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					               Medikamente im Alter
               Polypharmazie und Psychopharmaka
                        – Ein Überblick

                     Dr. med. Christoph Mai
                           Chefarzt

                   Fachkliniken Nordfriesland gGmbH
                   Krankenhausweg 3 25821 Bredstedt




www.fklnf.de
Medikamente im Alter?




   Wo liegt das Problem?
             Medikamente im Alter: Wo liegt das Problem?

Werder und Preskorn (2003): Die Personen >= 65 Jahre sind in den
   USA ca. 15% der Bevölkerung:

    •   Sie erhalten 33% der verschriebenen Medikamente

    •   Kosten: ca. 3 Milliarden US-Dollar jährlich

    •   Sie kaufen zusätzlich 40% der nicht-
        verschreibungspflichtigen Medikamente

    •   Die durchschnittliche Anzahl der verschriebenen
        Medikamente ist 3-5 pro Person

    •   Nicht gezählt dabei sind nicht verschreibungspflichtige
        Medikamente oder Kräuterzubereitungen

    •   Prävalenz der Polypharmazie (d.h. >= 5 verschreibungspfl.
        Medikamente gleichzeitig) in den USA:    ca. 7%
             Medikamente im Alter: Wo liegt das Problem?


Polypharmazie bei >= 65 Jährigen (>= 5 verschreibungspflichtige
    Medikamente): Nach Analyse von Patienten-Datenbanken:


Veehof et al. 2000:      4% , n=1544 (Niederlande)
                         (69%: 2-4 Medikamente)
Jörgensen et al. 2001:   39%, n=4642 (Schweden)
Kaufmann et al. 2002:    23% der Frauen: >= 5 Medikamente (USA)
                         12% der Frauen: >= 10 Medikamente
Hansen et al. 2008:      29,8% >= 5 Medikamente (Deutschland)
                         4,2 % >= 9 Medikamente
                           Medikamente im Alter: Wo liegt das Problem?

                  Der Anteil der über 60-Jährigen in unserer deutschen Gesellschaft
                  liegt bei ca. 25%.

                  Das sind rund 21 Mio. Frauen und Männer.

                  Die Prävalenz der Einnahme von mindestens einem
                  Psychopharmakon oder Schmerzmittel liegt bei > 20%.

                  Das sind rund 4,2 Mio. Frauen und Männer.

                  Die Prävalenz des problematischen Konsums von Medikamenten
                  liegt bei ca. 8%.

                  Das sind rund 1,7 Mio. Frauen und Männer

                  Die Prävalenz der Einnahme von Schlaf- oder Beruhigungsmitteln
                  liegt bei > 5%

                  Das sind rund 1 Mio. Frauen und Männer.
Quelle: DHS - http://www.unabhaengig-im-alter.de/web/zahlenfakten/index.htm
              Medikamente im Alter: Wo liegt das Problem?

         Was ist ein problematischer Konsum von Medikamenten?

         Nach dem „Kurzfragebogen für Medikamentengebrauch (KFM)“
         (Watzl et al., 1991):

1. Ohne Medikamente kann ich schlechter schlafen
2. Ich habe mir sicherheitshalber schon einmal einen kleinen Tablettenvorrat angelegt
3. Zeitweilig möchte ich mich von allem zurückziehen
4. Es gibt Situationen, die schaffe ich ohne Medikamente nicht
5. Andere glauben, dass ich Probleme mit Medikamenten habe
6. Die Wirkung meiner Medikamente ist nicht mehr so wie am Anfang
7. Weil ich Schmerzen habe, nehme ich oft Medikamente
8. In Zeiten erhöhter Medikamenteneinnahme habe ich weniger gegessen
9. Ich fühle mich ohne Medikamente nicht wohl
10. Manchmal war ich selbst erstaunt, wie viele Tabletten ich an einem Tag eingenommen
habe
11. Mit Medikamenten fühle ich mich oft leistungsfähiger


Antwortkategorien: (1) nein, trifft nicht zu; (2) ja, in den letzten 12 Monaten; (3) ja, aber
vor mehr als 12 Monaten (Cut off >= 4 positive Antworten)
                            Prävalenzen des problematischen
                  Medikamentengebrauchs in Deutschland nach Altersklasse


                            2000: Abhängigkeit nach DSM-IV
       15,0%
                            2000: Medikamente, problem. Gebrauch (nach KFM>=4 Punkte)

                            2006: Medikamente, problem. Gebrauch (nach KFM>=4 Punkte)
       12,0%


                                                                                                  ergänzt: nach
         9,0%                                                                                   Angaben der DHS
                                                                                                     (2010)



         6,0%



         3,0%

                                                                                         ?
         0,0%
                    25-29            30-39              40-49             50-59         >=60
                                                     Altersklasse


Quelle: Kraus et al. Epidemiologischer Suchtsurvey 2000 und 2006, KFM= Kurzfragebogen zum Medikamentengebrauch
Medikamente im Alter: Wo liegt das Problem?

           Zu viele, zu oft, zu lange…..
                  Medikamente im Alter: Risiken

•   Larsen und Martin (1999): 20-25% aller Krankenhauseinweisungen in den
    USA bei den >=65 Jährigen sind auf unerwünschte Nebenwirkungen von
    Medikamenten zurückzuführen
•   Loya et al. (2009): 46,2% der >=65 Jährigen nehmen
    Medikamentenkombinationen, die unerwünscht interagieren
•   Hartikainen et al. (2007): Erhöhtes Risiko für Stürze und Knochenbrüche
    durch Benzodiazepine, Antidepressiva und Antipsychotika in >=60
    Jährigen
•   Haefeli (2005): Häufige Nebenwirkungen bei >=65 Jährigen:
    Blutdruckschwankungen, Schwindel, Verwirrungszustände, Obstipation,
    Blutzuckerschwankungen, Arrhythmien u.a.m.
•   Hansen et a. (2008): 4,2% von n=1427 von >65 Jährigen erhalten >=9
    Medikamente, dabei im Durchschnitt 2,2 schwere oder mittelschwere
    Wechselwirkungen pro Person.
                 Medikamente im Alter: Risiken

•   Veränderte Pharmakokinetik und Pharmakodynamik durch das Alter:
    Gefahr von Überdosierungen bei Verringerung der Leber- und
        Nierenfunktion. Beschrieben in Studien wird meist: Deutlich weniger
        Wirkstoff ist für denselben Effekt erforderlich (längerer Verbleib der
        Wirkstoffe im Körper).
•   Interaktionen mehrerer Wirkstoffe
•   Unerwünschte Nebenwirkungen
•   Gefahr der Abhängigkeit, auch der nicht
    bewussten Abhängigkeit, Gefahr des unbeabsichtigten Entzugs
•   Sturz- und Frakturgefahr, insbes. bei
    Psychopharmaka
                           Exkurs Psychopharmaka

Was sind Psychopharmaka?
Psychopharmaka ist eine Sammelbezeichnung für chemisch
    verschiedenartige Arzneimittel, die die Aktivität des
    Zentralnervensystems beeinflussen und auf psychische Funktionen wie
    Stimmung, Affektivität und Emotionalität wirken.


Es werden folgende Gruppen
   von Psychopharmaka unterschieden:
•   Antidepressiva
•   Neuroleptika
•   Schlafmittel und Beruhigungsmittel
•   Sonstige (z.B. Phasenprophylaktika, Mittel zur
    Suchtbehandlung, Antidementiva, Stimulanzien)
                      Exkurs Psychopharmaka

Antidepressiva
wirksam gegen Depressionen, Angst-, Zwangs- und Essstörungen
sowie gegen Schmerzen (kombinierte Schmerztherapie):

1. Substanzen mit eher stimulierender Wirkung:
    •   Trizyklische Antidepressiva (TZA):
        z.B. Desipramin (Pertofran®), Nortriptylin (Nortrilen®),Imipramin
        (Tofranil®), Clomipramin (Anafranil®)
    •   Neuere Antidepressiva (SSRI = Selektive
        Serotoninwiederaufnahmehemmer u. a.):
        z.B. Fluoxetin (Fluctin®), Fluvoxamin (Fevarin®),Paroxetin
        (Seroxat®/Tagonis®), Citalopram (Cipramil®), Venlafaxin (Trevilor®),
        Duloxetin (Cymbalta®), Bupropion (Elontril®)
    •   MAO-Hemmer: Moclobemid (Aurorix®)
                      Exkurs Psychopharmaka

Antidepressiva
wirksam gegen Depressionen, Angst-, Zwangs- und Essstörungen
sowie gegen Schmerzen (kombinierte Schmerztherapie):

2. Substanzen mit dämpfender Wirkung:
    •   Trizyklische Antidepressiva (TZA):
        Amitriptylin (Saroten®), Amitriptylinoxid (Equilibrin®), Doxepin (Aponal®)
    •   Andere klassische Antidepressiva:
        z.B. Maprotilin (Ludiomil®), Mianserin (Tolvin®)
    •   Neuere Antidepressiva:
        z.B. Mirtazapin (Remergil®)
                      Exkurs Psychopharmaka

Antidepressiva:
Wirkweise:
Trizyklische Antidepressiva (TZA)

    Hemmung der Wiederaufnahme von Serotonin und/oder Noradrenalin aus
    dem synaptischen Spalt (Verlängerung der Wirkung des Serotonins).


Neuere Antidepressiva:

    Greifen nur in bestimmte Übertragungssysteme ein und weisen daher i. d. R.
    weniger Nebenwirkungen auf. Am häufigsten werden selektive Serotonin-
    Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) eingesetzt, z.B. bei Panikattacken oder
    Angststörungen.
                    Exkurs Psychopharmaka: Synapsen und
                             Neurotransmitter (1)




   Problem:
   Unter- oder
Überaktivität von
Psychopharmaka
an den Synapsen
 und zahlreiche
Nebenwirkungen
    durch die
 Beeinflussung
     weiterer
  Rezeptoren.
                      Exkurs Psychopharmaka

Antidepressiva:
(Haupt-) Nebenwirkungen:
Trizyklische Antidepressiva (TZA)

    Nebenwirkungen durch die Bindung an serotoninerge, adrenerge, cholinerge
    und histaminerge Rezeptoren. Dadurch zahlreiche Nebenwirkungen wie
    Mundtrockenheit, Sehstörungen, Kreislaufstörungen und
    Herzrhythmusstörungen (Stichwort „anticholinerges Syndrom“). Trizyklika
    werden heute seltener eingesetzt.


Neuere Antidepressiva:

    Greifen nur in bestimmte Übertragungssysteme ein und weisen daher i. d. R.
    weniger Nebenwirkungen auf.
    Häufige Nebenwirkung sind Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und
    Durchfall. Weitere Nebenwirkungen können erhöhte Selbstmordgefährdung
    und aggressives Verhalten sein.
                      Exkurs Psychopharmaka

Antidepressiva:
Suchtpotential
Antidepressiva machen nicht körperlich abhängig. Weiterhin tritt kein
     Gewöhnungseffekt mit Dosissteigerungen auf.
Es treten nach dem Absetzen keine Entzugssymptome auf.
Allerdings bewirken die A. lediglich ein
     Überdecken der Symptome und keine
     direkte Heilung. Daher kann nach dem
     Absetzen die alte Symptomatik
     wieder auftreten.
                        Exkurs Psychopharmaka


Neuroleptika
Verringern die Symptome von psychotischen Störungen.


1.   Trizyklische Neuroleptika:

     z.B. Haloperidol (Haldol®), Melperon (Eunerpan®), Levomepromazin
     (Neurocil), Flupentixol (Fluanxol®)


2.   Atypische Neuroleptika:

     z.B. Clozapin (Leponex®/Elcrit®), Zotepin (Nipolept®), Risperidon
     (Risperdal®), Olanzapin (Zyprexa®), Sulpirid (Dogmatil®)
                        Exkurs Psychopharmaka

Neuroleptika:
Wirkweise und (Haupt-)Nebenwirkungen:
Neuroleptika:
Verringern die Symptome von Psychosen/ Schizophrenien, indem sie die
     Übertragung von Informationen zwischen bestimmten Gehirnzellen durch
     Hemmung der Übertragung des Botenstoffes Dopamin blockieren.
Typische Nebenwirkungen sind u. a. Zittern, (Gesichts-) Zuckungen, unwillkürliche
     Bewegungen, Benommenheit, Sedierung, Verstärkung depressiver
     Verstimmungen.
Weitere unerwünschte Wirkungen bestehen im Bereich von Stoffwechselstörungen
    (Gewichtszunahme, Bluthochdruck, Arteriosklerose), vegetativen Störungen /
    Kreislaufstörungen, sexueller Störungen und Hautveränderungen.


Atypische Neuroleptika:
Werden seit ca. 1990 zunehmend eingesetzt und haben weniger typische
    Nebenwirkungen als die klassischen Neuroleptika.
      Exkurs
 Psychopharmaka:
  Synapsen und
Neurotransmitter (2)
                      Exkurs Psychopharmaka

Neuroleptika:
Suchtpotential
Neuroleptika machen nicht körperlich abhängig. Weiterhin tritt kein
    Gewöhnungseffekt mit Dosissteigerungen auf.
Es treten nach dem Absetzen kein Entzugssymptome auf.
Allerdings bewirken die N. lediglich ein Überdecken der Symptome und keine
     direkte Heilung. Daher kann nach dem Absetzen die alte Symptomatik
     wieder auftreten.
                        Exkurs Psychopharmaka

Tranquilizer und Hypnotika
          = Beruhigungs- und Schlafmittel:
Hier werden Psychopharmaka zusammengefasst, die angstlösend
     (anxiolytisch) und entspannend (sedierend) wirken.


1.   Benzodiazepine
     z.B. Oxazepam (Adumbran®), Lorazepam (Tavor®), Diazepam (Valium®),
     Chlordiazepoxid (Librium®), Clobazam (Frisium®), Bromazepam (Lexotanil®)

2.   Nicht-Benzodiazepine (v.a. Schlafmittel)
     z.B. Zolpidem (Stilnox®), Zaleplon (Sonata®), Clometiazol (Distraneurin®),
     Chloralhydrat (Chloraldurat®), Diphenhydramin (Betadorm®)

3.   Pflanzliche Beruhigungs- und Schlafmittel
     z.B. Hopfen, Melisse, Baldrian
                           Exkurs Psychopharmaka

Beruhigungs- und Schlafmittel (Sedativa): :
   Wirkweise und Nebenwirkungen der Benzodiazepine
   Sie vermitteln ihre Wirkung dadurch, dass sie modulierend auf
        die Bindungsstelle des Neurotransmitters GABA wirken. Dadurch wird die
        Wirksamkeit der hemmend wirkenden GABA verstärkt, was wiederum zu einer
        geringeren Erregbarkeit führt.
   Wirkungen der Benzodiazepine:
   • lösen Angst und Spannungen
   • sedieren und fördern („erzwingen“) Schlaf
   • wirken gegen epileptische Krampfanfälle
   • senken den Muskeltonus
   Aber: Sie beeinträchtigen die Fahrtüchtigkeit, wirken
        atemdepressiv, und bewirken z.T. Erinnerungslücken.
        Die Wirkung wird durch Alkohol und Opioide verstärkt.
                       Exkurs Psychopharmaka

Benzodiazepine: Suchtpotential

Es besteht ein klares Abhängigkeitspotential nach 8 Wochen Einnahme in
    therapeutischen Dosen (im Tierversuch schon nach 1 Woche bei
    Maximaldosen)
In der Regel wird empfohlen, eine Einnahmedauer von 4 Wochen nicht zu
     überschreiten, um die Gefahr einer Abhängigkeitsentwicklung zu minimieren.
Bei abruptem Absetzen bei Abhängigkeit besteht die Gefahr einer gefährlichen
     Entzugssymptomatik (u.a. Krampfanfälle).
Bei gleichzeitiger Einnahme von Opioiden wird das Suchtpotential gegenseitig
     verstärkt.
                          Exkurs Psychopharmaka

Wirkweise der Nicht-Benzodiazepine:
Nicht-Benzodiazepin-Agonisten unterscheiden sich von den Benzodiazepinen
    strukturell, haben aber ein ähnliches Wirkprofil.
Die muskelentspannende und krampflösende Wirkung ist im Vergleich zu den
     Benzodiazepinen niedriger. Sie wirken schlaffördernd, aber nicht angstlösend.
Nebenwirkungen umfassen Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit und Nervosität.


Antihistaminika: Diese Medikamentengruppe wird normalerweise zur Behandlung
     von Allergien eingesetzt. Sie wirken als Histamin-Rezeptorblocker. Einige
     dieser Substanzen der älteren Generation haben eine schlaf-anstoßende,
     "müde-machende" Wirkung.
Ihre Wirkung tritt langsam ein (1-3 Stunden). Die Wirkdauer ist mittellang, so dass
     es zu Überhangeffekten am Tage kommen kann (Beeinträchtigung des
     Reaktionsvermögens z.B. beim Autofahren!). Nebenwirkungen kommen durch
     die Wirkung an weiteren Rezeptoren zustande (anticholinerg) und sind u.a.:
     Mundtrockenheit, Verstopfung, Beschwerden bei der Blasenentleerung,
     Sehstörungen, Benommenheit am Tage.
                          Exkurs Psychopharmaka


Suchtpotential der Nicht-Benzodiazepine:

Nicht-Benzodiazepin-Agonisten:
Auch bei diesen Substanzen kommen Missbrauch und Abhängigkeit vor, allerdings
    ist das Sucht-Risiko geringer als unter Benzodiazepinen. Insbesondere
    Patienten mit einer Suchtvorgeschichte (z.B. Benzodiazpine!) können auch
    eine Abhängigkeit gegenüber Nicht-Benzodizepinen entwickeln
    (Kontraindikation).


Antihistaminika:
Bei längerem Gebrauch kommt es nach klinischen Beobachtungen zu
      Wirkungsverlust bzw. Gewöhnungseffekten. Ein Abhängigkeitspotential wird
      diskutiert.
                  Zusammenfassung Exkurs Psychopharmaka

Antidepressiva:          Neuroleptika:            Beruhigungs- und
                                                  Schlafmittel:
• wirken an              • wirken an
Übertragungsorten von    Übertragungsorten von    • wirken an Übertragungsorten
Neurotransmittern        Neurotransmittern        von Neurotransmittern
• Nicht suchterzeugend   • Nicht suchterzeugend   • z.T. stark suchterzeugend
• z.T. deutliche         • z.T. deutliche         • z.T. starke
Nebenwirkungen           Nebenwirkungen           Entzugssymptome nach
(cholinerges Syndrom)    (Dopaminmangel)          Absetzen
• Symptome der           • Symptome der           • z.T. deutliche
Grunderkrankung          Grunderkrankung          Nebenwirkungen
können nach dem          können nach dem
                                                  • Symptome der
Absetzen wieder          Absetzen wieder
                                                  Grunderkrankung können
auftreten                auftreten
                                                  nach dem Absetzen wieder
                                                  auftreten
                                Risikofaktor Heimunterbringung:

                 Verordnungen von Psychopharmaka bei Pflegeheimbewohnern im Vergleich mit
                           ambulant versorgten Personen mit und ohne Pflegestufe
50,0%
                      12-Monatsprävalenz Neuroleptika

40,0%                 12-Monatsprävalenz Antidepressiva

                      12-Monatsprävalenz Sedativa/ Hypnotika

30,0%


20,0%


10,0%


 0,0%
          Ambulant, keine Pflegestufe (AK)        Ambulant, Pflegestufe (AP)        Heimbewohner mit Pflegestufe
                                                                                              (HP)




Quelle: Hach et al. (2004), n=3592 (BKK-Daten: Verordnungen, alters- und geschlechtsstand.)
                                   Risikofaktor Heimunterbringung:
                                 Verordnungen sedierender Medikation

          60,0%
                         Ambulant, Pflegestufe (AP)                      Sedierende Medikation
          50,0%          Heimbewohner mit Pflegestufe (HP)


          40,0%


          30,0%


          20,0%


          10,0%


           0,0%
                          Pflegestufe I                Pflegestufe II               Pflegestufe III




Quelle: Hach et al. (2004), n=3592 (BKK-Daten: Verordnungen, alters- und geschlechtsstand.)
Und die Folgen?
              Psychopharmaka im Alter: Risiken

•   Veränderte Pharmakokinetik und Pharmakodynamik durch das Alter:
    Gefahr von Überdosierungen (längerer Verbleib der Wirkstoffe im Körper)
•   Anfälligkeit für „Anticholinerges Syndrom“ im Alter: Verwirrung,
    Halluzinationen und zentrale Erregung
•   Interaktionen mit anderen Medikamenten: z.B. Interaktionen von
    Psychopharmaka mit den für Herz und Kreislauf verschriebenen
    Medikamenten (und anders herum: z.B. ACE-Hemmer hemmen die
    Ausscheidung von Lithium)
•   Gefahr der Abgängigkeit
•   Sturz- und Frakturgefahr aufgrund der hemmenden Wirkungen von
    P. (orthostatische Hypotonie)
•   Gefahr des unkontrollierten Entzuges bei „Nichtbewusstsein“ einer
    Abhängigkeit: z.B. von Benzodiazepinen (z.B. Krankenhausaufenthalt
    nach Sturz).
                  Fazit: Medikamente im Alter:
                   Wo liegen die Probleme?



                 Polypharmazie



 Unerwünschte       Oder:           Psychopharmaka
Nebenwirkungen      Zu viele
                    zu oft
                    zu lange….


      Gefahr der              problematischer
    Überdosierung                Gebrauch
             Exkurs: S3-Leitlinie Demenz
        Pharmakologische Therapie bei Demenz

• Acetylcholinesterase-Hemmer (Donepezil Aricept/Memac,
  Galantamin Reminyl, Rivastigmin Exelon/Prometax) sind wirksam
  (Kognition, Alltagskompetenz) und empfohlen bei leichter bis
  mittelschwerer Alzheimer-Demenz.

• Höchstverträgliche Dosis, Auswahl am Nebenwirkungs- und
  Wechselwirkungsprofil.

• Bei Zweifel an günstigem Verhältnis zwischen Nutzen und
  unerwünschten Wirkungen Absetzversuch, eventuell Umsetzen
  auf anderen Acetylcholinesterase-Hemmer.
             Exkurs: S3-Leitlinie Demenz
        Pharmakologische Therapie bei Demenz

• Der nichtkompetitive NMDA-Antagonist Memantin Axura/Ebixa
  wird bei moderater bis schwerer Alzheimer-Demenz empfohlen.

• Eine Kombination von Acetylcholinesterase-Hemmer und
  Memantin bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer Demenz ist
  der Monotherapie mit Acetylcholinesterase-Hemmer nicht
  überlegen und wird nicht empfohlen.

• Eine Add-on-Behandlung von Donepezil-behandelten schwer
  Alzheimer-Kranken mit Memantin kann erwogen weren (Off-
  label von Donepezil!)
             Exkurs: S3-Leitlinie Demenz
        Pharmakologische Therapie bei Demenz

• Für vaskuläre Demenz existiert keine zugelassene und keine
  evidenzbelegte medikamentöse Therapie. Im Einzelfall kann
  eine Behandlung mit Memantin oder
  Acetylcholinesterasehemmer erwogen werden.

• Gemischte Demenz soll nach den Grundsätzen der Alzheimer-
  Demenz mediziert werden.

• Rivastigmin Exelon/Prometax ist wirksam und empfohlen zur
  Behandlung der Demenz bei Morbus Parkinson

• Für Lewy-Körperchen-Demenz existiert keine zugelassene oder
  ausreichend belegte Medikation, ein Versuch mit Rivastigmin
  bei Verhaltenssymptomen kann erwogen werden
              Exkurs: S3-Leitlinie Demenz
          Generelle Prinzipien bei psychotroper
                       Medikation

• Medikamente mit anticholinerger Wirkung vermeiden
  (Acetylcholin-Mangel bei Demenz! Cave Delir!)

• Medikamente mit sedierender Wirkung minimieren
  (Sturzgefahr!)

• Höchste Sorgfalt bei Auswahl und Dosierung

• Medikamenten-Interaktionen beachten
                  Exkurs: S3-Leitlinie Demenz
              Generelle Aspekte der Antipsychotika-
                          Behandlung

• Erhöhtes Mortalitätsrisiko durch Antipsychotika

• Erhöhte Gefahr zerebrovaskulärer Ereignisse

• Bei längerer Behandlung keine Überlegenheit bzgl. psychischer
  und Verhaltenssymptome gegenüber Plazebo

• Fazit: Über Risiken aufklären, geringstmögliche Dosis,
  möglichst kurzer Behandlungszeitraum, engmaschige
  Verlaufskontrolle
                    Exkurs: S3-Leitlinie Demenz
               Generelle Aspekte bei Benzodiazepinen


• Negativer Einfluss auf Kognition

• Erhöhte Sturzgefahr

• Paradoxe Reaktion

• Abhängigkeitspotenzial

• Bei abruptem Absetzen Gefahr des Delirs

• Wenn überhaupt: Substanzen mit kurzer Halbwertszeit (cave
  Diazepam!)
                    Exkurs: S3-Leitlinie Demenz
                Empfehlungen zur symptomorientierten
                    medikamentösen Behandlung

•   Antidepressiva sind wirksam und werden empfohlen; keine Trizyklika!

•   Keine Empfehlung zur Behandlung von Angst

•   Risperidon zur Behandlung von Agitation und Aggressivität wirksam,
    Aripiprazol ebenfalls

•   Haloperidol zur Behandlung von Aggressivität schwächer wirksam,
    aber nicht wirksam bei Agitation

•   Olanzapin nicht empfohlen, bei unsicherer Wirkung auf Aggressivität
    und Agitation, aber anticholinergem Profil

•   Carbamazepin bei Aggressivität und Agitation wirksam

•   Schwache Evidenz für Wirksamkeit von Citalopram bei Agitation
                    Exkurs: S3-Leitlinie Demenz
                Empfehlungen zur symptomorientierten
                    medikamentösen Behandlung

•   Keine Empfehlung zur Medikation bei Euphorie

•   Risperidon bei gesteigerter Psychomotorik wirksam (Off-label);
    eventuell Versuch bei hohem Leidensdruck des Erkrankten, bei
    Gefährdung

•   Die günstige Wirkung von Risperidon auf psychotische Symptome
    (Halluzination, Wahn) ist belegt; andere atypische Antipsychotika sind
    nicht evident wirksam; Haloperidol ist wirksam, aber schlechter
    verträglich (EPM); Empfehlung: 0,5-2 mg Risperidon

•   Keine Behandlungsempfehlungen zur Behandlung von Apathie,
    Schlafstörungen, Appetit- und Essstörungen
  Ich danke für Ihre
  Aufmerksamkeit!




  Fachkliniken Nordfriesland GmbH
Krankenhausweg 3 25821 Bredstedt
            www.fklnf.de

				
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posted:12/3/2011
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