der Fähigkeiten der Pb. (bei allen ungefähr gleich?)
° eingesetzte Strategie zur Lösung der Items (bei allen Pb. dieselbe?)
° Klassifikationskriterien der Pb.stichprobe (Alter, Geschlecht, sozioökonom. Status,
Ausprägung von
persönl.Merkmalen, ...)
ABER: Weder Thurstone noch Guilford konnte zeigen, daß es „g“ nicht gibt!
3.1.1.3.8. Exkurs: Prozeßanalyse der Intelligenz
Frage nach den Prozessen, die das Zustandekommen einer Leistung ermöglichen oder
verhindern. (gängige Testverfahren zur Erfassung der Intell. sagen nichts darüber aus)
völlig andere Ansätze notw. Entw. von Verfahren zur Ermittlung dieser Prozesse:
° Skalierte Selbstbeschreibung der Vpn während der Bearbeitung von Testaufgaben (z.B.
Ertel, 1966)
° logische und z.T. intuitive Analyse von Aufgaben Liste von kogn. Prozeßkomponenten:
Aufmerksamk., Aufnahme, Bilden und Suchen von Co-Repräsentationen,... (kein Anspruch
auf
19
Vollständigk. u. darauf, daß sich die Prozeßkomponenten paarweise wirkl. untersch.; Caroll,
1981)
° experimentelle Ansätze (Verwendung eigens entw. Aufgaben):
* Kognitiver-Korrelate-Ansatz (Suche nach kogn. Prozessen, in denen sich vorab
psychometr.
unterschiedene Gr. untersch., z.B. Hunt et al. (1975): „What does it mean to be high
verbal?")
* Kognitiver-Komponenten-Ansatz (Identifikation der Teilprozessen, die für Untersch.
zw.
Pers.-Gr. verantwortl. sind, z.B. Pellegrino & Glaser (1979): „What do intelligence
tests test?“)
am besten untersuchte Aufgabenbereiche: verbales Geschick, Number, Induktives Denken,
Deduktives Denken, Lernen
1. Bsp: Sternberg (1987) zum Indukt. Denken: Pers. mit hohen Leistungstestwerte benötigen
weniger
Zeit für Merkm.entdeckung, Merkm.vergl., Beurteilung und Beantwortung, hingegen
mehr
Zeit für die Enkodierung (mögl. Interpretation: mehr Sorgfalt bei Encodierung
Entlastung nachfolgende Prozesse)
2. Bsp: Hunt (1978) zur Enkodierung: Versuch Buchstabenvergleich „physical match“
(gleiches
Aussehen der Buchstabenkombination) und „name match“ (gleiche Ausprache)
Ermittlung
der Geschw. für lexikalischen Zugriff (= name minus physical match; korr. mit verb.
Fertigk.,
denn: wichtig für Prozeß der Encod. ist Geschw. des lexik. Zugriffs
3. Bsp: Shepard & Metzler (1971): V. zur „mentalen Rotation“ als Bsp. für räuml.
Vorstellung:
Es werden jeweils zwei dreidim. Figuren vorgeg., die entweder gleich (aber im
Raum
gedreht) oder verschieden sind
Ergebn.: a) Bearbeitungszeit = Konstante mal Drehwinkel,
b) ca. 80% der Zeit bis zur Antwort werden zur mentalen Rotation
verwendet,
der Rest auf Vorbereitungs- und Suchprozesse
4. Bsp: Sternberg (1977): Komponenten-Analyse der Prozesse beim Induk. Denken:
Bestimmung der Teilzeiten durch Darbietung der Aufg. mit untersch. Vorinfo.
Ergebn.: gute Übereinstimmung von tatsächl. Lösungszeit der Gesamtaufg. und der
durch
Addition der Teilzeiten ermittelten Gesamtzeit
Struktur-Modelle der Intell. sind nur Ordnungssyst. für die Beschreibung von Produkten (also
der Ergebn. von Prozessen) es fehlt die Berücksichtigung von Prozeßkomponenten!
Versuch Sternbergs ein umfass. Modell zu finden: „triarchic“ (da 3 versch. Aspekte):
Bez. der Intell. zur ...
° internalen Welt des Indiv. (Kontrolle der Pläne / Abläufe / Bewertungen; deren
tatsächl.
Ausführung; Wissenserwerb)
° externalen Welt des Indiv. (Fktionen, die in der Alltagswelt die Anpassung an die
Umgebung
gewährleisten)
20
° Erfahrung des Indiv.(umso größer die Erf., umso größer die Fähigk. in neuen Sit. und
umso
größer die Automatisierung alltägl. Anford.)
Beschäftigung mit Info.verarb. führte zur Bildung der sog. kogn. Persön.th. (zentral: Denk-,
Entscheidungs- und Bezugsregeln bei der Gewinnung und Verarb. von Info.).
3.1.1.4. Stabilität und Inkonstanz der Intelligenz
Stabilitätskoeff.:
° für gebräuchl. Intell.tests bei r =.90, also in befriedigender Höhe (Splithalf-Koeff. kaum
aussagekräftig; besser: Retest oder Paralleltest)
° konstante Intervalle umso höher das LA, umso größer die Stabilität
° bei längeren Intervallen (bis zu 42 Jahren) noch gute Übereinstimmungen
° kürzere Intervalle höhere Koeff.
° bei Kindern noch in ausreichender Höhe, allerdings <.90, denn: rasche Entw.vorgänge,
oftmals
Motivation notw. (d.h. Stand. der Verfahren leidet), ...
Fehlerhafter (<- da Schwächen im Modell, Ungereimtheiten bei dessen Überprüf.)
Erklärungsansatz: „Überlappungs-Modell“ von Anderson (1939):
nun feststellbare Leistung = früher gemessene Leistung + Zuwachs in der
Zwischenzeit
Alternativkonzept:* verarbeitete Erfahrung bleibt intraindiv. konstant
* es ex. interindiv. Untersch. in der Info.verarb.
* Erfahrungen gehen wieder verloren (Verlust proport. zur Menge d.
Gespeicherten)
* früher Erworbenes ist Voraussetzung für weiteren Kenntnis- und
Fähigkeitserwerb
(denn: Zugewinn umso größer umso höher die Leistungen des Pb früher)
Hohe Stabilität nicht gleichbedeutend mit Konstanz der Mittelwerte: Es treten auf ...
° Zuwächse nach kurzen Intervallen (evtl. Trainings- und Gedächniseffekte)
° Zuwächse über lange Intervalle (z.B. Anstieg des Durchschnitts-IQ in USA und Japan,
v.a. bedingt
durch Veränderung von Umweltfakt. (Urbanisation, Schulbildung, Ernährung, ...)
° Leistungseinbußen durch kogn. und emot. Deprivation, Reizmangel, Gehirnschädigungen,
...
° interindiv. versch. Verarb.mechanismen (evtl. verantwortl. für interindiv. Diff. i. den
Lstgs.änd.)
Intell.entwicklung beeinflußbar! Aber wie?
(Negativbsp.:„Projekt Head Start“: Versuch die Anregungsbed. zu verbessern und damit
die Intell.
zu steigern; aber: ergebnislos!)
3.1.1.5. Korrelate der Intelligenz (Konsequenzen untersch. Intell. in anderen Bereichen)
3.1.1.5.1. Extremvarianten der Intelligenz: Hochbegabte und Schwachsinnige
Schwachsinnige = frühers: „Abnormale“ ; heute: „Unternormale“
21
drei Indikatoren für Schwachsinn:
1. Ausmaß der intellekt. Leistungen
2. Grad der Anpasssung an die soziale Gemeinschaft (d.h. wieweit kann jmd. mit Umsicht
und
Konstanz für sich selbst sorgen und seinen Lebensunterhalt selbst bestreiten?)
3. Umstände, die zu den Auffälligkeiten geführt haben (z.B. chronisch entw. bedingt, Unfall,
psy. oder
körperl. Erkrankung?)
Klassifikation IQ IA Sauber- Sprache Lebenstüchtigkeit Lesen,
des keit Schreiben
Schwachsinns
Idioten < 50 ca. 2a - - - -
Imbezille 50 - 60 ca. 6a + stammeln einfache Routinetätigk. -
Debile 60 - 70 + + u.U., z.T. externe Kontr. notw. u.U.
Klassifikation von Psychiatern & Kinderärzten stimmt gut überein mit Testergebn.
(Validitätsbeleg
für Inttell.tests und ihre Diff.fähigk. im unteren Bereich). Auch im oberen Extrembereich (IQ
> 140) diff. Tests zur Allg.Intell. gut. Identifizierung von Hoch- und Höchstbegabten mittels
Intell.tests durch Lehrerurteil bestätigt. [Allg. gute Intell.schätzungen bei Fremdratings,
schlechtere bei Selbstratings]
3.1.1.5.2. Intelligenz und Problemlösen
Ann.:Hohe Korr. zw. Intell. und Werten in komlexen Denkaufgaben (z.B. Turm von Hanoi,
Tangram-Puzzle, Interpretation schwieriger philos. Texte, Lohhausen-Aufgabe (Regierung
einer fiktiven Comp.stadt über ca. 10a hinweg), Assessment-Center, Basket-Test, ...)
aber Aufg.typen von Intell.tests und komplexen Problemsit. nicht vergleichbar:
komplexe Problemlöseaufgaben Intell.testitems:
Optimierung mehrerer Variablen, die oft Suche nach korrektem Zustand
vernetzt oder sogar unvereinbar sind
aktiv-exploratives Verh. notw. passives Verh. gefragt
unklares Ziel (Was ist überhaupt gefordert?) Ziel klar
Korr. zw. Intell.testwert und Wert in komplex. Denkaufg. oft nur im Zufallsbereich (d.h.
um Null)
° Bei den meisten komplexen Problemaufg. handelt es sich um "single-act"-Kriterien (denn:
Rel. sehr
niedrig, bzw. nicht bestimmbar, konvergente Val. zw. den Problemaufg. gleich Null)
ihre
Vorhersage kann gar nicht gelingen, auch nicht mit anderen, mögl.weise angemesseneren
Verf..
° Intell.tests erfassen notw., aber nicht hinreichende Bedingungen für die Lösung komplexer
Problemsit. (denn: z.B. bei der Schneiderwerkstatt von Funke konnte man Korr. von .00 bei
Standardinstruktion auf .31 durch transparente Instruktion heben (Putz-Osterloh & Lüer,
1981))
um über kompl. Problemsit. Intell. zuverlässig erfassen zu können, müssen diese erst
noch
weiterentw. und -verbessert werden
° weitere Probl. mit komplexen Problemsit.:
22
* sie untersch. sich sehr stark hinsichtl.: Komplexität, Alltagsnähe, Plausibilität,
Realitätsbezug,
semant. Kontext d. Einbettung, Rel. der verwendeten Leistungskriterien
* geringe konvergente Val. oft geringe Korr. der Ergebnisse in versch. komplexen
Probl.aufg.
3.1.1.5.3. Intelligenz und Lernen
Intell. Vpn beim Lernen sinnloser Silben (Passi & Singh, 1972) und paarweiser Assoz.
(Gakhar & Luthra, 1973) weniger intell. Pers. überlegen. V.a. niedrig intell. Pers. profitieren
von Lob, Strategienhilfen und wiederholte Übung der notw. Strategien bzw. werden stärker
von Tadel und habitueller Ängstlichkeit beeinflußt. Allgemein: umso intell. Pers., umso
höher die Lernleistung
(u.a. Versuch von Koch und Meyer (1959) mit hoch und niedrig intell. Kindern und Rhesus-
Affen: gelernt werden sollte die Art und Wertigkeit farbiger Karten untersch. Größe)
3.1.1.5.4. Intelligenz und Schulerfolg
höchste Übereinst. i. d. psy. Diagnostik überhaupt:Vergl. von Intell.testwerten und
Schulerfolg
Korr. höher bei: ° verbalen Skalen (vs. nonverbalen Skalen, evtl. durch die sprachl. Natur des
Unterr.)
° Mädchen (vs. Jungen, evtl. geringeres Interesse an außerschul. Aktiv. bei
Mäd.)
° niedrigängstl. Studenten (vs. ängstl.)
Unterscheidung sinnvoll:
Achievement-Tests Ability-Tests
= Schulleistungstest = Allg. Intelltest
Was kann jmd. fachspez. leisten und was nicht? Vorhers. des Verh. in noch nicht realisierten Sit
eher dort wichtig wo wenig selektiert wird, eher für höhere Schulen relevant, weil dort
z.B. i.d. Hauptschule Selektion betrieben wird, z.B. Gymnasium
aber: ° noch viele andere Persönl.fakt. für den schul. Erfolg ausschlaggebend bzw.
beeinflussend
° Problem des Over- bzw. Underachievements (d.h. im Vgl. zur Ausprägung ihrer Intell.
neigen
manche system. dazu, zu gute bzw. zu schlechte Werte in Achievement-Tests (und
damit meist
auch i.d. Schule) zu erreichen
3.1.1.5.5. Intelligenz und Berufstätigkeit
° Hohe Korr. (r=.80) zw. der für Berufe als mindesterforderl. gehaltene Intell. und deren
Sozial-
prestige; ähnl. Befunde bei Diensträngen in der Armee. Eine mögl. Urs. ist die
administrative
Selektion nach IQ statt nach tatsächl. „IQ-Bedarf“ eines Berufs.
° Diff. unter Erstsemestern hängt weitestgehend von deren vorwiss. Erwartungen an ihren
Studiengang
ab (z.B. Mathe wird als schwer eingestuft, Soz.päd. als eher leicht); dann weitere Ausdiff.
während
des Studiums möglicherw. durch erwartungsgeleitete Selbstplatzierung und
studienimmanenten
23
Beanspruchungs- und Selektionsdruck.
° Intell.diff. zw. den Mitgliedern einer Berufsgruppe werden mit höherem Niveau der Tätigk.
geringer.
Fragen: Sind Intell.untersch. Ursache oder Wirkung (z.B. bessere
Anregungsbedingungen bei
niveauvollerer Tätigk.)? Administr.oder leistungsbez. (z.B. nach dem IQ-“Bedarf“ für
einen Job)
Selektion?
° weitere Probleme: * Kriterien für den Berufserfolg innerhalb einer Sparte schwer
festzulegen
* in manchen Berufen ist Erfolg evtl. noch stärker von anderen Fakt.
(z.B.
Freundlichkeit bei Verkäufern) abh. als von Intell.
* Stichprobenrepräsentanz in den einzelnen Berufssparten nicht gegeben
* Zu- o. Aberkennung v. Erfolg erfolgt durch normative Setzung der
Gesellschaft
* eigentl. IQ-Berufserfolg-Korr. schwer bzw. gar nicht zu best., denn z.B.
Vert.
auf Arbeitsplätze nicht nach Zufall
3.1.1.5.6. Intelligenz, Verhalten und Lebenslauf
° Allg. Intell. ist wichtigster Prädiktor für späteren relativen Erfolg (in Schule, Beruf, Alltag,
...)
° Korr. von Intell. und außerschul. Aktivitäten (Engagement) reicht, je nach Unters., von
kaum (Wing
et al., 1969) bis .66 (Cogan et al., 1974)
° Längschnittuntersuchung von Terman (1920er - 1968) an n= 1528 (1968 noch n=1188) Kindern
(3 - 19a, durchschn. 11a alt, durchschn. IQ= 151) Ermittlung der Intelligentesten in
Grundschulklassen;
Ergebn.: ° größer und schwerer als ihre Alterskameraden, schneller laufen und sprechen
gelernt,
Pubertätseintritt früher, weniger phys. und psy. Auffälligkeiten
° in emotionaler, motivationaler und interessenmäßiger Hinsicht überlegen
(Lehrerurteil)
° mehr Collegebesuche, erfolgreiche Abschlüsse und Doktorgrade; weniger Unfälle,
Delinquenz, Alkoholismus, Homosexualität; Männer wurden v.a.Richter,
Rechtsanwälte,
Professoren, Ingenieure, Ärzte, Manager,..; Frauen wurden hauptsächlich
Lehrerinnen
° bei ca. 15% blieb der Erfolg aus; Warum?
3.1.1.6. Praktische Intelligenz (vs. akademische Intell.)
akadem. Intell.:
° Fertigk. die in der Schule vermittelt werden ( hohe Korr. mit Schulnoten)
° wird von den bis jetzt erwähnten Verf. gemessen (kaum oder gar kein intrinsisches
Interesse, meist
nur eine richtige Antw. und nur ein angemessener Lösungsweg; Items: von anderen
Pers.formuliert,/
gutstrukturiert/ von alltägl. Erfahrung abgehoben/ beinhalten alle notw. Info. zu ihrer
Lösung)
24
prakt. Intell. (= intelligent performance in natural settings):
° wird von den gängigen Intell.tests nicht erfaßt (solche Probleme sind meist unstrukturiert/
enthalten
nicht alle notw. Info., man weiß oft nicht, wann die Lösung erreicht ist)
° = angemessenes Reagieren im Sinne der eigenen Kurz- und Langzeitziele (Neisser, 1976)
notw. sind andere Items: nun zur Erfassung der ...
* Anpassung an d. eigene Umw. * Leistungsmotivation * Zielgerichtetheit des
Handelns
3.1.1.6.1. Methoden zur Erfassung von alltagsnahen Kompetenzen
versch. Ansätze:
° Erfassung von Motiven intellekt. Handlungen in natürl. Umwelten ( v.a. bzgl.
Leistungsmotivation)
z.B. über den TAT (aber: TAT ist proj. Verf.; Erfassung mittels Fragebogen eignet sich
auch nicht)
° „Critical Incident Technique“ (geht zurück auf Flanagan, 1954): Vpn sollen krit. Ereignisse
in ihrem
Leben beschr., mit denen sie besonders gut oder besonders schlecht zurechtgekommen sind
Extraktion der notw. und förderl. Kompetenzen
aber: qual. Analyse nicht zwingend obj., Wahrheitsgehalt der Gschichterl fragl., viel
Bereitschaft
seitens der Vpn notw., nur seltene Extremfälle werden berücksichtigt ( Rel. zu niedrig, ...)
° Prototyp. Simulation von Sit., die repräsent. für herausragende Anforderungen sind. (z.B.:
Basket-
Test: Inhalt eines Ablagekasten bewältigen; Assessment-Center: Arbeit in Kleingruppen)
aber: Probleme wie bei anderen komplexen Problemlöseaufg.
° Vgl. von Experten und Neulingen in einem Fach hinsichtl. ihrer Kompetenz bzgl. der
Bewältigung von Aufg.: besonders förderl.: sog. „stilles Wissen“ = „tacit knowledge“(ist
mehr
praktisch (vs. akademisch), mehr informell (vs. formell), wird gewöhnl. nicht direkt
gelehrt).
z.B. Wagner (1987): Befragung über die beste Meth. des Vorankommens i.d. akadem.
Karriere bei
unterschiedl. erfahrenen Psychol. (stilles Wissens korr. eind. pos. mit der allg. Reputation
in einem
Fach; besser für Karriere ist: mehr Zeit i.d. Forschung zu investieren als i.d. Lehre oder
Verwaltung)
3.1.1.6.2. Weitere Aspekte von Praktischer Intelligenz
praktische Intell. hat noch viele Teilbereiche, z.B.:
° soziale Intell.: Fähigkeit zum effektiven (und verständnisvollen) Umgang mit anderen
(mittels
übl. Methoden schlecht nachweisbar, besser mit Fragebogen)
aber: Nachweis eines materialunspez. Faktors bis jetzt noch nicht mögl.
° praktisch- technische Fähigkeiten und Fertigkeiten:
* abh. von bereits ausgeführten Tätigkeiten (auch bei komplex. Problem-Löse-Sit.
beobachtbar)
* umfassen auch räuml. und psychometrische Faktoren
* typ. Aufg.: Organisation, Regelwissen, Abschätzung planenden Denkens,
manipulative
25
Proben, mechanisch-techn. Verständnis, ...
3.1.2. Kreativität
3.1.2.1. Einführung und Begriffsbestimmung
Anstöße zur Kreativitätsforschung: 1. Presidential Address von Guilford (1950) an die American Psychological Association:
Beklagung des Mangels an kreat. Pers. i.d. Wiss. Anregung der Kreat.forschung; 2. „Sputnik-Schock“ (1957) viel Geld
wurde daraufhin i.d. Kreat.forschung gesteckt, um den wiss.-techn. Rückstand zur UdSSR wettzumachen
Aspekte versch. Def.: Fähigkeit etwas ...
° Neues zu schaffen (Barron, 1965) (aber: Wie neu / originell ist etwas?; Muß es selten sein
für die
Person selbst oder bzgl. der Norm oder bzgl. aller?) ...
° das auch Nutzen hat (nicht in materieller Hinsicht, aber: Was ist Nutzen?)
° in dem sich intellekt. Führerschaft (Einfluß auf wiss. Zukunft), Scharfsinn, Erfindergeist,
Angemessenheit und Breite (bzgl. der Verwendbarkeit und des Einflusses), ...
wiederspiegelt
Bei Laien kommt es zu einer selbstverständl. Def., die gut mit wiss. Abgrenzungen
übereinstimmt.
3.1.2.2. Erfassung der Kreativität
3.1.2.2.1. Kreativität als Eigenschaft
[nomoth. Absatz stößt an seine Grenzen, da der Begriff def. ist für seltene und herausragende
Leistungen, Produkte, Personen]
° Zugangsmöglichkeiten:
* historiometrische Analyse (=idiogr. Ansatz): Analyse bedeutender Pers. und ihres
Lebenswerks
Schluß auf Leistungs- und Charaktermerkmale (meist durch Projektion der versch.
Leistungen
auf eine gemeinsame Dim., z.B. Intell.); Problem: Ann., daß Kreat. kontinuierl. und
normalvert.
ist und daß es eine Eigensch. ist, die alle Pers. besitzen (aber: Was ist durchschn. Intell.?)
* Vers. der Beurt. der Kreat. einer Person an d. Kreat. ihrer Produkte (über entsprechende
Testverf.)
° Bem.: * Hohe Werte in Kreat.tests zwar notw. aber nicht hinr. Bedingung für Kreat. im tägl.
Leben.
* Kreat.leistungen stark durch Pers.merkmale und situat. Bedingungen beeinflußbar.
3.1.2.2.2. Allgemeines zur Kennzeichnung der Verfahren
meistens: ° ungebundene Form der Beantw. der Items
Auswertung durch Schablonen unmögl.; Obj. vermindert
° Qualität der Antworten wird eingeschätzt nach deren Originalität (relativer
Seltenheit /
Einzigartigk.) durch geschulte Beurteiler (oft hohe Übereinstimmungen versch.
Beurteiler)
Probleme:
° Spontanität nicht reallisierbar
° Fragl. ob ein kreat. Prozeß durch einen Test ausgelöst werden kann
° nur Kenntn. über Endergebn., nicht über Prozeß
° bisher keine ausreichende Standardisierung und Normierung der Kreat.tests
26
Bem.: ° 2 Möglichkeiten: a) sehr freie Sit. (keine Zeitbegrenzung, ...)
b) nicht so liberale Bed. (z.B. Zeitbegrenzung, ...)und evtl. wird Vpn
gesagt, daß es sich um Kreat.test handelt (u.a.Vermeidung von
Selbst-
instruktion) und daß sie ihre Ideen nachher selbst bewerten
müssen
[hier bessere Testergebn. als bei a)]
° Rel. (meist Splithalf) geringer als bei allg. Lstgtests, jedoch genügend hohe zeitl.
Stabilität für
Merkmalskonstanz (meist .60 bis .80)
3.1.2.2.3. Guilford-Tests (Basis: Structure of Intellect-Modell)
Kreat. v.a. im Bereich des divergenten Denkens (nicht nur eine richtige Lösung nach Regeln
der Logik), jedoch auch konvergente Produktion und Bewertung nötig. Zahl und Qualität der
Lösungen gelten als Indikator für Ausprägung des Merkmals Kreat..
Guilford postuliert Unabh. einzelner Bausteine des S-I-Modells und versuchte daher auch die
Unhabh. der Kreat.skalen von anderen Modellfaktoren nachzuweisen.
Gesamtwert für Kreat. nicht sinnvoll, da ja auch die einzelnen Kreat.skalen voneinand.
unabh. sein sollen. Gültigkeitsüberprüfung der Fakt. durch Guilford nur um Sinne inhaltl.
Validierung.
3.1.2.2.4. Weitere Verfahren
° Minnesota Test of Creative Thinking (Torrance, 1962): Ungewöhnl.Verw.mögl. für eine
Dose,
Verbesserungsvorschläge für einen Spielzeughund, Figuren ergänzen, ...
° Remote Association Test (RAT, Mednick, 1962): 3 Wörter werden vorgegeben Vpn. soll
die sie
verbindende Assoz. nennen
° Fragebogen entw. in Anlehnung an AFA (Act-Frequency-Approach) zur Erfassung von
Kreat. in
alltägl. Sit. (s.Amelang et al., 1989)
° Gough (1962): Fragebögen zu intellekt. Kompetenz; Gewohnheit, Fragen zu stellen; kogn.
Flexibilität; ästhetische Sensitivität; Wissen um den eigenen Wert
° Richards et al. (1988): Erfassung der Alltags-Kreativität mittels Interview
Wallach & Kogan (1966): Unterscheidung in Reservoir und Hierarchie indiv. Assoz.
Ann.:weniger Kreative bringen schnell relativ konforme Assoz., doch ihr Speicher ist
schnell
erschöpft; Hochkreative haben längere Latenzzeit, bringen mehr und länger originelle
Assoz.
(haben also einen flacheren Assoz.gradienten als Niedrigkreat.)
exp. Überprüfung durch Brown (1973): Ergebn.: Hochkreative weisen geringere Diff. i.d.
Lernrate
zw. starken und schwachen Assoziationen auf (Begründung: flacherer Assoz.gradient)
3.1.2.3. Korrelate der Kreativität
3.1.2.3.1. Validierungs- und Kriterienproblematik
27
Lücken/ Probleme: ° Externe Kriterienmaße wenig untersucht (aber nötig zur Validierung)
° Untersuchungen bisher hauptsächlich an jungen Vpn. (manches spricht
aber
dafür, daß sich best. Kreat.aspekte erst im Alter manifestieren)
° Vieldimensionalität der Kriterien für Kreat.
° Vgl. der Testverf. mit direkten Kreat.ratings selten:
* Psychologen schätzen Captains der US-AirForce ein
mäßige Korr. mit Kreat.tests (Barron, 1955)
* Auswahl kreat. Architekten nach Fremdratings Korr.um .50
zw.
ungewöhnl. Assoz. und Kreat. (MacKinnon, 1964)
viele Unters. zum Vgl. von Lstungs- und Persönl.merk. kreat. Pers. mit denen der
unauffälligen Norm kreat. Künstler und Wissenschaftler: autonom, selbstgesteuert, emot.
stabil, hoch leistungsmotiv.,
hoch intell., Vorliebe für Praxisdenken und kogn. Beschäftigung, meist weit gestreute
Interessen
3.1.2.3.2. Kreativität und Intelligenz
° Kreat. ist ein anderes Konstrukt als Intell. (z.B. Besonderheiten in der Def.) und wird auch
von
Beurteilern anders eingeschätzt
° Kreat. weist wesentliche Gemeinsamk. mit Intell. auf (Korr um .50, d.h. 20-25%
gemeinsame
Varianzanteile); mögliche Urs. / Deutungen: Zeitdruck und Testcharakter der
Kreat.messung;
hohe Intell. für hohe Kreat. notw. (aber nicht hinr.); Zus.hang von Kreat.testwert eher mit
cryst. als
mit fluid intelligence trozdem: in Fakt.analysen treten getrennte Fakt. für Kreat. und
Intell. auf
3.1.2.3.3. Kreativität und Schulleistung
positive Korr. mit Schulleistungen unabh. von Einflüssen des IQ:
° hohe Kreat. kann weniger hohe Leistungswerte (also auch geringere Werte in Tests zur
Allg.
Intell.!) ersetzen (Getzels & Jackson, 1962)
Problem: Grundlage waren Schülerbeurteilungen durch den Lehrer und damit:
° Zusammenhang lehrerabh. (je nach dessen Konformitätsgrad, denn kreat. Schüler sind
meist
lebhafter, undisziplinierten, stellen mehr Fragen, ... wichtig ist, ob Leher solch einem
Verh.
positiv oder neg. gegenübersteht)
3.1.2.3.4. Kreativität und Persönlichkeit
Getzels & Jackson (1962): Hochkreat. Schüler schätzen Humor, mit anderen gut
auszukommen und
emotionale Stabilität. Hochintell. legen mehr Wert auf gute Noten, hohe Intell.,
Zielstrebigkeit.
Bosse (1979): Selektion hochintell. Kinder Gruppierung dieser in Hoch- und
Niedrigkreative:
28
erstere erreichten höhere Werte in „Abenteuerlust“, „Frustrationstoleranz“,
„Modellverh.“
Kreative haben: ° größere Zahl an außerschul. Aktivitäten
° höhere Werte in „Alternate-Uses“-Test (ungewöhnl.
Verwendungsmöglichkeiten,
z.B. für einen Backstein).
° mehr internalen als externalen Locus of Control.
° originellere Traumberichte
Wichtig: Eliminierung des Intell.einflusses bei Ermittlung solcher Zusammenhängen
3.1.2.4. Aufklärung testunabhängiger Kreativitätsvarianz
umgekehrter Weg: herausgreifen von als kreativ angesehenen Personen, Untersuchung jener
mit herkömml. Tests (evtl. auch mit Kreativitätstest, vgl. MacKinnon (1962): Architekten ...)
° Tests mit Wiss., Künstlern, Managern, Architekten, ...
° biogr. Untersuchungen; Ergebn.: Pb stammen aus Familien mit Akzentuierung auf intell.
Aktivit.
aber: querschnittl. Ansatz keine Vorhersage der Kreat. mögl., evtl. auch keine Erklärung
3.1.2.5. Implikationen und Trainierbarkeit
° Geringere Anteile an den Kriteriumsvarianzen als erwartet wurden aufgedeckt; mögl.
Ursachen:
komplexe Kreat.kriterien, Rel. nicht durch Re- oder Parallel-Testungen nachweisbar
° kaum vorliegende Prädiktionsstudien, Langzeituntersuchungen
° erst neuerdings Prozeßanalysen bzgl. des Zustandekommens kreat. Leistung
° Trainierbarkeit sehr zweifelhaft (fragl. ist v.a. die Stabilität der durch Training "erhöhten"
Kreat.)
3.2. Persönlichkeitsbereich
3.2.1. Einführung und Historisches
3.2.1.1. Temperamentstypologien
Persönl. = auf welche Art und Weise jmd. etwas tut
bereits im Alterum wiss. Bemühungen um Klassifikation der Persönl.unterschiede.
1. Kategorisierungen: z.B.:Hippokrates: Sanguiniker, Phlegmatiker, Choleriker und
Melancholiker (je
nach Vorherrschen eines der 4 Körpersäfte) Typen tauchen wieder bei Kant auf (= 4-
Felder-
Schema)
2. dim. Betrachtung: z.B. Wundt (1903; Übernahme der klass. Typen, aber Anordnung in
einem dim.
Modell mit den Achsen „Stärke der Gemütsbew.“, „Schnelligkeit des Wechsels der
Gemüts-
bewegung; Eysenck (1965; mit den Achsen: „emotionale Stabilität“, „I/E“)
3.2.1.2. Konstitutionstypologien (= Versuch Charakter- und Verh.untersch. auf körperl.
Merkmale zu
beziehen, sie daraus zu erklären)
29
° Kretschmer (ca. 1920): hier Konstitutionstyp. als Totaltyp. (= Versuch alle Bereiche der
Persönl. zu
erfassen und in Zusammenhang mit dem Körperbau zu bringen) Beob. an psy. Kranken;
Kretschmer glaubt einen Zusammenhang zw. Körperbau und Art der Erkarnkung zu
erkennen 3
Körperbau-kategorien: pyknisch (v.a. manisch-depressives Irresein), leptosom (v.a.
Schizophrenie),
athletisch (v.a. Epilepsie) Ann.: Geisteskranke untersch. sich im Erleben und Verh. von
psy.
Unauffälligen nur quantitativ es ex. 3 Temperamente: zyklothym, schizothym, viskös
aber: zweifelhafte Überprüfung (keine Signifikanzprüfung, keine repräsentativen Vpn-
Stichproben
keine Kontrolle des Alterseinflusses, obwohl dieser ex, denn umso älter jmd. ist, umso
größer die
Wahrsch. eines pykn. Körperbaus und umso höher die Wahrsch. an zirkulärem Irresein zu
erkranken)
° Konstitutionstypologie von Sheldon: ähnl. der von Kretschmer; auch kaum emp.
nachweisbar
° Möglichk. der Begründ. eines geringen Zusammenhangs (ex. nur bei Extremgruppen d.
Körperbaus):
* Hormone (sind v.a. genet. determiniert und beeinflussen Psyche und Physis)
* körperl. Fakt. beeinflussen psychische und umgekehrt
* Umw. reagiert konstant auf best. phys. Merkmale (Stereotype) Ausbild. best.
Persönl.merkm.
3.2.2. Faktorenanalytisch begründete Gesamtsysteme der Persönlichkeitsbeschreibung
Ökonomiegründe Wiss. beschränkt sich meist auf die Betrachtung einer oder weniger
Variablen:
aber es gibt Ausnahmen: Guilford, Eysenck, Cattell wollten Gesamtsyst. der Persönl.
entwerfen.
[th. Vorstellungen ergaben sich oftmals erst im Laufe des Forschungsprozesses]
3.2.2.1. Die Persönlichkeitstheorie von Guilford
3.2.2.1.1. Klassifikationen und Modelle
° Verwendung des Trait-Konzepts (relativ stabile Persönl.züge) Unterscheidung von
insgesamt 7
Bereichen der Persönl.: phys. Traits, morphol. Traits, Eignung, Temperamentsdim.,
Einstellung,
Interesse, Bedürfnisse (Untersuchungen v.a. zu Eignungen und Temp.dim.)
° Persönl. = Summe der Eigenschaften und deren Organisation (hier: Hierarchie)
° spez. Handlungen (unterstes Niveau) Fakt.analyse Hexes (realtiv spez.
Gewohnheiten)
Fakt.analyse Primary Traits (=sehr spez. Traits) Fakt.analyse Syndromtypen -
und -
Typ (= sehr allgemeine Traits)
3.2.2.1.2. Meßinstrumente und Befunde
Erfassung des Temp. ausschl. durch Fragebogen; wichtigstes Mittel zur Ausw. ist die
Fakt.analyse Postulat von 13 Fakt. auf Hexis-Niveau (11 davon gelten inzw. als gesichert)
30
3.2.2.1.3. Offene Fragen
° hierarch. Modell nur für Temp. oder auch für andere Persönl.bereiche? (für Intell. nimmt
Guilford nämlich keine Hierarch. an)
° Temp.bereich (= zentraler Forschungsbereich Guilfords) ist nur ein Aspekt des Verh.
° Schwierigkeit der Zuord. eines Items zu einer best. Ebene der Hierarchie
° erst spät Unters. der Zusammenhänge der Primärfakt. (zur Ermittlung der Sekundärfakt.)
° Arbeiten von Guilford wesentl. Beiträge zur Persönl.forschung und Basis vieler weitere
Unters.
3.2.2.2. Persönlichkeitstheoretische Konzepte von Cartell
1. Allgemeine Kennzeichen
Gemeinsamk. mit Guilford: nomoth. Traitansatz, Fakt.analyse, Akzentuierung von
Primärfakt., Persönl. als Gesamtheit nichtsituativer Verh.bedingungen und als prognost.
Komponente
Unterschiede Cattell Guilford
Anfangspunkt Verh.ratings Rahmenkonzept
Ableitung von Hypoth.
Vorgehensweise induktiv deduktiv
Daten aus vielerlei Herkunft (Beob., Lebens- nur Fragebogen
laufdaten, phys. Messungen, Obj. Tests)
Hierarchie seines Modells:
First, Second und Third Stratum Source Traits Surface Traits Behavioral Tendencies
(spez. Verh.weisen)
2. Verhaltensdaten (= L-Daten)
° Unterscheid. d. Persönl. in Ability, Temp., Motiva. / Dynamik (= Roles, Ergs, Sentiments,
Attitudes)
° Verfahren: Auswahl von Begriffen zur Kennz. von Eigenschaften (mittels
psycholexikalischer
Studie von Allport & Odberg (1936) schrittweise Reduktion der Anzahl der Begriffe
und
mehrfache Fakt.analyse 12 Fakt. als Source-Traits
° Kontroverses: * relativ willkürl. Festlegung der Begriffe und Gegensatzpaare (Ratergruppe
u.a. nicht
repräsentativ)
* bei Replikationsstudien meist nur weniger Fakt. nachweisbar
* Mängel bei der Reduktion des Begriffskatalogs
3. Fragebogendaten (= Q-Daten)
Fragebogen: 16 PF (16 Personality Factors Inventory)
° die indiv. Beantw. werden in 16 Skalen zusammengefaßt; die so ermittelten Fakt. liegen auf
demselben Niveau wie die obigen 12, korr. mit diesen aber nur mäßig
° sehr beliebt und weit verbreitet (in Beratung, Bildung, Berufserfolgvorh., Personalwesen);
31
aber: nicht befriedigende Befundsit., Kritik an psychometr. Eigenschaften des 16 PF, keine
Invarianz
des 16 PF gegenüber dem jeweiligen Sprach- und Kulturkreis, manche Skalen nicht
konsistent
4. Objektive Tests (T-Daten)
° = Verfahren, die das Verh. eines Indiv. in einer stand. Sit. erfassen, ohne daß es sich selbst
beurt.
muß; Verfahren sollen keine mit der Meßintention übereinstimmende Augenscheinval.
haben
° aber: hoher Zeitaufwand, geringe Korr. mit Verh.- und Fragebogendaten; erhaltene Fakt.
nicht klar
strukturiert, kaum replizierbar; Daten sind gering reliabel; insgesamt wenig ermutigende
Ergebn.
5. Motivationsbereich: Gg.stand: nicht mehr „wie“ jmd. etwas tut, sondern „wozu / warum“
6. Abschließende Würdigung
Cattell ...
° orient. sich oft nicht streng genug an den Befunden oder ging zu schnell über die Daten
hinaus.
° hat viel zur emp. Persönl.forschung beigetragen und erstmals Daten aus versch. Quellen
verwendet
3.2.2.3. Die Persönlichkeitstheorie von Eysenck und deren Umfeld
3.2.2.3.1. Allgemeine Kennzeichnung
° Persönl. = „mehr oder weniger feste und überdauernde Organisation des Verhaltens, des
Temperaments, des Intellekts und der Physis eines Menschen“, die seine
einzigartige
Anpassung an die Umw. determiniert (Esenck, 1953)
° Fakt.analyse mit Daten aus Verh.ratings, Fragebögen, Obj. Tests (vgl. Cattell)
und Überprüfung der Ergebn. der Fakt.analyse in Exp. (vs. Cattell und Guilford, denen es
nur um
das Auffinden einer Struktur ging) Eysenck verbindet Allg. und Diff. Psy. durch
hypothtico-
deduktives Vorgehen (= hypoth.generierende und hypoth.prüfende Verwendung der
Fakt.analyse)
= nicht nur Suche nach Beschreibungsdim., sondern auch nach deren Ursachen
° Anfangsstichprobe bestand aus psychiatr. Fällen Übertragung der gewonnen Ergebn auf
"Normale" (vs. Cattell und Guilford, die von Unauffälligen auf psy. Kranke schlossen)
° Festlegung auf genau 3 Types: Psychotizismus (P), Neurotizismus (N), Introversion /
Extroversion
(E) (vs. Cattell und Guilford: Zahl und Art der Sekundärfakt. nur näherungsweise
eingegrenzt)
° hierarch. Trait-Modells (vgl. Cattell, Guilford): spez. Reak. habituelle Reakt. Traits
Types
° Bsp. für das Zusammenspiel beider Betrachtungsweisen (Allg. und Diff. Psy.): Exp. von
Jensen
32
3.2.2.3.2. Psychotizismus (= P)
° Herleitung: Anknüpfung an die Typologie Kretschmers: Kontinuum zw. normal und
psychotisch
P als gemeinsame Dim.
° Messung mittels Fragebogen (Forderung an Items: Diskrimierung der Psychotiker von
Normalen
und Neurotikern; P soll unabh. von E und N sein) Entw. von 20 bzw. 27 Fragen (= P-
Items)
(v.a. zur Delinquenzforschung eingesetzt, da Beob. eines Zus.hangs zw. Psychose und
Kriminalität)
° offene Fragen: * keine explizite Th. von Eysenck zur P-Dim.
* Eigenständigkeit der P-Dim. fragl. (z.B. Korr. um .40 mit N)
* viele Studien an Häftlingen ( viele meth. Probleme); P-Skala diff. nicht
zw.
rückfälligen und nichtrückfälligen Häftlingen bei vgl.baren sit.
Bedingungen
3.2.2.3.3. Neurotizismus und Extraversion (= N, E)
1.Herleitung: ° erste Ermittlung d. Fakt. N und I/E an neurot. Soldaten (1944; n=700) mittels
37 Items
und Ratings von mehreren Pers.; aber: Ergebnisse dieser Untersuchung
zweifelhaft
° hierarch. Modell hat sozusagen 3 Dim.: I/E, N, P
2. Messung: ° anfängl. mittels Ratings und Obj. Tests; besser sind aber Fragebögen ...
° MMQ (Maudsley Medical Questionnaire; 40 Items; korr. um .43 bis .48 mit
Psychiaterurteil "schlecht organisiert") zur Messung von N
° MPI (Maudsley Personality Inventory; konstruiert aus MMQ und Guilford-
Skalen) zur
Messung von N und I/E von Pers. im Normalbereich
Pers. mit Extremwerten bzgl. ...
# E: gesellig, impulsiv, sorglos, fröhlich, andauernd bewegen, verliehren
schnell
Geduld, Gefühle nicht immer unter Kontrolle, unzuverlässig
# I: ruhig, distanziert (außer bei engen Freunden), Einzelgänger, Gefühle
unter
Kontrolle, selten aggr., verliehren Gedult nicht leicht, zuverlässig, eher
pessimistisch, großer Wert auf eth. Normen
# N: emot. labil, abnorme Reakt.bereitschaft, häufig diffuse sommat.
Beschwerden.,
Sorgen, Ängste, disponiert zur Entw. neurot. Krankheiten unter Streß
3. Theorien: ° im Laufe der Jahre Diff. und Umgestaltung der Dim. I/E und N (z.B. hin zur
Akzentuierung genet. Aspekte oder auch astrol. Fakt.)
° Postulat neuronaler Grundlagen:
# N: bei neurot. Pers. niedrige (bei emot. stabilen Pers. hohe)
Erregungsschwelle des
limbischen Syst. (daß bedeutet, daß das autonome NS hoch
neurotischer Pers.
stärker auf externe Reize reagiert); dies hat Auswirkungen in viele
andere
33
Bereiche, da das limb. Syst. mit vielen anderen in Verbindung steht
# I/E: Extrovertierte bilden nur langsam schwache exzitatorische (=erregte)
Potentiale
aus, bauen aber schnell und intensiv langsam abklingende
inhibitorische
(=hemmende) Prozesse auf Extrov. bevorzugen ein höheres Maß an
Stim. als Introv. (was bei ersteren gerade angenehm werden kann, kann
bei
Introv. bereits unangenehm sein)
4.Verhaltenskorrelate: Vorgehensweise: Messung von E Selektion der beiden
Extremgruppen
Vgl. dieser in anderen Bereichen ...
° Pharmakologische Beeinflussung: aufputschende Mittel Verschiebung in Richtung I;
sedierende Mittel (z.B. Alkohol) Verschiebung in Richtung E (z.B. über die
Untersuchung der
Sedationsschwelle (Punkt ab dem z.B. Alkohol zu wirken beginnt),
Daueraufmerksamkeitsversuche
(= Vigilanz), Flimmerverschmelzungsfrequenz (FVF))
° Motorische Aufg.: Extrov. neigen mehr zur Ausbildung inhib. Potentiale ( neigen mehr
zu
reaktiver Hemmung, z.B. unwillentl. Pausen bei schnellem Tapping mit Stift auf
Metallplatte),
bauen diese aber auch schneller ab ( haben Reminenszeiteffekte, d.h. nach kurzer Pause
höhere
Leistungen als davor)
° Gedächtnis: Extrov. zeigen schwächere Konsolidierungseffekte (Prozesse zur Festigung
des
Gelernten) schlechtere Leistungen bei längerfristigem Behalten, dafür aber bessere bei
sofortiger
Reprudoktion (da weniger, hier behindernde, Konsolidierungsprozesse) Extrov. nach
kurzer
Pausen überlegen, Introv. nach langer Pause
° Gehirnelektrische Prozesse: Ann. daß sich E-Ausmaß im EEG wiederspiegelt nicht
schlüssig
beweisbar (v.a. deswegen, weil eine exp. Umsetzung extrem erschwert ist, z.B. dadurch,
daß beide
Extremgruppen anfangs auf dasselbe Arousal-Ausgangsniveau zu bringen wären)
° Konditionierbarkeit: Ann. Eysencks: Extrov. schwerer zu kond. mangelnde
Ausbildung des
Gewissens mehr abw. / delinqu. Verh.; aber: keine ausreichende Bestätigung der
untersch.
Kond.keit, v.a. weil Untersuchungen dazu z.T. mangelhaft
° auch noch Studien zu: abweichenden polit. Einstellungen, Rauchen, Sex.verh.,
Gesundheit
5. Modifikationen: uneinheitl. Befunde bzgl. Zusammenhang von E und Konditionierbarkeit
andere Autoren akzentuieren bzgl. Kond.keit Fakt. wie N oder manifeste Angst
z.B.: Gray: ° Extrov. nicht schwerer zu konditionieren, sondern unempfindl. gg.über Strafe
und
deren Androhung sowie sensitiver für pos. Bekräftigung
° Einbezug einer weiteren Dim.: N
34
Vorteile: ° interindiv. Diff. in E und N werden innerhalb eines Bezugrahmens gesehen
(näml.
Sensitivität gg.über Strafe und Bekräftigung); hoch N / hoch E
unzureichende
Anpassung zu erwarten (da diese Pers. bes. sensitiv gg.über pos.
Bekräftigungen,
diese aber sehr selten vorkommen); hoch N / niedrig E gute Anpass. zu
erwarten
° viele Untersuchungsergebn. bestätigen Grays Konzept
6. Extensionen: alternative Zugangsweisen:
° Unters. von I/E und N bei Tieren (Affen, Ratten); aber: Sind Ergebn.auf Menschen
übertragbar?
(z.B. Eysenck et al., 1972)
° Vgl. demogr. und volkswirtschaftl. Daten (oder auch: Alkoholkonsum, Rauchen,
Scheidungsrate)
versch. Nationen bzgl. I/E und N (z.B. Lynn & Hampson, 1977: im 2.Wk besiegte oder
besetzte
Nationen zeigten einen N-Anstieg zw. 1935 und 1950 gg.über den Sieger-Nationen)
viele
Ergebn. entsprechen den Common-Sense-Erwartungen
° Vgl. von Rassen (z.B. Rushton (1985) und Sekundäranalysen: n= 26000: mongoloide am
stärksten gehemmt (= hoch E / niedrig N), negroide am wenigsten gehemmt
(= hoch E / niedrig N), kaukasische i.d. Mitte)
7. Bem.: ° Probleme bei den Studien (viele wurden nie wiederholt / repliziert, erfassen fast
keine
gemeins. Variablen, nur durch Th. verbunden, kaum Einbezug mehrerer abh.
Variablen)
° Fragebogen-Extraversion ist fakt.analytisch aufspaltbar in "Sociability" und
"Impulsiveness",
dies wird aber kaum berücksichtigt
° Eysenck regte viele weitere Studen an!
3.2.2.3.4. Dem Extraversionskonstrukt ähnliche Persönlichkeitsmerkmale [es ex.
wichtige, dem E-Konstr. nahe verwandte Persönl.konstr., die nicht fakt.analytisch konzipiert
wurden]
1. Sensation Seeking (SS) von Zuckerman
° Ann.: es ex. syst. interindiv. Diff. bzgl. dem Bedürfnis nach Stimulation (= hedonistischer
Tonus)
Persönl.eigenschaft „SS“ = Tendenz, relativ neue, und / oder stim. Sit. aufzusuchen
° Erfassung mittels Fragebogen: Sensation Seeking Scale (SSS):
* 4 fakt.analytisch bestätigte Subskalen ( Korr. untereinander .30 bis .60) mit je 10 Items
Gesamtpunktwert-Bildung als Sensation-Seeking-Maß
* 3 Wochen-Retest-Rel.: 0.94; Korr. mit Fremdrating um .55, pos. Korr. mit sex. Aktivität,
illeg.
Drogenkonsum, Vorliebe für stark gewürzte Speisen, Interesse an gefährl., riskanten
Aktivitäten
* Korr. mit E und P zw. .30 und .40 (trotzdem sei nach Zuckerman SS als eigenständiger
Persönl.bereich anzusehen)
35
° pos. Zusammenhang mit "Augmenting-Reducing" (= Reakt. des ZNS (gemessen über EEG)
auf
Stim. mit identischen, kurzen Reizen; weiterer Anstieg der Amplitude auch bei sehr
intensiven
Reizen tritt bei Augmentern auf; bei Reducern kommt es ab einer best. Reizstärke zur
Reduzierung
der Amplitude (evtl. Schutzfkt. des ZNS)
° neg. Zusammenhang mit Konz. von MAO (=Enzym Monaaminooxidase <- baut
Neurotransmitter
(z.B. Noradrenalin) ab) im Blut Stärkung der Th., daß SS ein biol. fundiertes
Persönl.merkmal
ist (es paßt nur nicht, daß die Korr. neg. ist!)
° Zuckerman postuliert (1984): SSer suchen nach mehr Stim. um sich wohlzufühlen; Nicht-
SSer
fühlen sich ohne Stim. wohl mehr Stim. wäre unangenehm
2. Temperamentsmerkmale nach Pawlow und seinen Schülern
° Eigenschaften des NS nach Pawlow:
* Stärke des NS (bzgl. Erregungsprozesse) = funktionelle Kapazität der NZ
langandauernde, heftige
oder sich ständig wiederholende Stim. ohne Eintreten einer protek. Hemmung zu ertragen
(umso
stärker das NS, umso mehr Stim. kann es ertragen umso niedriger ist der Grad der
Erregung bei
gleichem Tonus und gleich intensiven Reizen umso schlechter werden kond. Reakt.
erworben)
* Balance (=Äquilibrium) der nervl. Prozesse: Verhältnis zw. Erregungs- und
Hemmungsprozessen
* Mobilität der nervl. Prozesse: Geschw., mit der das Indiv. in der Lage ist, die Reakt. auf
einen
Reiz zu ändern; Extreme der Mobilitätsdim.: Trägheit, Labilität
° Temp.merkmale nach Pawlow: (vgl. Hippokrates; es ex. keine Persönl.dim., sondern
Typen)
Melancholiker.: schwaches NS (wenig belastbar, anfällig für Krankheiten/Neurosen, Anford. des Lebens kaum
gewachsen)
Choleriker: starkes, unbalanziertes NS (bildet schnell pos. kond. Reflexe aus., kaum inhib. Reak., zur
Ausbildung von
Neurosen dispositioniert)
Phlegmatiker: starkes, balanziertes, langsames NS (kann GGW zw. Organismus und Umgebung
aufrechterhalten,
Probleme sich schnell wechselnden Sit. anzupassen)
Sanguiniker: starkes, balanziertes, mobiles NS (kann GGW zw. Umgebung und Organismus
aufrechterhalten, aktiv bei
anregender Umgebung, sonst schläfrig)
° Erweiterungen des Pawlowschen Konzepts durch die Moskauer Gruppe um Teplow und
Neblylitsyn
und die Uralgruppe um Merlin: Abkehr von Temp.typen hin zur Betrachtung von
Eigenschaften des
NS; gehen über Exp. vor (nicht mehr wie Pawlow über Verh.beob.); die bei Pawlow
vorhandene
Wertung der versch. Eigenschaften des NS wird abgelehnt; Uralgruppe entw. den Begriff
des
Handlungsstils (z.B. zeigen Pers. mit schwachem NS mehr vorbereitende als ausführende
36
Handlungen; bei Pers. mit starkem NS besteht zw. vorbereitenden und ausführenden ein
GGW)
3. Temperamentsmerkmale nach Strelau (steht i.d. Tradition Pawlows)
° Strelau: Temp. stark genet. detereminiert und liegt der Persönl. (= beobachtbares Verh.
zugrunde
Ann.: 2 grundlegende Temp.eigenschaften:
* Reaktivität (gemessen über den RVK (Reizverarb.koeff.) = Verhältnis zw.
Reizintensität und
Reakt.stärke; z.B. tendieren Pers. mit niedriger Reaktivität zu schwächeren Reakt. als
Hochreakt. bei gleich starkem Reiz)
* Aktivität (= Intensität/Häufigk. mit der Pers. Handl. ausführen bzw. Aufg. in Angriff
nehmen)
Reaktivität und Aktivität sind funktional unabh. Regulationsmechanismen des Temp.
= „Regulative Th. des Temp.“
(Hochreakt. zeigen mehr vorbereitende, mehr Korrektiv- und mehr intermettierende Handlungen;
Niedrigreaktive zeigen mehr direkt zum Ziel führende, kontinuierl. Handlungen, mehr risikobetontes
Verh., gehen auch häufiger Berufen und Hobbys mit hohem Stim.grad nach; Kontrollhandlungen zeigen
beide Extremgruppen gleich häufig)
° Messung mittels Fragebogen: Strelau Temperament Inventory (STI):
* 134 Items in 3 rational konstr. Skalen (diese können aber fakt.analytisch nicht bestätigt
werden)
zur Messung der Eigenschaften des NS auf Verh.ebene:
# Stärke der Exzitation (= Bereitschaft zur Aktivität und zur Beharrung auf Aktivität
in hoch
stimulierenden Sit.; umso höher die Stärke der Exzitation, umso geringer die
Sensibilität
gg.über Stim. umso geringer die Reaktivität)
# Stärke der Inhibition (= Fähigk. Handl. zu unterbrechen/verzögern, Zurückhalt. zu
zeigen)
# Mobilität nervl. Prozesse (= Flexibilität gg.über sich ändernden Umw.bedingungen)
* es ex.: revidierte Form (STI-R, 166 Items, Retest-Rel. um .90); Kurzform (STI-RS, 84
Items)
4. Zusammenhänge zwischen den Persönl.merkmalen von Esenck, Strelau und
Zuckerman
° Unterschiede in den zugrundegelegten physiol. Gegebenheiten
° Alle 3 Th. sind biolog. fundierte Persönl.th.!
gemeinsame Ann.: unterschiedl. Erregbarkeit der Indiv.; interindiv. Untersch. i.d. Reak. auf
def.
Reize; Verh.untersch. dadurch bedingt, daß mittleres Erregungsniveau als angenehm erlebt
wird
° Emp. Befunde belegen einen Zusammenhang zw. E, SS, Reaktivität, Stärke des NS. Für
jeden
Ansatz ex. aber spez. Aspekte; keine Th. wird konsistent und völlig widerspruchsfrei durch
emp.
Daten gestützt
5. Das Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit von Costa und McCrae
37
Norman (60er Jahre): Fremdratings Fakt.analyse 5 Fakt. (mit jeweils 4 bipolaren Dim.)
als unabh. Beschr.dim. der Persönl.: E, Liebenswürdigkeit (bei Costa: Verträglichkeit),
Gewissenhaftigkeit, Emotionale Stabilität, Kultur (später: Openness)
die 5 Fakt. waren immer wieder replizierbar und weisen große Ähnlichk. mit Fakt. anderer
Modelle
(z.B. Eysenck, Cattell) auf
80er Jahre: Costa & McCrae greifen d. 5-Fakt. Normans auf Entw. des 5-Fakt.-Modell
und
Überarbeitung des NEO zum NEO-PI (= NEO-Personality-Inventory, Costa & McCrae,
1985)
6. Vergleich verschiedener faktorenanalytischer Persönlichkeitssysteme
° starke Entsprechung der Fakt. in den einzelnen Modellen (z.B. Eysenck und Cattell
verwenden
E und N; bei Eysenck ist Openness entgegengesetzt gepolt zu P)
° Anzahl der zur Beschreibung nötigen Fakt. strittig (Eysenck: 3; Cattell: 16 First Stratum
Source
Traits, 5-Fakt.-Modell) aber Cattell hat 5 Second-Str.-S.-Traits (Unterchiede i.d. Anzahl
evtl.
durch untersch. Vorgehen bedingt)
theoretisch mögl. ein gemeinsames allg. gültiges Beschr.system zu finden
3.2.3. Psychodynamische Persönlichkeitskonstrukte
Betonung intrapsy. Prozesse (beob. Verh. ist Ergebnis der intrapsy. Dynamik)
(vs. stabile Verh.dispositionen)
3.2.3.1. Die Psychoanalyse Freuds als Persönlichkeitstheorie
° "Psychoanalyse" = eine von Freud entw. tiefenpsy. Therapieform / eine Forschungsmeth. /
eine Persönl.th. im weitersten Sinne
° viele Ann. Freuds erwiesen sich durch emp. Untersuchungen oftmals als nicht haltbar
° Freud selbst hat seine th. Ann. immer wieder geändert
° kein konsistentes, in sich geschlossenes, völlig widerspruchfreies Th.gebäude
° hatte Einfluß auf viele Bereiche der Psy., Wiss., Kunst
1. Das allgemeine Menschenbild der Psychoanalyse
° Mensch als Energiesyst.: Mensch als Syst., das über eine best. Menge von Energie verfügt
jede Aktivität verbraucht Energie, die dann für andere Aktivitäten nicht mehr zur
Verfügung steht
die vorhandene psy. Energie kann in die verschiedensten Formen umgewandelt werden
und sich
in unterschiedlichsten Aktivitäten niederschlagen
° angeborene Triebe als Energie
jede psy. Energie stammt aus dem angeborenen Sexualtrieb (Libido = sex. Triebenergie)
durch die versch. Instanzen der Persönl. und die Anford. der soz. Umw. können sex.
Triebimpulse
in soz. erwünschtes, kulturell bedeutsames Verh. umgewandelt werden (Sublimierung)
später nahm Freud auch Todes- oder Aggr.trieb an
° Determiniertheit des Verh.: jedes Verh. ist durch Triebimpulse determiniert; es gibt kein
rein
zufälliges Verh.;Verh.ursachen bleiben dem Handelnden meist unbewußt
38
° Lustprinzip: Organismus drängt zur Entladung der Energie durch Triebbefriedigung (=
Katharsis);
Reduktion der als unangenehm erlebten Triebspannung wird als lustvoll erlebt;
Triebreduktion aber
nicht immer mögl. (denn, z.B. gesell. Anforderungen)
2. Strukturelle Konzepte der psychoanalytischen Persönlichkeitstheorie: Es, Ich und
Über-Ich
° das ES: psy. Repräsentation der gesamten Triebenergie, alle Inhalte des ES sind unbewußt,
enthält
das aus dem ICH verdrängte, drängt zur Triebbefriedigung, unorganisiert, am Lustprinzip
orientiert, ex. von Geburt an, sein Einfluß wird im Laufe der Entw. geringer
° das ICH: entw. sich aus dem ES und wird dann immer "größer", vermittelt zw. ES und
Realität,
versucht den Forderungen des ÜBER-ICHs gerecht zu werden mittels Wahrnehmung,
Denken,
Erinnern, Fühlen und Willkürbewegungen, kompromißbereit, frustrationstolerant, rational,
logisch
° das ÜBER-ICH: entw. sich ab ca. 3a aus dem ES (Verinnerlichung von Geboten, Idealen,
...),
versucht moral. Zielsetzungen durchzusetzen, strebt nach perfektionistischem Verh.,
bestraft
durch Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle und belohnt durch Stolzgefühle
beinhaltet Gewissen und Ich-Ideal
Psychoanalyse versucht Verh. über die Prozesse, die zw. ICH, ÜBER-ICH, ES ablaufen,
zu
erklären. Die 3 Instanzen stehen in ständigem Konflikt miteinander. Trotzdem ex. auch
hier die
Ann., daß konsistentes, relativ überdauerndes Verh. ex. und damit die Persönl.
charakterisiert.
3. Dynamische Persönlichkeitskonzepte
° „Signaltheorie der Angst": Angst entsteht, wenn das Ich von zuvielen Reizen überwältigt
wird (aus
der realen Umw.: Realangst; verbotene Wünsche und Triebreize aus dem Es: neurotische
Angst; bei
Nichtübereinstimmung von Ich und Über-Ich: moralische Angst)
Angst ist ein nicht lange ertragbarer Zustand Ich wehrt sich gg. Angst mit
Abwehrmechan.;
z.B. Verdrängung (wichtigster Abwehrmechan.): Verdrängung von Bewußtseinsinhalten in
das
Unbewußte, wenn sie Angst auslösen; diese bleiben aber trozdem wirksam ( Kräfte des
Ichs
müssen zur erfolgreichen Verdrängung stärker sein als die verdrängten Triebe)
(weitere Abwehrmechanismen: Projektion, Phantasien, Regression, Verleugnung, ...)
° Psychosex. Entw. und Charaktertypen: 3 Phasen kindlicher Entw., benannt nach jeweiliger
erog.
Zonen: orale (1.Lj.), anale (2. bis 3.Lj.) und phallische (3. bis 5.Lj.)Phase bei zuwenig
oder zuviel
Triebbefriedigung in der jeweiligen Phase kommt es zu Fixierung auf diese (=
Beibehaltung der
39
phasentyp. Befriedigungswünsche und - praktiken; hat Einfluß auf Charakter); desweiteren:
Phase der Latenz (ca.. 6.Lj. bis Pubertät), genitale Phase (ab Pubertät)
4. Die Überprüfung psychoanalytischer Annahmen
° kaum emp. überprüfbar, denn: keine eind. Def. der Begriffe und der Relationen zw. diesen;
somit schwer Bez. zu beob. Sachverhalten herzustellen ( jedes Verh. ist psychoanalytisch
erklärbar); keine Vorhersage von Verh. mögl. (die überprüft werden könnte)
° Subj., selektive und wenig reliable Beob. an klin.-psy. Einzellfällen sind keine emp.
Grundlage
zur Überprüfung psychoanalyt. Ann. Überprüfung dieser durch klin.-psy. Erfahrung
unmmögl.!
° Klassische exp. Überprüfungsversuche (aber eben nur "Versuche"; alle Ergebn. könnte man
auch
anders interpretieren, Mängel am Versuchsdesign, zuwenig externe Val. und mangelnde
Rel., ...)
* Zusammenhänge zw. Dauer der Stillzeit und pess. bzw. opt. Charakter
(z.B. Goldman-Eisler (1948), n=100 Erwachsene mittels Selbstratings und Befragung
der Mütter;
Ergebn.: Stilldauer < 5 Monate Neigung zu oral-pess. Charakter (Pess., Passivität,
Zurückgezogenheit, verb. Aggr.); Stilldauer > 5 Monate oral-opt. Charakter
(Opt.,
Geselligk., Fürsorge, Lebensfreude) aber: evtl. Untersch. im Charakter nicht
nur
Länge der Stilldauer bedingt, sondern durch Untersch. zw. den Müttern
* Messung der Todesangstveränd. bei Pers. mit untersch. Kastrationsangst unter versch.
sex. Stim.
mittels Fragebogen, Blacky-Test (Bild eines vom Schwanzabschneiden bedrohtem
Hund), Bilder
von nackten Frauen
* Wirkung der Hypnose zur Demonstration des Unbewußten
* Exp. zur Verdrängungsth.: negativ besetztes Lernmaterial wird schneller vergessen.
3.2.3.2. Das Persönlichkeitsmerkmal „Repression versus Sensitization“
1. Umschreibung des Konstruktes
° Kontinuierl. variierendes Parsönl.merkmal (Extreme: Repression/Represser,
Sensitization/Sensitizer)
° Beschr. eines Indiv. danach, mil welchem Ausmaß bzw. mit welcher Wahrsch. es in emot.
belastenden Sit. versucht auf die eine oder andere Art damit fertig zu werden; nämlich,
indem es sich
der Sit. besonders zuwendet (= Sensitiz.) oder vesucht diese zu vermeiden, nicht
wahrzunehmen
(= Repres.)
2. Die Entwicklung des R-S-Konstruktes
Exp. zum Phänomen der Wahrn.abwehr: bei einem Teil der Vpn wurden emotional besetzte
Wörter bereits bei kürzeren Expositionszeiten erkannt als neutrale Wörter (= perceptual
vigilance, wird als Indikator für Sensitization gesehen), während bei den anderen Vpn der
umgekehrte Fall eintrat
(= perceptual defense; wird als Indikator für Repression angesehen).
40
3. Die Messung des R-S-Konstruktes
[Erfassung von R-S über perceptual defense nicht mögl. da Rel. zu gering.]
Entw. einer R-S--Skala aus MMPI-Items (127 Items, dt. Fassung 106 Items, 3-Monate-Retest-
Rel. um .80, int. Kons. um .94): sehr reliabel, obj., ökonomisch, Validierung u.a. mittels
"perceptual defense"
4. Unterschiede zwischen Repressern und Sensitizern
° Unterschiede in emot. Angepaßtheit, Selbst- und Fremdbeurteilung, Ängstlichkeit, Aggr., ...
(Sens.
haben höhere Werte in Ängstlichkeit, emot. Labilität, Dominanz, Selbstkritik,
Differenziertheit der
Selbstbeurteilung; Repr. erreichen höhere Werte in der SE-Tendenz, Ableugnung eigener
Schwächen,
Leistungsförderung durch Angst)
° phys. Reagibilität (gesteigerte Herz- und Atemfrequenz, Erhöhung des Blutdrucks und der
Hautleit-
fähigkeit) ist bei Repressern in bedrohl. Sit. höher und klingt auch langsamer wieder ab als
bei
Sensitizern, (aber: entgegengesetzte Selbsteinschätzung der empfundenen Angst bei Repr.
und
Sens. (Scarpetti, 1973); es ex. auch widersprüch. Studien)
° Reak. auf sex. Reize:
* Galbraith & Lieberman (1972): Sens. haben bei 2deutigen Wörtern häufiger sex. Assoz.
* Byrne & Sheffield (1965): bei gleich hoher Erregung berichten Repr. eher über neg.,
Sens. eher
über pos. Gefühle in Verbindung mit sex. Reizen
* Burns & Tyler (1976): Einschätzung des Humors von sex. bzw. neutralen
Zeichenwitzen; n=60;
bei Männern kein Untersch. zw. Repr. und Sens. bzgl. der Einschätzung des Humors;
Repr.-
Frauen fanden die sex. Witze weniger lustig als Sens.-Frauen)
° Aufmerksamkeit gg.über eigenen Krankheiten: Sens. neigen eher zu emot. Fehlanpassung
werden häufiger wegen psychosom. Krankheiten behandelt, Repr. werden häufiger wegen
organischer
Krankheiten behandelt; allg. berichten Sens. häufiger über Krankheiten; Männer-Sens.
gehen häufiger
zum Arzt als Männer-Repr., bei Frauen kein Untersch. in dieser Hinsicht
° Elternhaus: Repr. berichten häufiger über ein freundl., entspanntes, ausgeglichenes, warmes
Fam.klima; Sens. eher über ein unterdrückendes, distanziertes, kritisierendes, belastendes
Elternhaus
(Frage: Ex. Untersch. wirkl., oder wird nur untersch. aufgund versch. Abwehrmechanismen
erinnert?)
5. Kritik am "Repression-Sensitization“-Konstrukt
° hohe Korr. mit Ängstlichkeit, N mögl. die Konzepte zu vereinheitl.?
° schwierig ist v.a. die Trennung von Ängstlichkeit getrennte emp. Indikatoren nötig und
daher evtl.
41
auch eine neue Operationalisierung des R-S-Konstruktes: z.B. durch die Kombi. von
Ängstlichkeit
und Angstleugnung Unterscheidung versch. Dispositionen zur Angstbewältig. mögl.:
Angstleugnung hoch Angstleugnung niedrig
Ängstlichkeit niedrig repressive nicht-defensive
Angstbewält. Angstbewält.
Ängstlichkeit hoch erfolglose Abgstbewält. sensitive Angstbewält.
hier tauchen wieder die Merkmale Repression und Sensitization auf. Messung mittels ABI
(Angstbewältigungsinventar, 1985, zur Messung konsistenter
Angstbewältigungsdispositionen,
korr. kaum mit STAI (Maß für Angstlichkeit)) mögl.
° denkbar und sinnvoll wäre dann noch eine weitere Unterscheidung zw.
Angstbewält.disposition und
aktuellem Angstbewältigungsverh.
3.2.3.3. Ängstlichkeit
(es ex. keine einheitl Th. der Angst; versch. Ansätze stehen relativ isoliert nebeneinander)
3.2.3.3.1. Die Vielfalt psychologischer Angstforschung
1. Die klinisch-psychologische, angewandte Perspektive
anfangs: Orientierung an Freudschen Angstth. und psychopathol. Einzelfällen
später: Orientierung immer mehr an Verh.th. und kogn.psy. Th.
2. Die allgemeinpsychologisch-experimentelle Perspektive
° Grundlage: möglichst system. emp. und exp. Untersuchungen, v.a. an neueren kogn.psy. Th.
° Ann. der Konditionierbarkeit von Angst:
* "exp. Neurose" bei Hunden (Pawlow, 1927)
* Induzierung von Angstreakt. auf eine Ratte bei Klein Albert (Watson & Rayner, 1920)
* Mowrer (1939): "Zwei-Prozeß-Theorie": Angst = innere Reakt., diese ist erlernbar über
klass.
Kond. (1.Prozeß), dann wird eine Vermeidungsreakt. auf das klass. konditionierte
Angstsignal
über instrum. Kond. gelernt (2.Prozeß), somit hat das Indiv. gelernt mit seiner Angst
umzugehen
* Dollard & Miller (1950): Ann.: zunächst neutrale Reize können per Kond. zu
Angstreizen werden;
um dies zu zeigen übersetzten sie Freudsche Vorstellungen in lernth. Konzepte (bspw.
Konflikt
ensteht bei mehreren, ungefähr gleich starken, unvereinbaren Verh.tendenzen Angst)
° Angst als Motiv oder Trieb (drive)
* Spence & Spence (1976): Basis: Hullsche Lernth. (= Reak.stärke auf einen Reiz hängt
ab vom
Ausmaß in dem die Reak. bisher gelernt wurde und dem allg. Triebzustand des Indiv.);
bspw:
umso höher die Ängstlichk. der Pers. umso höher die Güte der Leistung in einfachen
Lernaufg.
(da kaum konkurierende Verh.tendenzen) und umso niedriger die Güte der Reak. in
komplexen, schwierigen Aufg.
° kogn. Th.: * kritisieren behaviorale Th. (da zu mechanistisch)
42
* erfreuen sich immer größerer Beliebtheit zur Untersuchung und Erklärung von
Ängstl.
* betonen die Konzepte Erwartung (von Ereignissen) und deren Bewertung
z.B. Epstein (eklektischer Ansatz: Verbindung von phys. und kogn. Konzepten):
Ann.: Furcht auslösende Gefahrensit. kann durch Fluchthandlung nicht gemieden
werden
Angst (entsteht v.a. bei Stimulationsunsicherheit (= Gefahr kann nicht genau erkannt
werden)
u./o. Reak.unsicherheit (keine eind. Reak.möglichkeit identifizierbar))
* Wiederholung der Gefahrenreize diese erhalten Hinweisfkt., d.h. sie lösen bei
weiterem
Auftreten Erwartungen beim Indiv. aus und damit auch Erregungen
* zu intensive Erregungszustände ...
# führen zu Abwehrreak. (z.B. Hemmung von Verh., selekt. Wahrnehmung, ...)
# können bei einem modelliertem Angstkontrollsyst. nicht mehr auftreten
(dieses
entsteht durch Erfahrung und hemmt zustarke Erregung durch kogn.
Strategien
niedrigerer Erregungsverlauf)
z.B. Lazarus: wird eine Sit. als bedrohl. beurteilt (primary appraisal) und Indiv. sieht keine
Mögl.keit
diese zu vermeiden oder zu beseitigen (secondary appraisal) entsteht Angst
Verarb. dieser durch innerpsy. Prozesse (coping, z.B. durch
Aufmerksamkeitsveränderung)
Neubewertung (reappraisal) obigen Konflikts keine Angst mehr
3. Die differentialpsychologische Perspektive
° Aufzeigen indiv. Untersch. i.d. Disposition zu Angsreak. (= Ängstlichkeit, Angstneigung,
Angstbereitschaft)
° Trait-th. Ansatz: L-, Q-, T-Daten Fakt.analyse Ängstlichkeitsfakt. 2.Ordnung (Cattell)
* Validierung durch Urteile von Ärzten und klin. Psy.
* Beschreibung der Persönl. bzgl. Häufigkeit und Intensität mit der sie Angst erlebt
* es ex. externe Ängtslichkeitsindikatoren
* es besteht Verwandtschaft zu Fakt. anderer Persönl.modelle (Guilford, Eysenck) und
Übereinst. mit Freudschen Auffassungen
° Watson & Clark (1984): Postulat eines allgemeineren, eindim. Persönl.konstrukt = negative
Affinität
(NA) (enthält auch Tendenz mit negativen Affekten (z.B. Wut, Zorn, Selbstunzufriedenheit)
zu
reagieren): Pers. mit hohen NA-Werten werden in Fremdratings als fixiert, feindselig,
mißtrauisch,
rebellisch eingeschätzt, solche mit niedrigen NA-Werten als konformistisch, gesellig, symp.,
beliebt
° Entstehung von Ängstl. durch Konditionierung, Modellernen, kogn. Prozesse auf
molekularer Ebene;
Einflüsse auf die Entstehung auf molarer Ebene (= unterschiedliche Lernumwelten):
* Geschlecht (Jungs haben niedrigere Ängstlichkeitswerte evtl. wg. Untersch. i.d.
Rollenerwartung)
* sozioökon. und ethn. Status (ist beides niedrig, so ist meist die Ängstlichkeit hoch)
* familiäre Sozialisation (z.B. umso größer die elterl. Strenge, umso größer die
Ängstlichkeit)
43
* Stellung i.d. Geschwisterreihe (bspw. haben Spätergeborene eher höhere
Ängstlichkeitswerte)
* frühere Schulerfahrung (z.B. umso bessser die Schulleistungen, umso geringer die
Ängstl.)
* denkbar sind auch ererbte Unterschiede (z.B. bzgl. Höhe der Erregungsschwelle, ...)
° Gray: Th. über die neurophys. Grundlagen der Ängstlichkeit: Gray def. Ängstl. als das
nahezu
gleichzeitige Auftreten von Verh.weisen und bst. Ereignissen in der Umwelt eines Indiv.;
nach ihm
ex. neuronale Strukturen, die Verh. (wie die Hemmung des gerade gezeigten Verh., erhöhte
Erregung
und erhöhte Aufmerksamkeit) steuern = Hemmsystem = "behavioral inhibition system"
3.2.3.3.2. Differenzierungen des Ängstlichkeitskonstruktes
° Unterscheidung * Angst- Furcht nicht emp. verankert
* Angst (anxiety state) - Ängstlichkeit (anxiety trait)
es ex. interindiv. Untersch. bzgl. Ängstlichk. und intraindiv. Untersch. bzgl.
Angstzustände
° Leistungsuntersch. zw. Hoch- und Niedrigängstl. verschwinden bei hoher Zustandsangst
(Hodges, 1973): Problem des Zus.hangs zw. Disposition und Sit. varianzanalytische
Studien
zeigen größte Varianz bzgl. Wechselwirkungen zw. Disp. und Sit. sowie zw. diesen und
den
Responsemodes, d.h. versch. Pers. reagieren in versch. Sit. ganz untersch. ängstlich
1. situationsspez. Trait-Konzept nötig
2. Diff. des State-Konzepts notw. (z.B. in 3 Ebenen der Angstreak.: neuro-phys., sub.-
psy.,
motorisch-verhaltensmäßige Ebene)
Versuch diese Unterscheidungen in Fragebögen zu berücksichtigen ...
* State-Trait-Anxiety-Inventory (STAI, Spielberger et al., 1970)
* Interaktions-Angst-Fragebogen (IAF, Becker, 1982, Fakt. erster Ordnung: 6 sit.
Ängstlichkeits-
bereiche, Fakt. zweiter Ordnung: Angst vor phys. und psy. Angriffen, Angst vor
Bewährungssit.)
* Situations-Response-Inventory of Anxiousness (S-R-Inv.d.Ängstl., Spielberg et al., 1962)
3.2.3.4. Aggression und Aggressivität
3.2.3.4.1. Zur Bedeutung von Aggression: große Bedeutung aggr. Verh. in Vergangenheit,
Gg.wart
und Zukunft, i.d. Psy. v.a. Suche nach
Veränderungsmöglichkeiten
3.2.3.4.2. Definitionsprobleme
eine zu einf. behaviorale Beschreibung wäre z.B.: Aggr. als Schädigung eines anderen
ausführl. Def. notw.: Aggr. (nach Tedeschi et al., 1974) ...
* als Einschränkung der Verh.alternativen oder -konsequenzen eines Gg.über
* Ein Beurteiler nimmt die Verh.weise gg. die eigenen Interessen oder gg.
diejenigen
44
der Zielperson gerichtet wahr und hält sie für bösartig, intendiert,
selbstsüchtig
* Die Handlung wird vom Außenstehenden als anti-normativ oder ungesetzl.
aufgefaßt.
zu berücksichtigen sind immer: Intention, Kontextbedingungen, Wertsyst. des Betrachters
3.2.3.4.3. Aggressivität als Folge von Trieben und Instinkten
° Freud nahm angeborenen Todes- oder Aggr.trieb an (Thanatos) zur Vermeidung der
Selbstvernichtung muß die darin gebundene Energie über den nervösen und motor. Apparat
nach
außen abgeführt werden; mögl. sind dabei um den Normen (der Umw., des Über-Ichs)
gerecht zu
werden Eindämmung, Umleitung, Kanalisation [ dazu: Katharsis-Hypothese (s. unten)]
° Zusammenhang biol. Fakt. mit Aggr.:
* im Tierreich sind häufig Männchen aggr. als Weibchen (evtl. dadurch Vorteile im
Paarungsverh.
Aggr. hätte somit Auswirkungen auf den Genpool einer Population)
Untersuchungen: # bei Reizung best. Hirnareale konnte man motor. und emot. Reak.
hervorrufen,
die man als Wut oder Aggr. interpretieren könnte
# Aggr. bei Männchen niedriger nach Kastration, pendelt sich aber nach
Behandlung mit männl. Sex.hormonen auf das für Männchen "normale"
Niveau
ein; weibl. Föten, die mit Testosteron behandelt wurden, zeigten später
Aggr.verh. wie Männchen
* beim Menschen: # Konz. von Sexualhormonen (viele Untersuchungen / Überlegungen
dazu)
# Konz. von Adrenalin und Noradrenalin im Blut (z.B. ex.
Adrenalinkonz.-
untersch., je nachdem ob ein Eishockeyspieler Angreifer oder
Verteidiger ist)
# Chromosomenanomalien (z.B. es ex. viele XYY-Straftäter <- ist
allerdings kein
schlüssiges Argument für mehr delinquentes Verh. der XYY, da es
auch XY-
Straftäter gibt, bzw. auch XYY, die nicht straffällig werden)
genet. Bestandteile aggr. Verh. sicher, diese stehen jedoch in Wechselwirkung mit
externen Stimuli;
bis jetzt kein Nachweis von Aggr.trieben, deren Stärke interindiv. versch. ist
° Katharsis-Hypothese: vgl. Dampfkesselprinzip: Spannungsreduktion durch Affekt-Abfuhr
nach
aggr. Verh. ist die Auftretenswahrsch. weiteren aggr. Verh. geringer
als davor;
tiefenpsy. Th.bildung; ist durch Alltagserfahrung nachvollziehbar,
jedoch
schwierig emp. nachzuprüfen
* Feshbach (1955): Vpn wurden geärgert Geschichte zu TAT-Karten, Bearb. von
Satzergänzungs- und Leistungstests, Fragebogen zu Einstellungen gg.über Vl und Exp.;
Ergebn. (sehr stark kritisierbar, keine Bestätigung durch Hornberg (1959)): aggressivere
45
Gschichterl bei geärgerten Personen, aggressivere Satzergänzung bei Vpn, die sich zuvor
nicht an
Gschichterl abreag. konnten
* Zumkley (1978): Frustration der Vpn durch Verweigerung des Honorars Messung der
Aggr.
mittels TAT, Puls, Selbstrating auf Ärgermeter; Ergebn.: Aggr.ersatz hatt keine
desaktivierende
Wirkung bzgl. Aggr. (Kontrolle über nochmaliges Zusammentreffen der Vpn mit Vl)
* auch Versuche zu Aggr. und Leistung: z.B. Dann (1972): Vpn hatten nach Aggr.abfuhr
schlechtere
Leistungen als solche, die Aggr. nicht vor Leistungserhebung nicht abführen konnten
3.2.3.4.4. Aggression als Folge von Lernprozessen
1. Klassische Konditionierung:
Die Auftretenswahrscheinlichkeit aggr. Verhaltens bei Vorhandensein best. Fakt. erhöht
sich, wenn
zuvor zeitl. Kontinguität aggr. Verh. (inkl emot. Verärgerung und phys. Aktiviertheit) und
jener
Situationsfakt. gegeben waren. Mögl. ist dann auch eine Reizgeneralisierung, d.h. aggr.
Verh. kann dann auch von Klassen von Umw.merkmalen ausgelöst werden (z.B. von nur
einem
best. Ausländer, später von allen Ausländer, ...).
Problem: exp. Ergebnisse nicht immer auf Wirklichkeit übertragbar
2. Instrumentelle Konditionierung
° Bekräftigung aggr. Verh. Auftretenswahrsch. erhöht sich (untersucht in vielen
Tierversuchen)
° häufig zur Unters. der instrum. Kond. verwendet: Aggr.maschine von Buss (1961): Vp als
"Lehrer"
muß angebl. "Schüler", der Aufg. lernen soll, bei Fehlern Elektroschocks verabreichen;
Ergebn. von Geen & Pigg (1970): wenn Vp bei höherer Stromstärke verbal bekräftigt
wurde, erteilte
sie weiter höhere Schocks und assoz. in einem anschließendem Tests bedeutend aggr.
Wörter.
° Lövaas (1961): Kids, deren aggr. Verh. gg.über einer Puppe verbal bekräftigt wurde,
bevorzugten
anschließend aggr. Spielzeug und gingen mit diesem aggressiver um (bei Gruppe, die bei
nicht-aggr.
Verh. bekräftigt wurde, waren Ergebn. genau andersrum)
° Implikationen für Erziehung und Therapie: notw. ist Löschung der Erwartung mit aggr.
Verh.
Erfolg zu haben; aber: Aggr. ist bei uns meistens erfolgreich, über Aggr. wird meist die
gewünschte Bekräftigung (Zuwendung, ...) erreicht, Aggr. ist als
Delikt
verboten, wird aber von Erziehern als Sanktion gebraucht
3. Beobachtungslernen
° klass. Studie von Bandura, Ross & Ross (1961): Frustration von Kids im Vorschulalter
Kinder
46
beobachteten einen aggressiv (Kontrollgruppe: nicht-aggressiv) mit Spielzeug umgehenden
Erwachsenen Kinder zeigten dann in anderer Sit. (Erwachsener dabei) aggressives Verh.
(Kontrollgruppe: weniger-aggr.Verh., sogar weniger, als eine Gruppe, die gar kein Modell
beob.)
° Baron (1973) mittels Aggr.maschine: Geärgerte konnten sich (als "Lehrer") am Frustrator
(als
"Schüler") rächen; Ergebn.: Pers, die davor ein aggr. Modell beob., verhielten sich aggr.
° Wahrscheinlichkeit für Beob.lernen umso höher, umso ...
* intensiver das aggr. Verh. des Modells / dieses belohnt wird
* mehr best. Eigenschaften das Modell aufweist (sympathisch, hohes soz. Prestig, ...)
* ähnlicher die Modellsit. der tatsächl. Sit. ist; umso mehr Kontinguität beide aufweisen
° Problem: Kinder sehen immer mehr fern, dieses zeigt immer aggr. Inhalte : folgt daraus,
daß sich die
Wahrsch. für aggr. Verh. erhöht? (Gg.position: Katharsis-Hypothese)
° Huesmann et al. (1987) : Längsschnittstudie, Ergebn.: umso höher die Intell., umso
niedriger die
Wahrsch. aggr. Verh. zu erlernen; aber: Aggr. mindert intellek. Leistungen und damit
Intell.entw.
Die hier aufgezeigten Zusammenhänge gelten auch für andere Kateg. des Verhaltens und
auch für Einstellungen und Werthaltungen.
3.2.3.4.5. Aggressivität als Trait
1. Beispiele gebräuchlicher Verfahren
° nur wenige diff.psy. Aussagen bzgl. ...
* Untersch. zw. den Geschlechtern (waren bei Aggr.maschine und TAT nur bedingt
nachweisbar)
* Untersch. zw. Strafgefangenen und Unauffällig-Nichtbestraften (Diff. beider Gruppen
mit
Hand-Test möglich)
° Freiburger-Aggressions-Fragebogen (FAF, 1970, dt. Hauptinstrument zur Aggr.messung, 88
Items
aus versch. Inventaren): über Fakt.analyse 5 versch. Fakt. der Aggr.: spontane Aggr.,
reaktive Aggr.,
Erregbarkeit, niedrige Frustrationsschwelle, Selbstaggr.
2. Allgemeine Resultate; einige aktuelle Forschungstrends
° Val. der Verfahren wird angenommen, wenn Diff. zw. Strafgefangenen und Nicht-
Bestraften klappt.
° laufende Untersuchungen zu Zusammenhänge der Aggr.tendenz mit Kreislaufmaßen, zur
Aggr.entwicklung (Längsschnitt)
° andere Autoren haben (mit z.T. anderen Forschungsansätzen) z.T. wesentl. andere Ergebn.
erzielt
3.2.4. Verhaltenstheoretische Persönlichkeitskonstrukte
3.2.4.1. Gemeinsamkeiten und einzelne Ansätze verhaltenstheoretischer
Persönlichkeitsforschung
Verh.th. ... * basieren auf Behaviorismus (Watson,1919)
47
* = Ansätze zur Beschreibung und Erklär. des menschl. Verh. im Sinne des
Behaviorismus
Betonung von Lernvorgängen ( „Lernth.“), Aufrechterhaltung, sit.spez. Streuerung von
Verh.
Forschungsgg.stand ist konkret beob.bares, obj. registrierbares Verh. in möglichst genau
def. Sit.
Methode: Exp. (präzise und kontrollierbar)
° Ann.: außer wenigen angeborenen Reak. (Reflexe) und zufäll. spontanen Aktiv. (emitted
responses;
operants) ist alles Verh. gelernt und v.a. durch Umw.reizkonstellationen gesteuert (elicted
responses).
° Ziel: Nachweis und Erklärung der Grundmechanismen des Erlernens (z.B. Konditionierung)
(denn Ann.: komplexe Verh. des Menschen läßt sich über einfache Lernmechanismen
erklären)
° Ablehnung dispositioneller Konstrukte (z.B. Eigenschaften, Erbanlagen, ...) und anderer
persönl.psy.
Strukturbegriffe (z.B. Unterbewußtes) keine Persönl.th. im eigentlichen Sinne
° Verh. gilt als sit.abh. und nicht als dispositionsbedingt
interindiv. Untersch. werden ausschließl. auf unterschiedl. Lernerfahrung zurückgeführt
° direkter Bezug zur diff.psy. Persönl.forschung durch Rotter und Mischel (Vetreter der soz.
Lernth.)
3.2.4.2. Die Lerntheorie von Rotter
3.2.4.2.1. Grundsätzliche Annahmen
Persönl. = Gefüge von Möglichk. zur Reak. in best. soz. Sit.
Untersuchungseinheit: die Interaktion des Indiv. mit seiner bedeutsamen Umgebung
zentraler Begriff = Verstärkung: beeinflußt das zielgerichtete Verh. einer Pers.; kann
verh.fördernd
(positive Verstärkung, wie Belohnung im weitesten Sinne) und verh.hemmend (negative
Verstärkung, wie Bestrafung o. Entzug von Belohnung) wirken!
Das Verh. einer Pers. ist das Endprodukt aller persönl. Erfahrungen und zielorientiert.
3.2.4.2.2. Grundkonstrukte
Rotters Theorie auf zwei unterschiedlichen Komplexitätsniveau formuliert.
Vpx,s1,va = f (Ex,va,s1 x Vwa,s1)
Verhaltenspotential VP
* = Wahrsch.keit, daß die Handlung X in Sit. s1 mit Aussicht auf Verstärkung va auftritt
* = Funktion aus Erwartung E, daß X in s1 zu va führt, und Verstärkungswert VW, den va
in s1 für
die Person besitzt.
Die Verh.weise X wird an wahrscheinlichsten sein, von der am meisten erwartet wird,
damit das va
zu erreichen, dessen Wert am größten scheint.
d.h. kogn. Variablen „Erwartung einer Verstärkung“ und „Verstärkungswert“ beeinflussen
das Verh.
Erfahrungen in spez. Sit. Vielzahl spez. Erwartungen bzgl. der Konsequenzen des eigenen
Verh. generalisierte Erwartungen (werden in neuen, schwer einzuschätzenden Sit.
verwendet, z.B. Locus of Control, Interpersonal Trust, Hoffnungslosigkeit, Selbstkonzepte,
Verantwortungszuschreibungs-tendenz, ...)
48
3.2.4.2.3. Generalisierte Erwartung bezüglich des „Locus of Control of Reinforcement“
(LoC)
1. Vorbemerkungen
LoC = Kontrollüberzeugung
= Erwartung bzgl. Instanz, die für die Konsequenzen des eigenen Verh. verantwortl. sein
soll
= dim., kontinuierl. variierendes Persönl.merkmal
Pole der Dim.: internaler LoC (eigenes Verh. als Verursachung der Konsequenzen) und
externaler LoC
(Instanz liegt außerhalb der Einflußmöglichk. des Indiv. (Zufall, Leute mit
Macht...))
2. Experimentell induzierter Locus of Control
° häufigster exp. Ansatz: Chance-Situation (den Vpn wird gesagt, daß Aufg. nur mit Glück
lösbar
wäre) bzw. Skill-Situation (den Vpn wird gesagt: Aufg. nur mit Können und Geschick
lösbar)
° Phares (1957): mittels Wetten (Setzen von Spielmarken) mußten Vpn ihre Erfolgserwartung
ausdrücken. Skill-Sit. bei Mißerfolgsrückmeldung sank die Anzahl der gesetzten
Spielmarken,
bei Erfolgsrückmeldung stieg sie;
Chance-Sit. kaum Änderung d. Anz. der gesetzten Spielmarken nach Erfolgs-
oder
Mißerfolgsrückmeldung
° James (1957): Ergebn.: bei Skill-Sit. werden Reinforcement-Erwartungen eher aufgebaut
und
stärker auf andere Aufg. generalisiert als bei Chance-Sit.
° Rotter et al. (1961): z.B. Skill-Bedingungen Internale können im Anschluß an sehr
großen Erfolg
schwerer akzeptieren, daß sie ihr Geschick verlassen haben soll, als bei mäßigem Erfolg.
3. Messung des Locus of Control als Persönlichkeitsmerkmal
° es ex. viele untersch. Meßverfahren (mit. z.T. untersch. Ausgangsann.)
° erster Fragebogen dazu von Rotter (1966): Rotter I-E-Skala (32 Items von denen 23
ausgewertet
werden, kaum Korr. mit SE, unbedeutsame Korr. mit Intell. und Extraversion, korr. um .35
mit
Ängstlichkeit und Neurotizismus)
° aber: Eindimensionalität des LoC-Konzepts wird oft in Frage gestellt
4. Unterschiede zwischen Personen mit internalem und externalem Locus of Control
Messung des LoC mittels Fragebogen Bildung von Extremgruppen Vgl. dieser bzgl ...
° Soz. Beeinflußbarkeit: Crowne & Liverant (1963) nach Asch (1958): Messung der
Beeinflußbarkeit
der Vpn durch gezielte Fehleinschätzungen instruierter Mitarbeiter bei einfachen
Schätzaufg.;
49
Ergebn.: Externale übernehmen häufiger die Falschurteile und geben leichter
Konformitätsdruck
nach. (und verwetten auch auf die Falschantwort mehr Geld;
auch noch: Externale geben Vl-Einflüssen, Konformitätsdruck, Prestigedruck eher
nach
° Info.suche: Internale suchen und evaluieren gezielter und kompetenter Info. zur Lösung von
Aufg.
und Problemen (z.B. Pines & Julian, 1972)
° Kausalattribuierung = Tendenz best. Ereignissen best. Ursachen zuzuschreiben
z.B. Unfallursache: Externale Umstände, Internale Unfallbeteiligte (Hochreich, 1962)
Mißerfolgsursache: Externale Zufall, Internale eigene Leistung (Davis, 1972)
° Leistungsverh.: Internale zeigen höhere Leistungsorientierung und höhere Leistungen, da
Internale für
das Lösen schwieriger Aufgaben mehr Ausdauer aufbringen als Externale (Skill); Externale
bringen
bei Chance-Sit. mehr Zeit auf ; Internale besitzen bessere Strategien relevante Info. für
Problemlösungen zu suchen; DoG korr. positiv mit LoC
° Gesundheitsbezogenes Verh.: höhere Selbstverantw. (Vorsorge, ...) bei Internalen ;
Externale allg.
anfälliger für psy. Fehlanpassungen, Depressivität und Selbstmordgefährdung; höhere
Streßanfälligkeit und schlechteren Fähigkeit zur Selbstkontrolle phys. Reakt.
5. Die Entstehung des Locus of Control
° oftmals Ursachenzuschreibung im Erziehungsverh.: Eltern von Internalen zeigten mehr
Wärme,
Unterstützung und lobendes Verh., weniger Kritik, Kontrolle, Dominanz (DeWitte, 1970)
° aber: Crandall (1973, Längsschnittuntersuchungen über Mutter-Kind-Interaktionen):
Ergebn.:Internale früher zur Selbstständigkeit angehalten, die Mütter eher kühl,
weniger liebevoll, Kritik, Strafe
mehr Kontakte zu Gleichaltrigen bewußtes Kennenlernen anderer
Umweltbedingungen
Zuversicht eigene Lebensumstände selbst beeinflußen zu können.
° Levenson (1973): notw. ist Berücksichtigung des Geschlechts des Erzogenen, des Erziehers
und die
Verwendung eines differenzierten LoC-Konstrukts
3.2.4.2.4. Zwischenmenschliches Vertrauen (Interpersonal trust, ITP)
IPT = Erwartung, sich auf Äußerungen anderer verlassen zu können
(vs. basales Vertrauen = Glaube an das Gute im Menschen)
besonders wichtig für das Zusammenleben im Alltag
IPT entsteht durch * generalisierte Erwartungen direkt im Umgang mit anderen
* verbale Festellungen über andere von prominenten Pers. oder
Kommunikationskanälen
1. Messung von IPT
u.a. recht zuverlässiger Fragebogen von Rotter (1967)
Wrigt & Tedeschi (1975): Aufteilung in 3 Bereiche: political trust (inkl. Medien), paternal
trust
(gg.über Autoritäten), trust of strangers
50
2. Korrelate von Vertrauen
° mäßige pos. Korr. mit internalem LoC, Glaube an politische Untersuchungskommisionen.
° bei manchen Spielen: Pers. mit hohem IPT-Wert verhalten sich vertrauensvoller und mehr
in
Übereinstimmung mit ihren Hinweisen (Schlenker et al., 1973)
° umso niedriger der IPT-Wert, umso länger die Reak.zeit sich rückwärts in die Arme eines
bereitstehenden Helfers fallen zu lassen (Cash et al., 1975)
3. Antezendente Faktoren von IPT
° Beziehung der IPT-Werte von Vater und Sohn (Katz & Rotter, 1969)
° höhere IPT-Werte bei Übereinstimmung des religösen Bekenntnisses der Eltern
° es ex. Geschwisterreiheneffekt: die Jüngsten weisen die geringsten IPT-Werte auf (Rotter,
1967)
° IPT wird überlagert durch sozioökon. Differenzen: z.B. IPT Farbiger geringer als bei
Weißen,
der IPT-Wert von Juden ist höher als der Angehöriger anderer Rel.gemeinschaften
4. Würdigung
Mängel der Th.: es fehlen Replikationsstudien und die Verbindung zur soz. Lernth., teilweise
widersprüchliche Befunde
3.2.4.3. Persönlichkeitstheoretische Positionen von Mischel
Kritik an dispositionell orientierter, eigenschaftsth. Persönl.forschung.
Betrachtung der Wechselwirkungen zw. sit.spez. Reizen und indiv. Gegebenheiten:
Interaktionismus.
3.2.4.3.1. Belohnungsaufschub (Delay of Gratifikation) (DoG)
1. Inhalt, Herleitung und Bedeutung
° Operationalisierung: Vpn wählen zw. weniger wertvollen, sofort verfügbaren und
höherwertigen,
aber erst später verfügbaren Objekten.
° DoG findet seine Verankerung in der soz. Lernth. von Rotter
° Wahrsch. einer Delay-Entscheidung umso höher, umo kürzer Belohnungsintervall, umso
höher
Belohnungswerts bzw. -wahrsch.
° selbstauferlegter Belohnungsaufschub unerläßl. Voraussetzung soz. Lebens
2. Erfassung des Konstruktes; Korrelate
° gute Übereinstimmung von Exp.ergebnissen und Fragebogen
° korr. mit „puritanischer Charakterstruktur“ (Intell., Widerstand gg.über Versuchungen,
Verantwortung, Leistungsmotivation) vs. „Impulsität“ und Orientierung mehr an der
Gegenwart als
51
an der Zukunft.
3. Situative und kognitive Faktoren
° sit. Fakt. bei DoG wichtig (d.h. Interaktion zw. äußeren Fakt. und Persönl.variablen)
Bezeichung „Trait“ zweifelhaft
° bedeutsam für das Wahlverh.: entsprechend agierende Vorbilder, Vertrauen der Vp,
Leistungsmotiviertheit, Alter, Wertigkeit der hinausgeschobenen Belohnung, Erfahrungen,
...
4. Würdigung
° Kritik: Untersuchungen hauptsächl. an Kindern (mögl.: Überlagerung mit Entw.- und
Reifeuntersch.)
es fehlen Untersuchungen zu den Begleiteffekten einer Entscheidung und zu von
außen
aufgezwungenen Verzögerungen (Delay of Punishment)
° DoG ist sit.abh. (Hauptanliegen Mischels, deswegen auch kaum Reliabilitätsunters.), kann
aber
durchaus als spez. Trait betrachtet werden
3.2.5. Kognitive Persönlichkeitskonstrukte
3.2.5.1. Gemeinsamkeiten kognitiver Ansätze
° Persönl. = info.verarb. dynamisches Syst. = Gesamtheit aller kogn. Strukt. eines Indiv.
(Salter, 1979)
° kognitiv sind danach alle Prozesse ...
* die dem Individuum Info. über die Umw. liefern (Wahrnehmung)
* die die Speicherung (Konzeptualisierung, Kategorisierung, Gedächnisorganisation) und
Tranformation der Erfahrung (z.B. sprachliche Codierung) betreffen
° Unters.gegenstand: formale Besonderheiten und interindiv. Varianten der Info.verarb.
(nicht was oder
wieviel, sondern wie Begriff "kognitive Stile" (Persönl.merkmal, deskriptive Strukturen,
indiv.-
spez./ stabile / sit.übergreifende Art der Info.verarb.)
3.2.5.2. Abriß einzelner kognitiver Persönlichkeitstheorien
3.2.5.2.1.Feldabhängigkeit/Feldunabhängigkeit
1. Entwicklung der Theorie
zahlreiche Untersuchungen von Witkin: ursprüngl. zur relative Bedeutung vestibulärer und
somästhetischer Empfindungen gegenüber visuellen Sinneseindrücken (dazu: Rod-and-
Frame-Test
(RFT): im dunklem Raum soll Vpn auf schrägem Stuhl sitzend, schrägen Leuchtstab in
schrägen
Leuchtraumen parallel zur Gravitation stellen; Erfolg als Maß für Feldunabh.
später auch anderer Test: Embedded Figures Test (EFT): herausfinden einer einfachen
Figur aus
52
komplexer Wahrnehmungsvorlage (später allgemeiner: die Fähigkeit Items aus einem
Kontext
herauszulösen <- korr. mit obigen Maßen)
neuerdings: Erweiterung des Konstrukts auf die allg. Art der Info.verarb. bzw. auf die
Intensität der
Beschäftigung mit eingehender Info. (korr. mit Fahrverhalten, Unfallhäufigkeit, Studen-
und
Berufswahl (Feldunabhängige wählen eher Physik, Mathe, Kunst, experiment.
Psychologie, ...;
Feldabhängige entscheiden sich eher für Sozialarbeit, klinische Psy., Lehramt, ...);
größere Feldunabh. bei Männer
2. Kritik und Würdigung
° z.T. hohe Korr., v.a. mit sprachfreie, fluider Intell., aber auch mit anderen Konstrukten der
Persönl.
° evtl. keine Kompetenz- sondern nur eine Präferenz-Komponente
° Einfluß motivationaler Komponenten nicht geklärt
3.2.5.2.2. Reflexivität/Impulsivität (R-I); analytischer vs. funktionaler Stil
R-I-Konstrukt geht zurück auf Kagan (1965)
= konsistente Tendenz in Problemsit. mit hoher Antwortsicherheit langsame oder schnelle
Entscheidungen zu fällen (reflexiver Stil: hohe Antwortsicherheit, langsame
Antwortgeschw.;
impulsiver Stil: schnelle Antwortgeschw., meist niedrigere Antw.sicherheit)
fast ausschließl. zur Erfassung verwendet: Matching familiar Figures Test (MFF-T) aus
Bildern, die
sich nur in Kleindetails voneinander unterscheiden, soll das mit der Vorlage identische
herausgefunden werden
verwandter Stil: analytisch / funktional; typ. Operationalisierungsaufg.:
begriffl. Kategorisierung = finden, worin sich zwei von drei gegebenen Objekte ähnlich
sind;
Antworten eher analytisch (am Äußeren / Struktur orientiert) oder eher funktional (an der
Funktion des Objekts orientiert)
Kritik: MFF-T (und damit auch des R-I-Konstrukts) ...
* ist keine Operationalisierung eines kogn. Stils, sondern ein klassischer
Leistungstest
* weist hohe Korr. zu anderen Persönl.merkmalen (sprachfrei Intell.) auf
* meist nur an Kindern getestet (Problem: evtl. überlagert von Entw.)
3.2.5.2.3. Kognitive Seuerung und Kontrolle
Transformation psychoanalytischer Vorstellungen über Aufbau der Persönl. in Termini der
Reiz-Reaktion-Beziehungen emp. bearbeitbar
Ich * hat zentrale Rolle bei der Anpassung an die Erfordernisse der Umw.
* kontrolliert Triebe aus dem Es und den eigenen Selbsterhaltungstrieb
Klein & Schleier (1949): fakt.analytisch gesicherte Strukturen / Dimensionen / Prinzipien
kognitiver Steuerung: Feldabhängigkeit, Nivellierung/Pointierung (Differenziertheit eines
kogn. Feldes), Fokkussierung (Aufmerksamkeitsweite), Äquivalenzumfang und konzeptuelle
Differenzierung (Genauigkeit der Urteilsdifferenzierung), Toleranz gegenüber
53
unrealistischen Erfahrungen), Koartierte vs. flexible Steuerung (Änfälligkeit gg.über starken
aber irrelevanten Reizen)
aus Kombinationen dieser und weiterer Steuerungsprinzipien ergeben sich kognitive Stile
(diese haben damit ein höheres Organisationsprinzip als die einzelnen Steuerungsprinzipien)
3.2.5.2.4. Kognitive Komplexität
Kelly (1955): Betonung soz. Interaktionen als Element der Auseinandersetzung mit der Umw.
Indiv. nimmt konkrete Ereignisse im soz. Umfeld war abstrahiert, interpretiert diese und
bildet Hypothesen über diese Bildung von Konstrukten
Pers. ist kognitiv umso komplexer, je mehr persönl. Konstrukte sie zur Kategorisierung ihrer
soz. Umwelt benutzt
Messung der "Anzahl" der verwendeten persönl. Konstrukte mittels „Role Construct
Repertory
Test“ (REP-Test) von Kelly
komplexe Indiv. (vs. simple) können besser Verh. ihnen bekannter Pers. vorhersagen, sind
in der
Lage ihre Persönl. und deren Unterschiede zu anderen herauszuarbeiten
3.2.5.2.5. Kognitive Strukturierbarkeit
Info.verarb. kann nach der Art und Weise der Behandlung einer spezif. Information
klassifiziert werden Analyse der Struktureigenschaften bzgl.
° Differenziertheit (Zahl von Hauptkategorien in Beurteilungsvorgängen)
° Diskriminiertheit (Binnenstruktur dieser Kategorien)
° Integriertheit (Zahl der mögl. Kombi. der Hauptkategorien)
Messung mittels proj. Satzergänzung, modifiziertem REP-Test, ...
Korr. der kognitiven Strukturierbarkeit: Kreat. (um .54), Intell. (um .30), einige Skalen des
FPI (Freiburger Persönl.inventar: z.B. Nervosität (um -.25), Extraversion (um .23), ...)
3.2.5.3. Zusammenfassende Kritik
° Th. und Operationalisierung nur in loser Verbindung miteinander
° nur Teilbereiche der Info.verarb. werden untersucht
° Fragwürdig ist Behauptung über den Prozeßcharakter der abgebildeten Unterschiede
° keine th. und emp. Untersuchungen zu Gemeinsamkeiten und Wechselwirkung einzelner
Ansätze
° Frage nach dem Einfluß von Motivationsfaktoren offen
4. DETERMINANTEN INTERINDIVIDUELLER UNTERSCHIEDE
4.1. Genetische Faktoren
4.1.1. Einführung
heute oftmals: Anlage-Umwelt-Diskussion:
* je nach th. Ansatz unterschiedl. Akzentuierung einzelner Aspekte (z.B. betont Eysenck
genet. Fakt.,
bei Behavorismus oder lernth. Konzepten steht Umw. im Vordergrund)
54
* moderne Sichtweise: Interaktion zwischen Anlage und Umw. (auch i.d. Psychoanalyse
vertreten)
-> führte zu außerordentl. orginellen methodischen Forschungsansätzen und
Analysetechniken;
Gefahr der Erblichkeitsforschung: Rechtfertigung von Ideologien
4.1.2. Art und Ausmaß der Erbbedingtheit
° Bestimmung der Art der Vererbung (=qual. Aspekt) über Erforschung von Erbgängen:
-> wird oft bei selten auftretenden Erbkrankh. gemacht, da viele Krankh. nur auf einem Gen
beruhen
-> Probleme: * es ist auch möglich, daß ein Merkmal von versch. Genen abhängt
(=Polygenie),
oder ein Gen auf mehrere Merkmale wirkt (=Polyphänie)
* zum Ausbilden best. Merkmale sind genet. Vor. nötig (z.B. wenn 2mal das
rezessive
Gen für Albinismus vorhand. ist, ist egal wie die restl. Gene der Irisfärbung
aussehen)
* Umw.faktoren können auf die Ausprägung des Genotyps im Phänotyp
entscheidenden
Einfluß haben (z.B. Phenylketonurie)
=> zur Erforschung von Erbkrankheiten gut geeignet; aber unmögl. ausschließlich mit
dieser
Methode die Erbe-Umwelt-Diskussion bzgl. komplexerer Merkmale (z.B.
Intell.)voranzuführen
° Bestimmung des Ausmaß der Erbbedingtheit (=quant. Aspekt) über die Variabilität der
Merkmalsausprägung und deren Aufgliederung in erbl. bzw. umw.bedingte Fakt.
(Probleme: Meßfehler, Notwendigkeit von Vorannahmen)
4.1.3. Allgemeine Vorstellungen über Erbe und Umwelt
° Erbgut = Gesamtheit der im doppelten Chromosomensatz befindlichen Info.
° umweltbedingter Anteil bestimmt nur innerhalb der von den Genen gesteckten Grenzen
über die
Ausprägung eines phänotypischen Merkmals
° Umw.einflüsse sind keine fixen Determinanten (Bsp.:Organismen untersch. sich in ihren
genet. einge-
grenzten Bedürf., Toleranzen, Mögl. und filtern z.T. selbst aus, was als Stimulation in Frage
kommt)
=> Manifestation des Genotyps im Phänotyp durch komplexe Wechselbez. zw. Umw. und
Erbe
[primäre Merkmale (Hautfarbe, Blutgruppe, ...) sind anlagemäßig verankert; sekundäre Merkmale
(Sprachentw.,
Minderwertigkeitsgefühle..) hängen von den eigenen Reaktionen und jener der Umw. auf primäre Merkmale
ab]
4.1.4. Erblichkeitsschätzung aufgrund von Varianzzerlegung
4.1.4.1. Elemente
° Erblichkeit = Heriabilität = Summe der genet. bedingten Varianzquellen
=> Angabe der Erblichkeit mögl. (z.B. in %)
° Jensen (1969): VP = VG + VAM + VD + Vi + VE + 2ConvarianceHE + VI + Ve
* Erbanteil: # VP = phänotypische Varianz eines Merkmals (z.B. Intell., E/I, ...) i.d. Population
55
# VG = gen.oder additive Varianz (hierauf beruht v.a. die Ähnl. der Kinder zu ihren
Eltern)
# VAM = Varianz aufgrund v. assort. mating (z.B. korr. Ehepartner um .50 bzgl. Intell.
miteinander)
# VD = Varianz aufgrund von Dominanzabweichungen (Anteil wird meist über
Inzuchtstudien
festgestellt; Gg.stand: Phänomen der Ex. dominanter und rezessiver Gene => nicht
alle Merkmale
der Eltern sind bei den Kindern zu finden und umgekehrt)
# Vi = Varianz aufgrund von Epistase (= Interaktion zw. Genen versch. Loci)
* Umweltanteil: VE = Varianz, die auf alle nicht-genet. Einflüsse zurückgeht
* Erbe o. Umw.?: # ConvarianceHE = Kovarianz von Erbe und Umw. (versch. Genotypen
(grundsätzliche
Unterscheidung in passiven, aktiven, reaktiven Typ nach Plomin
et al. (1977))
werden versch. Umwelten ausgesetzt)
# VI = Varianz, verursacht durch Interaktion zw. genet. und Umw.fakt.
(versch. Genotypen reagieren versch. auf ident. Umwelten)
* Ve = Fehleranteil
=> das erhaltene Erblichkeitsmaß hängt u.a. vom verwendeten Umw.ausschnitt ab, genauso
wie das Ausmaß der Umw.wirkung durch den jeweiligen Genotyp beeinflußt wird => die
Angabe einer einzigen allgemeingültigen Zahl ist weder für die Heriabilität, noch für den
Umw.anteil möglich!
4.1.4.2. Vorgehensweisen, Formeln, Implikationen
Ziel: Schätzung der einzelnen Varianzanteile
Weg zum Ziel über Forschungen an EZ und ZZ (EZ = eineiige Zwillinge, ZZ = zweieiige Zwillinge)
-> aber: damit die durch Zwillingsforschung erhaltenen Ergebnisse zutreffen, müßten einige
(problematische) Vorannahmen erfüllt sein:
° Korr. zw. EZ sei doppelt so hoch wie zw. ZZ (da erstere doppelt soviel identische Erbinfo.
hätten)
° Paarung der Eltern nach Zufall (also kein assortative mating)
° Umw. von EZ nicht ähnl. als die von ZZ (aber z.B. werden EZ öfters miteinander
verwechselt als ZZ)
° nur additive Varianzen für Korrelationen verantwortl.
=> Ergebnisse ° geben nur Anteil der Erbbedingtheit an den Differenzen i.d.
Merkmalsausprägung an
° sind von der verwendeten Merkmals- und Personenstichprobe abhängig
Im "Natural Setting" kommen Umstände zustande, die mit der isolierten Variation von
Variablen vgl.bar sind: Konstanthaltung des Erbes bei Variation der Umw. (siehe 1.),
Kontrastierung von Erb- und Umw.einflüssen (siehe 2.), Konstanthaltung der Umw. bei
Variation des Erbes (siehe 3.)
1. Getrennt aufgewachsene EZ
EZ haben vollständig ident. Erbinfo => Diff. im Verh. gehen auf Untersch. in den Umw.
zurück
Probleme: ° wie ähnl. waren sich die Umw. trotzdem? (oftmals wuchsen EZ nicht völlig
getrennt auf)
° gemeinsame intrauterine Umw. (z.B. Korr. zw. Geburtsgewichtsdifferenz und
IQ-Diff.)
° extrem geringe Population
° viele Studien weisen Mängel auf (z.B. Vl- oder Alterseffekte)
° zumeist sind in Zwillingsuntersuchungen männl. Zwill. und ZZ unterrepräsentiert
56
[sehr bedeutende Untersuchung: Minnesota-Studie unter der Leitung von Lykken & Bouchard: in den 80er Jahren
waren bereits 40 Zwillingspaare registriert: diese wurden schon sehr früh nach der Geburt (Durchsch.: 3,6 Monate)
getrennt und mehr als die Hälfte der Pb hatten bis zu ihrem Wiedersehen im Institut (Durchsch.: 27,9 a) keinen
Paar-Kontakt.]
2. Adoptionsstudien
emp. Untersuchungen ergeben, daß psy. Merkmale zu einem großen Anteil vererbt werden
(denn: Ähnlichk. der adoptierten Kinder zu den leibl. Eltern (LE) ist größer als zu den
Adoptiveltern (AE); [z.B. Leahy (1935): n=177 Kinder, die spätestens bis zu ihrem 6.Lebensmonat adopt.
wurden, korr. bzgl. IQ mit ihren AE um .18 gegenüber n=175 Kindern, die bei ihren LE aufwuchsen und mit
denen um .60 korr.]
aber: ° es fehlen Studien zur Homogenität der Adoptionsfamilien
° es ex. selektive Plazierung (z.B. intelligentere Kids kommen zu intelligenteren
Adopt.eltern)
allgemein: umso jünger Adopt.kids, umso ähnl. den AE (mögl. Begründung: AE gestalten
Umw.)
-> umso älter Adopt.kids werden, umso geringer wird die Ähnlichk. zu den AE (mögl.
Begründung:
Kind schafft sich immer mehr seine Umw. selbst aufgrund seiner genet. Ausstattung)
aber: ° IQ der AE durchschn. höher als der der leiblichen Mutter
° Eltern verhalten sich gg.über Adopt.kids evtl. anders, v.a. wenn noch eigene vorhanden
sind
° Kids wissen evtl. von der Adoption (daraus folgt evtl. der Drang anders als die AE zu
sein)
° Eltern, die Kids adoptieren, sind keine repräsentative Stichprobe
Problem: auch durch Umw.- und Erbfaktoren bleiben große Varianzanteile bei Interessen-
und Pers.variablen ungeklärt => diese Varianzanteile könne nicht zw. den Familien, sondern
müssen innerhalb dieser liegen (McCall, 1983)
3. Schwächere Designs: Vergleich EZ / ZZ
Bsp für Schwächen solcher Designs: ° Rollendiff. bei den Paarlingen erst im Laufe der
Jugendzeit
° besonders ähnliche Umw. auch bei gleichgeschlechtl. ZZ (mehr
Verwechslungen als
bei verschiedengeschlechtl. ZZ, ...)
° größere pränatale Konkurrenz bei EZ als bei ZZ (z.B. größere
Geburtsgewichtsdiff.,
öfters Verschiedenhändigkeit, mehr Mißbildungen, ... bei EZ als bei ZZ)
° Varianzen zw. den Fam. bleiben unberücksichtigt
trotzdem sind solche Studien Grundlage der meisten Heriabilitätsstudien!!!!
4.1.4.3. Schlußfolgerungen
° Erblichkeit menschl. Merkmale als solche gesichert
° Erblichkeitsschätzungen für Intell. höher als für andere Pers.merkmale [z.B.: Scarr &
Weinberg
(1979) schätzen die Erblichkeit für Intell. auf .40 bis .70]
° weitere methodische Zugänge: Inzuchtstudien, Stammbaumstudien, Tierzüchtungen
° es ergeben sich viele neue offene Fragen, bspw. weil Erblichkeitsschätzungen "nichts über
die
Wirkung möglicher Fördermaßnahmen aussagen" (S.484)
57
4.2. Umwelteinflüsse
4.2.1. Dimensionierung der Umwelt
Zusammenstellung versch. Indikatoren (z.B. Anzahl der Bücher in einem Haushalt) ->
Gewichtung der Indikatoren mittels Fakt.analyse
=> Ergebnis: Dimensionen der Umw. -> mögl. ist es, die Umw. nach zu versch. Arten zu dim.
° nach physikalischen Gesichtspunkten
° nach sozialen und verh.mäßigen Aspekten
-> Problem: Kategor. der Umw. meist retrospektiv und von betroffenen Personen
vorgenommen
-> dann: Suche nach korr. Zusammenhängen mit interindiv. Diff. in Pers.variablen
Buss (1977): Entw. eines hierarch. Umw.modell das isomorph zu anderen Pers. modell ist
(z.B. zum Pers.modell von Eysenck oder zum Intell.modell von Vernon); Verwendung
derselben Begriffe für Untersch. i.d. Umw. und i.d. Pers. und Betrachtung beider in
wechselseitigem Bezug aufeinander
-> dazu notw. gemeinsame Basis: differentielle Prozeßvariablen des Lernens
[Bsp.: erwiesen ist, daß Eskimos durchschn. hohe Werte in Raum- und Wahrn.aufg. erreichen <- Buss erklärt mit
seinem Modell dies, indem er auf die Lebensnotw. dieser Fähigk. und der besond. Förderung und Übung jener bei
Eskimos verweist]
4.2.2. Allgemeine Milieu- und Anregungsfaktoren
4.2.2.1. Zwillingsuntersuchungen
° hohe korr. Zusammenhänge von Schulbildung, Erziehung, soz. Umständen mit IQ
(gemessen an
getrennt aufgewachsenen EZ)
° treffende Vorhersagen des IQ durch Einschätzungen der Mutter und der häusl. Umstände
durch einen
Soz.arbeiter => Beweis für die Relevanz häuslicher und familiärer Variablen (Wilson,
1983)
° offene Fragen:
* Warum werden sich EZ im Laufe der Entw. immer ähnl., ZZ sich immer unähnlicher?
* Wirkung des vorgeburtl. Zusammenlebens von Zwillingen (mehr Ähnlichk. (z.B. hat
Gestagen der Mutter
Einfluß auf körperl. und IQ-Entw.) oder mehr Diff. (da z.B. mehr Konkurrenz: Gewichts- und IQ-Diff., ...)
?)
* EZ weisen durchschn. 4 IQ-Punkte weniger als "normale" Kids auf <- durch pränatale
oder spätere
Einflüsse bestimmt?
4.2.2.2. Untersuchungen an Heim- und Adoptivkindern; Stimulation und Deprivation
° Heimkinder sind nicht repräsentativ => Untersuchungen an Heimkindern nicht besonders
aufschlußreich (die ermittelte durchschn. Korr. bzgl. Intell. um .50 ist also fraglich)
=> besser: Untersuchungen an mehreren, nicht miteinander verwandten in einer Fam.
aufgewachsenen Adopt.kindern (aber: Eltern, die mehrere Kinder adopt. sind nicht
repräsentativ, ... ;
Korr. bzgl. Intell. um .32 (Literaturstudie von Jencks et al., 1972))
° länger anhaltende Anregungsdeprivation => Rückgang der Intell. über längere Zeit
58
° bei Adopt.kids positive Effekte durch Aufwachsen in Fam. mit besseren
Anregungsbedingungen
(AE durchschn. intelligenter als "normale" Adopt.kids durchschn. intelligenter als
"normale")
° Förderungsmöglichlichkeiten besonders dann erfolgreich, wenn Kids bisher unter
Anregungs-
minimum lebten, Programminhalte klar strukturiert, eher auf kogn. als auf sozial-emot.
Fähigkeiten
ausgerichtet (aber: Operation Headstart erfolglos, Problem:Trainingseffekte auf Dauer zu
erhalten)
dadurch angeregte Forschungsrichtung: Fähigkeitsabbau im Alter vermeiden
4.2.2.3. Der Sonderfall: Pers.merkmale in Familien-Untersuchungen
z.T. sehr geringe Korr. von Pers.merkmalen (im Gg.satz zu Leistungsmaßen) zw. Kids und
Eltern bzw. zw. Kids untereinander <- mögl. Ursachen: nicht gemeinsame Umw., trotz
gleicher Fam., z.B. durch ...
° unterschiedl. Behandlung oder Erziehung
° unterschiedl. Wahrnehmung gleicher Sachverhalte
° Rollendifferenzierung
4.2.2.4. Untersuch. an weiteren Personengruppen (darunter solche versch. ethn.
Zugehörigkeit)
° Untersuchungen an Kleinkids, Schülern, Jugendl. => ökopsy. Variablen (z.B.
Anregungsgehalt der
Umw.) korr. höher mit Intell. und haben höheren entw.prognostischen Wert als
sozioökonomische
Variablen (Brandstädter, 1976, n=185 Schüler im Alter von 11a)
° ökol. Anregungsfakt. wirken in versch. Kulturkreisen unterschiedlich; z.B. Maß für
kulturelle Stimul.
korr. bei Eskimos, Indiandern mit verbaler Intell, nicht aber bei Ugandern (Vandenberg &
Hakstian, 1978)
° Intell.vgl. zw. Schwarzen und Weißen => Schwarze haben durchschn. weniger IQ-Punkte
(so um
die 5 (Shuey, 1966)) als Weiße,
-> Ergebn. wird v.a. auf Umw.fakt. zurückgeführt (denn z.B.: schwarze Kids in weißen Adopt.fam.
haben
wesentl. höheren IQ (durchschn. 108 bei Scarr & Weinberg, 1976) als "normale" schwarze Kids ), obwohl
genet.
Determinanten der Intell. gesichert sind
4.2.3. Spezifische Faktoren
4.2.3.1. Ernährung und Krankheit
° Birch & Gussow (USA, 1970): perinatale Sterblichkeitsrate niedriger bei Angehörigen der
Oberschicht, Effekt noch stärker bei Schwarzen
° während der Schwangerschaft: Sogar starke Nahrungsdefizite der Mutter beeinflussen nicht
Intell.entw. des Kindes (obwohl diese bei der Geburt mindergewichtig; Problem:
Überlagerung des
Effekts evtl. durch Mortalitätsrate (z.B. in der Hinsicht, daß v.a. die Intelligenteren bis zur Geburt
überleben))
59
° nach der Geburt: Mangelernährung hat starken Einfluß auf Intell.entw. (z.B. kommt es
durch
Nahrungsdefizite in den ersten acht Lebensj. zu einer mangelhaften Myelenisierung der
NZ)
4.2.3.2. Stellung i.d. Geschwisterreihe
° Fam. mit weniger Kids: Kids größer und intelligenter
° Abnahme der Intell.werte im Laufe der Geschwisterreihe (Birth-Order-Effekt: Erstgeborene
schneiden durchschn. am besten ab und Zuletztgeborene am schlechtesten; dieser Effekt
folgt aber
dem Gesetz der großen Zahlen, d.h. er ist nicht in jeder Fam. explizit nachweisbar; Effekt
evtl. durch
sich verschlechternde pränatale Bedingungen mit steigender Zahl der Schwangerschaften
bedingt;
bei 1-Kind-Fam. zeigt dieses eine Kind trotzdem nur duchschn. Leistung)
° Konfluenzmodell nach Zajonc & Markus (1975): Anregungsniveau einer Fam. für das
Intell.wachstum richtet sich nach dem Durchschn. der absoluten Intell.werte sämtl.
Fam.mitglieder
(einschl. betrachteter Person) -> durch dieses Modell können erklärt werden: geringer
Altersunterschied und trotzdem wesentl. schlechtere Leistungen, Minderleistungen von
Zwillingen,
höherer IQ alleine aufgewachsenen Zwillinge, ...
° Pers.merkmale: kein / kaum Geschwisterreiheneffekt (aber: je nach Geschwisterstellung
unterscheidet
sich die Fam.umw. für das jeweilige Kind; größere Fam. scheinen nachteilig für
Sozialisation zu sein)
(v.a. Literaturstudie von Ernst & Angst, 1983)
4.2.3.3. Erziehungsverhalten der Eltern
° elterl. Erziehungsverh. wurde v.a. bzgl. der Auswirkungen auf Pers.merkmale im engeren
Sinn
untersucht -> aber: Erziehungsverh. ist nur eine vieler familiärer Variablen; Vorsicht vor
kausalen
Interpretationen (denn das Kind ist nicht nur abh. Variable, sondern bestimmt den
Erziehungsstil mit)
° Probleme der Untersuchungen: oftmals Querschnitt; oft retrospektive Betrachtung;
besonders wichtig
ist wie der Erzogene selbst das Erziehungsverh. empfindet
° über Fakt.analyse: Autonomie vs. Kontrolle und Zuwendung vs. Zurückweisung als die
beiden
Dim. des Erziehungsstils (Herrmann, 1976)
° wichtiger als spez. Erz.praktiken ist die emot. Atmosphäre i.d. Fam. u. Pers.merkmale der
Eltern
° Untersuchungen an Fam. mit (längerer) Abwesenheit des Vaters: Tendenz bei Jungen zum
weibl. im
kogn. Bereich ("Father-Absent-Families"; Biller, 1971)
4.2.3.4. Übung, Training, Unterweisung
1. Definition und method. Probleme
60
° direkte Übung / Training = Wiederholung von Verh.weisen zur Verbesserung einfacher
kogn. oder
motor. Prozesse
° Mitübung = positive Effekte direkter Übung in anderen als den geübten Bereichen
° Erziehung / Bildung = verbale oder anschaul. Vermittlung allg. Prinzipien für kogn. und
soz. Verh.
° Schwierigkeiten für die Diff. Psy.: * untersch. Lernkurven
* untersch. Grad der Vorübung
* quant. und auch qual.Veränderungen der
Bearb.prozesse
=> man geht immer mehr zur Prozeßdiagnostik über (vs. Statusdiagnostik)
2. Beeinflussung von Mittelwerten und Varianzen durch Übung
° Erhöhung von Intell.testleistungen bei baldiger Wiederholung (Zugewinn v.a. bei
komplexen Items)
<- mögl. Ursachen: Vertrautheit mit Aufg.typen und Lösungsstrategien, Transfereffekte,
mehr
Selbstvertrauen, weniger Ängstlichkeit
= Entwicklung einer sog. "Test-Sophistikation" = Test-Wissen (= Test-Wiseness <- Trait
geringer
Breite, korr. anscheinend mit Leistungsmaßen)
=> Versuche durch system. Training (coaching) Leistungstestergebn. zu verbessern (z.B.
Mediziner-
Test-Training) -> von Training profitieren v.a. Personen mit unbefriedigenden
sozioökon. und
pädagog. Umfeldbedingungen
=> Kriteriumsval. des Verfahrens (auf das man trainiert hat) sinkt, wenn Testverh. und
Kriteriumsverh. nicht übereinstimmen
° nochmalige Vorlage: * erhebl. Mittelwertdiff. bei proj. Verfahren
* Hess & Neville (1977): deutl. Veränderung der indiv. Testprofile bei
PRF
° durch Training kommt es zu einer Akzentuierung der bereits davor vorhand. Untersch. zw.
den Vpn
3. Beeinflussung von "Struktur"-Merkmalen durch Übung
° ausgeprägte Übungsfortschritte => Veränderung im Einsatz psy. Funktionen (= qual.
Veränderungen)
° umso höher der Übungsgrad, umso reliabler treten die interindiv. Untersch. in Erscheinung
und umso
unähnl. wird die Endleistung der Anfangsleistung <- Effekt besonders ausgeprägt bei
komplexen Fkt.
° Fleishman & Hempel (1954): Korr. von Teilzeitleistungen sukzessiver Übungsdurchgänge
mit einer
Batterie von Leistungstests => Änderung der Fakt.struktur im Laufe der Übung, denn: deutl.
Erhöhung des Anteils der testspez. Fakt. => Übung als Prozeß der Umstrukturierung
=> Implikationen: begrenzte Aussagequalitäten herkömmlicher Leistungstest (bspw.
Intell.tests: IQ von
140 nicht mehr mit einem von 100 vgl.bar, da nicht nur quant. sondern auch qual.
Untersch. ex.)
61
4.3. Geschlecht
Diff. zw. Männern und Frauen in psy. Hinsicht geringer als man im Alltagsverständnis
vermutet. Außerdem scheinen sie im Laufe der jüngsten Vergangenheit immer weiter
abgenommen zu haben
oftmals ...° berücksichtigen Untersuchungen nur, was Männer und Frauen tun können, und
nicht was
sie tun wollen (in natürl. Situationen)
° ex. große Diff. bzgl. der Rollenerwartungen, die an Männern und Frauen gestellt
werden
° korr. gefundene Haupteffekte mit spez. Merkmalen von Aufgaben und Sit.
Frage: Was ist vererbt, wieviel durch die Umw. bedingt??
4.3.1. Biologische Grundlagen: Ausbildung des Geschlechts
4.3.1.1. Chromosomales Geschlecht und Geschlechterproportion
Der Mensch besitzt (im Normalfall) 46 Chromosomen, wobei jeweils 2 einem Paar
angehören. Nur ein Paarling unterscheidet sich bei Männern und Frauen: Männer haben als
Geschlechtschrom.paar XY, Frauen XX. Die restlichen 22 Chrom.paare sind bei Männern
und Frauen gleich.
Mit der Konzeption wird das chromosomale Gechlecht eines Menschen festgelegt. Bis zur
7.Woche entw. sich männl. und weibl. Embryonen gleichsinnig. Ist nun ein Y-Chrom.
vorhanden, so kommt es zur Ausschüttung von Testosteron (=> Ausbildung des männl.
Geschlechts) und der Müller´schen Hemmungssubstanz (=> Unterdrückung der Ausbildung
weibl. Geschl.organe). Ist aber kein Y-Chrom. vorhanden, oder das vorhandene defekt, so
entw. sich der Embryo weiblich.
Da Männer nur ein X-Chromosom besitzen, kann ein auf diesem liegender Defekt nicht durch
ein zweites, evtl. gesundes X-Chromosom, ausgeglichen werden. Daher erkranken sie
wesentl. häufiger an auf dem X-Chrom. liegenden Erbkrankheiten als Frauen (z.B.
Farbenblindheit)
Das Geburtenverhältnis ... ° müßte nach Spermienbildung eigentlich 1:1 sein
° beträgt lt. Statistik 106 männl. auf 100 weibl. Babys
4.3.1.2 Hormonale Prägung des Geschlechts
Es interessieren nicht die körperl. Effekte einer Hormonbehandlung, sondern um die
Auswirkungen aufs Verh..
Tierversuche: Kastration männl. Tiere führt bei diesen zu zyklischer Hormonproduktion und
weibl.
Sex.verh.; Behandlung von Weibchen mit männl. Hormonen führt zu
azyklischer
Hormonproduktion und zum Ausbleiben des Eisprungs
-> Effekte im soz. Verh. nicht zu übersehen: Zufuhr männl. Keimdrüsenhormone während
kritischer
Phasen führt später zu männl., ihr Fehlen zu weibl. Verh. <- relativ unabh. vom chrom.
Geschlecht
[Humanbereich: AGS (= Adreno-genitales Syndom): Überproduktion männl. Hormons führt bei Buben zu
Entw.störungen und bei Mädchen zur Ausbildung weiblicher primärer, aber männl. sekundärer
Geschlechtsmerkmale; AGS-Frauen und auch Frauen die mit männl. Hormonen behandelt wurden verh. sich eher
maskulin.]
=> Prägung oder Determination d. Gehirns durch männl.-Keimdrüsenhormone hat offenbar
weitreichende Konsequenzen auf das spätere Erleben und Verh.!
62
4.3.2. Zugeschriebenes und erlebtes Geschlecht, Erziehungsverh.
° Fakt. der Umw. und Erz. spielen wesentl. Rolle bei der Entw. des subj. Geschlechts und der
Übernahme einer Geschlechterrolle [exemplarischer Fall: Einer eines EZ-Paares wurde mit 21 Monaten
kastriert ->
chirurg. Anlage weibl. Geschlechtsorgane, Hormonbehandl. => Entw. als Mädchen; aber: keine Langzeitbeob.;
Money &
Tucker, 1975)
° ab ca. 3 Jahre: geschlechtsspez. Präferenzentscheidung bzgl. Spielzeug, Verh.diff. (z.B.
größere
motor. Aktivität bei Jungs => evtl. mehr Körperkraft, Dominanz, Aggr., ....)
Ursachen: spez. Sozialisationseinflüsse (deren Vermittlung je nach Th. anders erklärt wird:
Ident. mit
dem gleichgeschlechtl. Elternteil (Psychoanalyse), Imitation und Modellernen,
begünstigt
durch entsprechende Verstärkung von seiten der Erwachsenen (soz. Lernth.))
<- Sozialisationsth. bisher kaum emp. bestätigt (z.B. bzgl. Aggr.) und auch biol.
Einflußgrößen sind wahrscheinl.
° wichtig für die Ausbildung geschlechtspez. Verh.: Beob. der Interaktion
verschiedengeschlechtl.
Erwachsener; Interaktion mit gleich- und gg.geschlechtl. Geschwistern (z.B. Buben mit
älteren
Brüdern sind i.d. Regel maskuliner als jene mit älteren Schwestern) -> es ex. aber kein
Nachweis
dafür, daß sich die Interaktion mit gg.geschlechtl. Geschwistern über Lernerfahrungen auf
Interaktionen außerhalb der Fam. niederschlägt!
4.4. Physische Attraktivität
4.4.1. Sozialpsy. Grundlagen
Attraktivität ist ... ° v.a. bei Frauen ein als besonders wichtig erachtetes Merkmal
° eine beurteilerabh. Größe
° aber über Rater ausreichend stabil
° weniger von Pers.merkmalen des Beurteilten als vielmehr vom Beurteiler
abh.
° it ausschlaggebend bei der Eigenschaftszuschreibung
es ex. Untersuchungen mit: vorgelegten Fotos, Unterschiede i.d. Behandlung von untersch.
attraktiven Schülern durch den Lehrer, ...
4.4.2. Diff.psy. Implikationen
untersch. Attraktivität => Umw. reagiert darauf, stellt best. Erwartungen / Stereotype =>
Ausbildung von Verh.untersch. => signifikante Korr. von Attr. mit Pers.merkmalen
(hapiness, neuroticism, self-esteem) v.a. bei Frauen (evtl. da Attr. für sie wichtiger ist) <-
diese Ergebnisse sind z.T. nicht gesichert
aber: ins Urteil d. phys. Attr. fließt auch ein was man schon über jene Person weiß
=> Bekannte und Verwandte können gar kein "obj." Urteil abgeben
4.4.3. Diskussion
° Untersuchungsprobleme: * z.T. unzureichende Versuchsplanung
* präzise Def. von phys. Stabilität fehlt
63
* ausreichende zeitl. Stabilität und intersituative Konsistenz
fraglich
° Bei den Personen, die als attraktiv oder nicht-attraktiv gelten, wird Verh. hervorgerufen, das
dem
Inhalt des Stereotyps entspricht.
° Frage: Warum orientieren wir uns bei der Bewertung eines anderen an seiner Attr.?
Evtl. aufgrund des Glauben an eine gerechte Welt?
5. AUSWIRKUNGEN INTERINDIV. DIFF.
5.1. Aufklärung von Verh.varianzen, allg. Überlegungen, Abriß versch. Positionen
Alltagserfahrungen => Verh.untersch. hängen von situativen und pers.spez. Bedingungen ab
Positionen: ° Situationismus (jegl. Verh. wird über Unterschiede der situat. Bedingungen
erklärt)
° Dispositionsmus (= Personalismus: interindiv. Verh.unterschiede werden über
Eigenschaften / Traits erklärt)
-> über diese beiden Positionen ist aber nur ein kleiner Teil der Gesamtvarianz erklärbar
=> größter Teil der Gesamtvarianz geht wahrscheinlich auf Wechselwirkungen zw. Situation
und
Persönlichkeit zurück (= Position des Interaktionismus)
5.2. Personalismus / Dispositionismus
5.2.1. Ansatz und Befunde
° Aufklärung = Rückführung indiv. Untersch. in einem Bereich des Verh. auf solche in einem
anderen
Weg: Nachweis von Korr. => Vorhersagbarkeit (wenn Einflußgrößen über die Zeit konstant
sind): Vorher-
sagen beruhen auf Verallgemeinerungen in längsschnittl. (zeitl. Stabilität) und querschn.
Hinsicht
(intersituative Konsistenz)!
° Alltagsverständnis ist dispositionell (Ann. von stabilen Eigenschaften) und personalistisch
(Ann. über
Organisation der Pers. und des Verh.)
° Kriterium der Rel. ist bei den meisten gebräuchlichen Testverfahren hinreichend erfüllt.
(meistens
sogar über längere Zeiträume); Aus den ermittelten Korr.koeff. kann die Stabilität (auch bei
Veränderung der Mittelwerte bzgl. Intell.) nachgewiesen werden; sie dienen oft auch zur
Binnen-
validierung (neuer Test wird an bereits ex. Verfahren validiert).
° Es kann von der Invarianz gebräuchlicher Leistungs- und Pers.fakt. über versch. Popul.
ausgegangen
werden. Kriterium der Vorhersage von Verh. weniger erfüllt (d.h. mangelnde Konsistenz
und Val.).
° diff. zw. Leistungs- (LB) und Pers.bereich (PB) notw.: Vorhersage des Verh. aus den
Resultaten standardisierter Tests gelingt im LB besser als im PB [z.B. im LB: r= .50 von IQ (7-
8a) und
späterer Berufstätigkeit (McCall, 1977); im PB: Korr. kaum größer als .30 bis .35 (Mischel, 1968), höchste
Überein-
stimmungen bei Interessenskalen]
° Untersuchungen zur Prüfung der Konsistenz: Bsp.:
64
* Newcomb (1929): n=51 Jungs im Sommerlager, Beob. des Verh. über mehrere Wochen
hinweg,
aber: innerhalb der Traits korr. die Verh.weisen zu durchschn. .14 (zuwenig!)
* Hartshorne & May (1928): n=850 Kids in 23 Sit. i.d. Klasse, sportl. Wettkämpfe, Parties,
zuhause
beobachtet, ob sie logen, stohlen, betrogen => Konsistenzkoeff. nur bei durchschn. .13
(zuwenig!)
5.2.2. Diskussion
Viele Untersuchungen (wie vor) gelangten zur Ansicht, daß bzgl. der untersuchten
Eigenschaften, die Ann. breit generalisierter Traits ungerechtfertigt sei. aber: Reanalysen,
Neubewertungen, andere Auswertungsverf. des vorliegenden Materials => geringe
Konsistenz und Val.koeff. wurden fälschl. ermittelt => die vorliegenden Unters. sind kein
Beleg für die Untauglichkeit des Traitansatzes
5.3. "Situationismus" und "Interaktionismus"
5.3.1. Ansatz und Befunde
durchschn. .30 ist ein zu geringer Koeff. für Konsistenz und Val. => Mischel (1968): Verh.
sei vorwiegend sit.spez., interindiv. Diff. durch untersch. Lernerfahrungen, Stabilität durch
hinreichende Kontingenz von Reakt. und Bekräftigung, Konsistenz aus der Breite der Reiz-
und Reakt.gradienten
Beobachtung: Beurteiler attribuieren eher dispositionell, Handelnde selbst eher situationell
(actor-observer-bias) => Konsistenz bestehe eher i.d. Wahrnehmung und
Urteilen der
Beobachter, weniger i.d. Handlungen der Beobachteten
=> diese Beob. regte viele weitere Forschungen an, z.B. Bowman (1979): externe Beurteiler
registrierten angebl. Pers.veränderungen eher, wenn sich das Aussehen der zu
Beurteilenden
verändert hatten, d.h. Zuschreibung von psy. Konsistenz auch stark abh. von Konstanz des
Äußeren
varianzanalyt. Studien => * nur geringe sit. Varianz
* hohe Interaktionsvarianz zw. Sit. und Personen
(Interaktionismus)
5.3.2. Diskussion
° Interaktionismus (statistischer) zeigt keine neue Varianz auf, denn die Diff. Psy.
berücksichtigt schon
immer diese Wechselwirkungen.
° grundsätzl. Problem (auch der Trait-Theoretiker): bisher noch keine zureichende
Verknüpfung zw.
Verh. und Absichten des Betreffenden (dies ist ein Problem, denn auf strikt ver.orientierter
Ebene ist
die Aussicht gering Konsistenz zu beobachten!)
5.4. Verbesserung der Vorhersage
65
Will man herkömml., auf Trait-Th. beruhende Testverfahren beibehalten, so ex.
Verbesserungs-möglichkeit der Vorhersage und der Varianzaufklärung von
Verh.unterschieden:
a) Konsistenzkoeff.: bereits durch post-hoc-Untersuchungen und Neuberechnungen in
befriedigender
Höhe => diese Problematik ist weniger dramatisch als sie von Mischel dargestellt wurde
b) Val.verbesserungen durch folgende Maßnahmen:
1. Aggregation von Daten (z.B. durch Mittelung über mehrere Beob.gelegenheiten
und/oder exp.
realisierte Bedingungen) [zur Erhöhung der Stabilität des vorherzusagenden Verh.]
2. Bereitstellung bzw. Vorhersage von "Multiple" anstelle von "Single"-Act-Criteria v.a.
über
Bereitstellung breiterer Verh.- und /oder Personenstichproben [z.B. im AFA z.T. verwirklicht]
3. Beschränkung der Vorhersage auf Sit. von pers.psy. Relevanz => nur Verwendung von
schwach
oder uneindeutig strukturierten, für versch. Indiv. untersch. Bedeutung aufweisenden
Sit. [denn:
viele Sit. schränken die Varianz der Handlungsmöglichkeiten stark ein bspw. über Normierung (Ampel,
Kirche, ...)]
4. Erfassung der subj. Besonderheiten bei der Wahrnehmung und Verarb. der Info. über
die
Beschaffenheit der Umw. [denn: gleiche Sit.merkmale können interindiv. versch. aufgenommen und
interpretiert
werden und die Konsistenz kann auch durch die spez. Deutung externer Stimuli bedingt sein]
5. Herstellung von Bedingungen, unter denen die Pb bei der Bearb. von Pers.tests
genügend über
sich nachdenken, bevor sie über sich berichten
6. Identifikation von Personengruppen mit besonders hoher Vorhersagbarkeit innerhalb
einer geg.
Gesamtstichprobe
* z.B. Bem (1972) zur soz. Erwünschtheit: umso höher SE-Tendenz, umso mehr wird
das Verh.
an einer best. Selbstdarstellung ausgerichtet und kontrolliert, d.h. Sit.bedingungen
werden
weniger berücksichtigt => umso höher die SE-Tendenz, umso besser ist das Verh. in
Sit.
vorhersagbar => SE ist Moderatorvariable (d.h. sie trennt Stichproben in
Untergruppen)
* weitere Moderatorvariablen:
# Selfmonitoring (Sensitivität für Ausdruck und Selbstdarstellung anderer in soz.
Sit. ->
Ableitung von Hinweisen zur Gestaltung des eigenen Soz.verh., d.h. Personen mit
hohen
Werten in dieser Dim. müßten eine höhere situativ-bedingte Verh.variabilität
aufweisen)
# Privat- / Public-Self-Consciousness (ersteres ist eine Dim. der Reflexion eigener
Gedanken,
Gefühle und Motive, 2teres eine Dim. des Bewußtseins von d. eigenen Person als
soz. Obj.)
emp. Befunde sprechen für die Notwendigkeit der Unterscheidung "trait-like" / "trait-free";
aktuell als Metatrait bezeichnet: Dim. dafür, inwieweit eine Person überhaupt einem best.
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Trait oder einer Traitstruktur unterliegt (=> Personen ohne Metatrait sind schlechter
prognostizierbar)
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