Alte Menschen by huanghengdong

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									Gerontologie-
Psychologie des Alters


   1) Begriffsklärung „Gerontologie“

    Gerontologie heißt Alterskunde (etwa ab dem 60. Lebensjahr)
Gerontologie ist die Alterswissenschaft, die sich mit allen Phänomenen,               die
Begleiterscheinungen und Folge des höheren Alters sind, auseinandersetzt.

      =Geriatrie; diese ist ein Teilgebiet der Gerontologie und beschäftigt sich mit den
       medizinischen Alterskrankheiten

      Gerontopsychologie: befasst sich mit der wissenschaftlichen Erforschung des
       menschlichen Verhaltens und Erlebens im höheren Lebensalter; die
       Gerontopsychologie ist eine Alters- und Alternspsychologie zugleich




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2) Alterseinteilung nach verschiedenen Gesichtspunkten

2.1 Kalendarisches oder chronologisches Alter:
Das ist die Summe der Lebensjahre


2.2 Funktionelles Alter:
Dieses wird untergliedert in biologisches, psychologisches und soziales Alter

2.2.1. Biologisches Alter: darunter versteht man den Allgemeinzustand eines Menschen,
gekennzeichnet durch psychische, physische und soziale Merkmale

2.2.2. Psychologisches Alter: dieses wird durch die adaptiven Möglichkeiten und Fähigkeiten
eines Menschen bestimmt

2.2.3. Soziales Alter: dabei stehen die sozialen Beziehungen im Mittelpunkt der Betrachtung;
ein über 35 jähriges Model erscheint uns alt, wobei ein 33 jähriger Finanzminister uns jung
vorkommt.


2.3 Subjektives Alter:
Für das Leben im letzten Drittel ist entscheidend, wie alt man sich selbst fühlt.
Untersuchungen zeigen, dass Menschen mit optimistischen Zukunftsperspektiven eine längere
Lebenserwartung haben als solche mit pessimistischen Erwartungen.
Es gibt viele Faktoren, die eine frühe Alterung fördern, ich möchte nur einige aufzählen:
     Negative Kindheitserinnerungen
     Kurze Lebensdauer der Eltern, seelische Frühreife
     Glücklichste Zeit des Lebens vor dreißig
     Niedriges Berufniveau, als unangemessen erlebte Arbeitsbedingungen
     Nichterreichen des Lebensziels (wenn vorhanden)
     Arbeit unter großer Belastung
     Ungünstige wirtschaftliche Lage, Leben rückblickend negativ, anstrengend und
        freudlos
     Eher passive Lebenseinstellung, Abhängigkeit von körperl. Beschwerden
     Wenig flexibel in der Verarbeitung von Frustration
starke Anfälligkeit gegenüber Krankheiten




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3) Theorien des Alterns:
3.1. Biologische Alternstheorien:

3.1.1 Altern auf Zellebene: hier gibt es wissenschaftliche Meinungen, die von genetisch
orientierten Ansätzen (genetisches Potential ist ausschlaggebend für Verlauf des Alterns)
über metabolisch orientierte Ansätze (Störungen im Zellstoffwechsel sind ausschlaggebend)
bis hin zu Ideen, dass der Alterungsprozess von Freien Radikalen abhängt, reichen.

3.1.2 Altern auf Organebene: kann ein einzelnes Organ seine Funktion nicht mehr
ausreichend erfüllen, so kommt es zu den bekannten Abbauerscheinungen bei alten
Menschen; Altern wird bei diesen Theorien beschrieben als Folge des Funktionsverlustes
einzelner lebenswichtiger Organe.

3.1.3 Altern auf Organismusebene: hier sind die Stresstheorien (Stress ist in diesem Fall ein
Sammelbegriff für organische und psychische Belastungen) entscheidend, denn es wird davon
ausgegangen, dass Stress, der das Leben begleitet, zu Störungen führt, die der Mensch sein
Leben lang durch Anpassungsleistungen zu kompensieren hat. Z.B. gestörte
Blutdruckregulation, Temperaturregulation, Drüsenfunktionen


3.2. Psychologische Alterstheorien:

3.2.1. Das Defizit Modell der geistigen Entwicklung:
Altern als ein Prozess des Verlustes und als Abbau emotionaler und intellektueller
Fähigkeiten; hier her kommen die Ideen, dass alte Menschen sich nicht auf Neues einstellen
könnten, dass sie kaum aktiv sind und wenig Interessen hätten.
Diese Theorien sind heute nicht mehr haltbar.

3.2.2. Die kognitive Alternstheorie:
Stellt das subjektive Erleben des alternden Menschen in den Vordergrund- also wie erlebt und
beurteilt die Person das Nachlassen der körperlichen und geistigen Fähigkeiten; die
Einstellungen und Werte einer Person kommen hier stark zu tragen


3.3. Sozialpsychologisch orientierte Alternstheorien

3.3.1. Aktivitätstheorie:
Geht von der Annahme aus, dass jeder Mensch in der Gesellschaft in der er lebt, soziale
Rollen zu erfüllen hat; durch Ausübung dieser Rollen entsteht Kontakt und Zugehörigkeit;
dies wird als sinnstiftend erlebt und man möchte es auch im Alter beibehalten- meist ist eine
Adaption nötig, zum Beispiel durch den Verlust der Berufsrolle bei der Pensionierung

3.3.2. Ökologisches Modell des Alterns:
Wohnlage, Verkehr, Klima, soziale Schicht, finanzielle Situation...sind maßgeblich am
Verlauf des Alterungsprozesses beteiligt




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4)Fremdbilder und Stereotypen
Jüngere Menschen unterschätzen meist die Lebensqualität im Alter; je jünger die Beurteiler
sind, desto stärker betonen sie den Aspekt der Einschränkungen des Handlungsspielraumes im
höhere Lebensalter.
In Untersuchungen zeigt sich, dass wer Urgroßeltern hatte, an die er sich erinnern kann,
milder ist im Urteil über das Altern als jene, die keine solchen Erinnerungen haben.

Konsequenzen negativer Stereotypisierung:
Oft werden diese Stereotypen zur selbsterfüllenden Prophezeiungen und sie machen es
allemal schwer in andere Richtungen zu denken, die Qualitäten des Alters zumindest einmal
spekulativ zu erfassen.
Jung und alt ist etwas anderes- und doch gilt, Mensch ist Mensch
Menschen haben in der Regel mehr gemeinsam als sie trennt; das heißt nicht, dass es nicht
Unterschiede im Erleben, den Erwartungen und Freuden von Jung und alt gäbe, aber es hilft,
den Blick auf das Gemeinsame zu lenken. Definitiv gilt, je besser ich mit mir selbst umgehe,
desto besser gehe ich auch mit anderen um- auch mit alten Menschen, auch mit mir im
Prozess des Älterwerdens.

Die wissenschaftlichen Theorien des Alterns verabschieden sich mehr und mehr von rein
defizitorientierten Theorien, die das Phänomen des Alterns nur unzulänglich beschreiben.
Vielmehr wird heute von Entwicklungspotentialen bis ins hohe Alter gesprochen (ohne das
mit Leistungsansprüchen zu verwechseln)

Altern an und für sich ist keine Krankheit, es ist weder verhütbar noch heilbar- denn es
ist auch keine unheilbare Krankheit.




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5) Der gesunde alte Mensch
5.1. Selbstbild und Identität:
Die Identitätsvorstellung eines Menschen ist eine kulturelle Leistung und wird daher in
Auseinadersetzung mit der Umwelt, den Bedingungen des Daseins und vor allem der Sprache
erbracht;
Unser Selbstbild unterliegt im Laufe des Lebens verschiedenen Überprüfungen und
Veränderungen, dennoch bleibt so etwas wie ein „Kernselbst“ bis zum Tod vorhanden- für
Außenstehende ist dies bei Verlust der Sprache durch Krankheit beim alten Menschen oft
nicht mehr leicht wiederzuerkennen.

5.2. Die Tönung der Sprache:
Es ist von Bedeutung wie ein Mensch vom Altern und Altsein und vom Tod spricht- sowohl
in seinen Jahren als Erwachsener als auch als alter Mensch. Die Sprache macht positive oder
negative Bewertungsaspekte deutlich; vielen von uns ist die Bedeutung der Sprach nicht so
geläufig und die Tönung der Sprache oft unbewusst, doch es lohnt sich zu lernen, darauf zu
achten.
In Untersuchungen hat sich gezeigt, dass das Bildungsniveau von alten Menschen deutlich
Auswirkungen auf ihre Beschreibungen vom Altern hat; es verhält sich auch so, dass
„Arbeiter“ sich im Alter eher in Haus und Gaten betätigen während Lehrer eher im
öffentlichen Bereich sich engagieren.

5.3.Statusreduktion:
Vor allem durch den Wegfall der Berufsrolle kommt es zu einer Verringerung des
gesellschaftlichen Status; je eher eine Gesellschaft an Leistung orientiert ist, desto eher
geraten alte Menschen an den Rand eben jener Gesellschaft.
Der österreichische Gerontologe Rosenmayr (1978) schlägt vor, ältere Menschen sollten
aufgrund ihrer Lebenserfahrung vermehrt in beratende Tätigkeiten eingesetzt werden; vor
allem bei Problemen der Daseinsbewältigung; außerdem regt er einen Zusammenschluss alter
Menschen an, um einen Bewusstseinswandel in der Gesellschaft herbeizuführen.

5.4. Isolation und Einsamkeit im Alter:
Mit Isolation ist hier die tatsächliche Einschränkung sozialer Kontakte bezeichnet und
Einsamkeit bezieht sich auf die subjektive Beurteilung der eigenen sozialen Situation.
Neben geringerem Einkommen, Verlust der Kollegenschaft und dem Gefühl nicht mehr so
recht gebraucht zu werden stellen Verwitwung, Krankheit und Invalidität Ereignisse dar, die
sich im zunehmenden Alter häufen können und unweigerlich mit einer Reduktion der
Kontaktmöglichkeiten einhergehen.




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6) Psychosoziale und familiäre Veränderungen im Alter
6.1. Psychosoziale Veränderungen:
Für viele Menschen stellt die Pensionierung das abrupte Abreißen der Alltagstruktur dar; die
Industrie- und Leistungsgesellschaft hat einen so markanten Unterschied zwischen Freizeit
und Arbeitszeit entstehen lassen, dass der ältere Mensch, durch Ausscheiden aus dem
Erwerbsleben, ganz aus der alltäglichen Routine gerät. Besonders einschneidend beschreiben
dies auch langzeitarbeitslose Menschen so um die 50, die keine Chance auf
Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess haben.
Die Umstellung auf das Pensionsalter gelingt umso einfacher, je eher man bereits vor der
Pensionierung Interessen und Hobbys entwickelt hat, denen man sich nun vermehrt widmen
kann. Von Vorteil ist, wenn die Beschäftigung einen Beitrag, der über das eigenen Leben
hinaus reicht, enthält, weil die meisten Menschen eben darin Sinn und Wert erfahren;
manchen alten Menschen gelingt es auch ihre alltäglichen, lebenspraktischen Verrichtungen
im Alter zu „zelebrieren“, sich daran zu delektieren, nun endlich in Ruhe den Alltag gestalten
und organisieren zu können.

6.2. Familiäre Veränderungen:
Alte Menschen gewinnen heute vermehrt an Wichtigkeit, weil die Zahl der Alleinerziehenden
gestiegen ist und viele Mütter berufstätig sind.
Ein Zusammenspiel zwischen jung und alt ist von Nöten in welchem vor allem gegenseitige
Akzeptanz und Bereitschaft gegenüber den jeweiligen Ansprüchen besteht- so muss ein
Gleichgewicht gefunden werden, zwischen dem vermehrten Sicherheitsbedürfnis, der
Schwierigkeit neue Kontakte zu knüpfen auf Seiten der alten Menschen und dem Wunsch
nach Unabhängigkeit und Eigenständigkeit der Jungen.
Nur ein geringer Prozentsatz alter Menschen wünscht sich ein Zusammenleben mit den
eigenen Kindern, aber gewünscht ist eine geringe Entfernung, die eine leicht
Kontaktaufnahme ermöglicht und die meisten alten Menschen wünschen sich innere Nähe zu
ihren Kindern.
Wichtig ist, zu wissen, dass im Alter Veränderungen auftreten sowohl in der Art der
Gestaltung des Familienlebens als auch in der Affektivität und des Antriebs

6.2.1 Die Altersehe:
Die Pensionierung führt in der Regel zu tiefgreifenden Veränderungen in der Paarbeziehung,
der gemeinsame Alltag muss neu strukturiert werden, ein gutes Maß an Nähe und Distanz
muss entwickelt werden. Wie bei jungen Paaren gilt auch hier, dass eigene Interessen nicht
vernachlässigt werden sollen. Ein wichtiges Thema ist sicher auch die gemeinsame
Auseinandersetzung über das Altern und den Tod.

6.2.2. Sexualität im Alter:
wie in der Adoleszenz so sind die Unterschiede bzgl. gelebter Sexualität auch im Alter
vorhanden. Nicht wenige Frauen, die keine befriedigende Sexualität finden konnten,
berichten, dass sie das Klimakterium als Erleichterung empfanden, als gültige Ausreden
„keinen Sex mehr haben zu müssen“. Jedoch ist zu hoffen, dass für Frauen solches Erleben
weniger wird, wenn die etwas aufgeklärtere Generation altert. Auch wird heute das
Klimakterium nicht mehr einfach akzeptiert, so dass für manche Frauen erst das Versiegen
der Potenz des Mannes dazu führt, von nicht erfüllender Sexualität abstand nehmen zu
können.


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Grundsätzlich weist die Entwicklung der Sexualität im Alter in zwei Richtungen; zum einen
entwickeln sich Beziehungen zu „Solidargemeinschaften“, einer Art postsexueller
Freundschaft. Die andere Richtung führt zu einem Zusammenleben mit zärtlichen Elementen
der Erotik; der Koitus, der Vollzug des Geschlechtsakts, wird dabei unwichtiger.
Männer berichten häufig, dass sexuelle Inaktivität als endgültiges Altgewordensein erleben;
viele dieser Männer zeigen ungefragt Interesse an jungen Frauen und implizieren damit, dass
sie mit diesen auch noch etwas anfangen könnten; allerdings verhält es sich so, dass das
Interesse der Männer länger erhalten bleibt als die sexuelle Funktionsfähigkeit.
Paare die in jungen Jahren sich gut über ihre sexuellen Wünsche austauschen konnten, haben
auch im Alter bessere Chancen ihre sexuellen Gewohnheiten zu adaptieren und Formen von
Austausch zu finden. Auch bei Scheidungen von Altersehen ist die Vernachlässigung der
Sexualität als Grund nicht zu unterschätzen.

6.2.3. Veränderung der Affekte:
Man weiß, dass es im höheren Lebensalter zu einer Veränderung des Gefühlsleben kommt.
Häufigkeit und Intensität der emotionalen Reaktionen nehmen ab, auch die Anzahl der
sozialen Bindungen nehmen ab- einerseits durch den Tod von Partner und/oder Freunde und
andererseits auch durch die emotionale und eist auch geographische Abgrenzung der Kinder.
Alte Menschen tun sich nicht so leicht, neue Kontakte zu knüpfen; es gibt jedoch
Bedingungen die dies ein wenig erleichtern- zum Beispiel schließen sich alte Menschen eher
mit einheitlichen Altersgruppen, die gemeinsame Aufgaben und Probleme haben, zusammen.




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7) Physiologische Veränderungen:
7.1. Physische Veränderungen:

Physische Veränderungen                           Mögliche Verhaltenskonsequenzen
Dünnere Haut, leichtere Verletzbarkeit dieser  Bedarf an wärmerer Kleidung
Wunden heilen langsamer                        Angst vor Verletzungen
Knochen werden brüchiger                       Größere Vorsicht
Muskelschwund                                   Geringere Mobilität
                                               Ökonomischer Umgang mit Kräften
Verlust an Sehkraft                            Bedarf an hellerer Beleuchtung
                                               Orientierungsschwierigkeiten
                                               Einschränkung von Lesen und Fernsehen
Geringeres Hörvermögen                         Misstrauisches Verhalten
                                               Sozialer Rückzug
Abstumpfung       des    Geschmacks-       und Abnehmendes Interesse am Essen
Geruchsinns                                    Gewichtsverlust
                                               Gefahrensignale          werden       nicht
                                               wahrgenommen (Feuer, Gas...)
Abnahme der taktilen Sensibilität              Abnahme          der      Fähigkeit     auf
                                               Umgebungsstimuli adäquat zu reagieren
                                               „Ungeschicktes“ Verhalten

7.2. Gedächtnis:
Wie der restliche Körper, so altern auch die Nervenzellen des Gehirns und der Sinnesorgane.
Die Anzahl der Synapsen nimmt –gebrauchsabhängig- zu oder ab. Körperliches Training
erhöht in der Regel auch die geistige Leistungsfähigkeit, so dass höhere psychische Wachheit
(Vigilanz) oder geringerer psychische Erschöpfbarkeit erreicht werden kann.
Das Leistungsvermögen der Sinnesorgane nimmt bereits mit 40-50 Jahren deutlich ab, kann
jedoch durch die Erfahrung des alternden Menschen kompensiert werden.
Ebenso die Reaktionsfähigkeit, die wiederum oft durch Erfahrung und Routine kompensiert
werden kann.
Das gleiche gilt für das Gedächtnis. Man weiß, dass die Motivation für das
Erinnerungsvermögen von großer Bedeutung ist, dies bedeutet, dass man sich vor allem an
das erinnert, was einem wichtig ist.
Auch beim Lernen erleben sich alte Menschen oft als eingeschränkt- dies heißt aber lediglich,
dass sie längere Zeit benötigen, um einen Inhalt aufzunehmen, nicht, dass der Mensch mit
fortschreitendem Alter nicht mehr imstande ist, Neues zu lernen.

7.3 Intelligenz:
Die ehemals wissenschaftlich vorherrschende Meinung, dass die Intelligenzleistung des
Menschen bereits mit dem Erreichen des Erwachsenenalters abnimmt, ist mittlerweile sehr
umstritten;
Feststellbar ist lediglich, dass die Intelligenzleistung von alten Menschen dort schlecht ist, wo
es sich um abstrakte, logische, kulturunabhängige Inhalte handelt, nicht aber bei Inhalten und
Denkaufgaben die sich auf Erfahrung beziehen, die mit dem praktischen Leben zu tun haben.




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7.4 Dementielle Hirnerkrankungen im Alter:
Degenerative Hirnveränderungen verursachen im Alter Störungen des Intellekts und des
Gedächtnisses.
Ursachen solcher organischer Demenzen können zum Beispiel die Alzheimerkrankheit, die
Multinfarktdemenz oder ähnliches sein. Auch die Parkinsonsche Krankheit verursacht
psychoorganische Symptome. Darüber Hinaus können Demenzen auch durch Vergiftungen,
Mangelkrankheiten oder schweren chron. Alkoholismus verursacht werden.

7.5. Altersbedingte psychische Veränderungen:
Die geistigen Fähigkeiten nehmen im Alter , je nach Gebrauch, verschieden stark und rasch
ab; der Verlauf der Abnahme kann stark variieren, normalerweise gibt es Reserven, die im
Alter verwendet werden können; bei Krankheit allerdings geht der Abbau meist etwas
schneller oder aber auch nach Operationen, Unfällen udgl.
Das Kurzzeitgedächtnis ist deutlich reduziert im Merkumfang (sowohl die Aufnahme- als
auch die Abruffähigkeit)
Prozesse der Informationsverschlüsselung unterliegen einer Altersabhängigkeit
Ältere sind in ihren Gedächtnisleistungen insbesondere aufgrund eines erschwerten Abrufes
von Informationen beeinträchtigt
Auch weit zurückliegende Erinnerungen und Gedächtnisinhalte unterliegen einem
Vergessensprozess

7.5.1 Einflussfaktoren auf die psychische Leistungsfähigkeit sind:
Anlage –und Umweltbedingungen (Erbanlagen, Erziehung, Gewohnheiten der körperlichen
und geistigen Aktivität, Ernährung,...)
Veränderungen im biologischen System (Gesundheit, Kurzzeitgedächtnis)
Veränderungen im System sozialer Rollen (Pensionierung, Verlust des Partners, ...)
Sozioökonomische und ökologische Situation (Einkommen, Haushalt, Zugriff zu
medizinischer Versorgung...)
Veränderungen der Persönlichkeit (Aktivität, Interessen, Stimmung...)
Individueller Lebensraum (Selbstkonzept, Lebensbedingungen...)
Lebenszufriedenheit
Fähigkeit zur Bewältigung (Anpassung, aktives kognitives Umstrukturieren)




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8) Die Hauptbedürfnisse alter Menschen:
8.1. Bedürfnis nach Einkommenssicherung:
in westlichen Ländern leichter zu erfüllen, als in Gebieten ohne vergleichbares Sozialsystem

8.2. Bedürfnis nach medizinischer Versorgung im Falle von Krankheit:
bei uns gewährleistet durch das Versicherungssystem

8.3 Bedürfnis nach Übernahme von bedeutsamen Rollen und Funktionen in der
Gesellschaft:
In einer Expertise der WHO heißt es: „die sozialen Beziehungen sowie die Übernahme von
verantwortungsvollen sozialen Rollen sind für die Aufrechterhaltung der Gesundheit und
Kompetenz im Alter genauso wichtig wie gute Ernährung, wie geringe Zufuhr von Nikotin
und Alkohol, wie psychische und geistige Aktivität. Die rein medizinische Intervention (deren
Bedeutung nicht geleugnet werden darf) besitzt- im Vergleich zu aktivitätssteigerndem
Verhalten und zur Verbesserung des Umfelds- ein relativ geringes Potential für die Steigerung
des allgemeinen Wohlbefindens im Alter.“
Altsein bedeutet eine Umstellung auf vielen Ebenen, eine Anpassung an einen neuen
Lebensabschnitt, der mit dem Tod enden wird. Man muss auch bei einem normalen
Alterungsprozess, jenseits von schwerer krankheit, sich von vielem trennen, von
Gewohnheiten, von Möglichkeiten und Fähigkeiten. Dies muss auch betrauet werden, um zu
einem kompetenten Lebensstil im Alter finden zu können. Im Umgang mit alten Menschen
zeigt sich, dass jene die ihre Verluste genau benennen können, auch leichter zu neuen
Möglichkeiten der Lebensgestaltung gefunden haben. Alte Menschen die eher allgemein
Erscheinungen des Alters beklagen sind meist auch unglücklicher mit ihrer Lebensführung im
Alter.
Erfolgreiches Altern kann jedoch nicht nur anhand subjektiver Lebenszufriedenheit definiert
werden, sondern auch anhand objektiver Kriterien wie Gesundheit, Leistungsfähigkeit und
soziale Integration. Damit ist die Möglichkeit erfolgreichen Alters auch eine Frage von
politischer Relevanz.




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9) Alter und Gesellschaft
Wie man altert ist vor allem aber davon abhängig, in welcher Gesellschaft man lebt. Unsere
Gesellschaft wird sich, durch den Zurückgang des Bevölkerungswachstums, vermehrt mit
gerontologischen Inhalten beschäftigen müssen. So können nach und nach vermehrt Schritte
in Richtung positiv erlebter Lebensqualität im Alter gesetzt werden.
Es ist Aufgabe der Gesellschaft, alten Menschen zu ermöglichen, ihre Bedürfnisse zu
artikulieren und diese dann auch zu verwirklichen. Der alte Mensch soll nicht nur als
Hilfeempfänger betrachtet werden sondern das Interesse soll seinen Kompetenzen und
Ressourcen gelten. An deutschen Kliniken machen alte Menschen Besuchsdienst bei Kranken
und es hat sich gezeigt, dass Geduld, die Fähigkeit des Zuhörens, die Tatsache auch mit dem
Sterben befasst zu sein, alte Menschen zu guten Begleitern machen kann.
Auch der Besuch von Kursen, Seniorenstudien, Kultureisen und dergleichen mehr, werden
von alten Menschen in der Regel gerne angenommen, sofern ihnen der Zugang leicht
ermöglicht wird- das heißt, dass vieles eindeutig erklärt werden muss, Anmeldeformulare
nicht zu kompliziert sein dürfen, die Sprache verständlich sein muss und praktische Hürden
aus dem Weg geräumt werden müssen, wie zum Beispiel Stiegen ohne Handlauf.

Die Gesellschaft muss sich also einerseits fragen „was können alte Menschen für sich
selbst tun, und was brauche sie um dies zu verwirklichen?“ anderseits stellen sich die
Fragen „was kann die Gesellschaft für den alten Menschen tun?“ und „Was können
alte Menschen für andere tun“. All diese Fragen sind nur im aktiven Dialog zu
beantworten!!!

 Edgar Cahn, Ökonom, Gerontologe und Philosoph, sagt:“ Der Wert der Gesellschaft ist auch
darin zu erblicken, welche Gelegenheit sie den älteren Menschen gibt, Produktives zu tun und
verantwortungsvolle Aufgaben zu erfüllen"




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10) Die Themen Sterben und Tod
jenseits der Vierzig wird man kein andere Mensche mehr- aber Mann kann dem Leben
Richtung geben! Man kennt die eigenen Grenzen und Möglichkeiten, die Herausforderungen
und –Gefahren für sich selbst- die Karten werden nicht mehr neu verteilt, aber man kann sie
anders spielen.
In der Zeit um die Vierzig herum, beginnt bei den meisten Menschen ein Nachdenkprozess
über das Sterben und die Gestaltung der Zeit, die noch bleibt. Eine erste Bilanz wird gezogen
im Hinblick darauf, dass die Halbzeit erreicht wurde;
Leider sind in unserer Gesellschaft Sterben und der Tod eher Tabuthemen und es gibt viel
Scheu diese Themen anzusprechen; vermehrt wird die Angst vor Gesprächen über Sterben
und Tod oftmals gerade dann, wenn diese Themen förmlich im Raum stehen durch Krankheit
oder Alter. Das heißt, dass wir auch wenn wir im Kontakt mit Todkranken oder Sterbenden
sind, versuchen diese Themen zu meiden.
Das wiederum führt dazu, dass Todkranke und Sterbende allein bleiben mit ihren Gedanken,
Ängsten, Bitten usw. Auf der anderen Seite bleiben auch die Angehörigen einsam mit ihren
Nöten, haben aber noch den Vorteil sich zumindest ein wenig untereinander austauschen zu
können, wenn sie den Mut dazu haben;

Fragen wie „was ist Sterben im Unterschied zum Tod“ sollte man sich bereits in jüngeren
Jharen immr wieder einmal stellen und sich mit Freunden darüber austauschen; die Antworten
werden sich im Lauf des Lebens immer wieder mal verändern, doch die kontinuierliche
Auseinandersetzung fördert ein aktives, bewusstes Leben im Hier und Jetzt. Und sich von
einem gelebten Leben zu verabschieden ist sicher nicht einfach, aber erfüllt wohl eher mit
Zufriedenheit als eine negative Lebensbilanz

Hier einige Anregungen für die Beschäftigung mit diesen Themen:
    Sterben ist etwas langsames, etwas, das eine bestimmte Zeit dauert; der Tod ist etwas
        Einmaliges
    Der Tod ist das gegenteilige Ereignis der Geburt und doch gibt es einige Paralellitäten
   Die Geburt bedeutet Freiheit, sie macht uns frei von der Mutter- damit bedeutet sie aber
   auch Verlust, Verlust von Symbiose mit der Mutter
   Der Tod ist auch Freiheit und er bedeutet gleichzeitig den Verlust des Lebens.
    Sterben ein Endpunkt?
    Leben nach dem Tod
   
   

Sterbende machen einen Reifungsprozess durch:

Panik                                       Verdrängung
Depression                                  Katharsis (Wut, Zorn, Beschuldigungen)
Ausverkauf                                  Feilschen
Verzweiflung                                Realitätsarbeit
Resignation                                 stille Annahme, Verklärung, offene Annahme

Diese Gegenüberstellung zeigt, dass Sterben ein aktiver Prozess ist.



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Und in diesem Prozess stellt sich noch einmal die entscheidende Frage, wie man denn gelebt
hat!! Die Art und Weise des Sterbens und des Todes ist nicht zu vernachlässigen in ihrer
Bedeutung, doch die grundlegende Frage ist, wie man das Leben bis dahin gestaltet hat.
Es ist wichtig, Menschen in dieser Phase des Lebens nicht allein zu lassen!!!
Fragen wie
„was möchte ich noch klären?
„Von wem möchte ich mich noch aktiv verabschieden?
„Wen möchte ich ausdrücklich nicht sehen?“
„Wie soll das Begräbnis gestaltet werden?“
„Bei wem möchte ich mich bedanken?“
„Welche Ängste quälen mich?“
„was wünsche ich mir von und für meine Angehörigen?“
„Was tun, wenn die häusliche Pflege nicht mehr gewährleistet werden kann?“

viele dieser Fragen sollten bereits vor Krankheit Thema sein, damit ein Boden bereitet ist, der
hilft die Tragik des Todes und Sterbens gut zu tragen und durch Klärung in guten Zeiten ein
Stück Gelassenheit ermöglicht.




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11) Tips für den Umgang mit alten Menschen
      Aggressionen des alten Menschen nicht persönlich nehmen
      Seine Selbstständigkeit fördern
      Seine Passivität übersehen
      Verlässlich sein
      Einfache Kommunikation ohne „Kindersprache“
      Positive Körpergefühle schaffen
      Den alten Menschen am normalen Alltagsleben teilhaben lassen
      Eingriffe in Intimzonen als belastend für alte Menschen erkennen und deshalb achtsam
       sein
      Auf die Würde des alten Menschen achten
      Bedenken, dass die eigenen Angst vor dem Alter intoleranter macht!!!




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LITERATURVERZEICHNIS



Böhm Erwin: „Alte verstehen“
Psychiatrie Verlag, 1992, 2.Auflage

Schweigkofler Hansjörg: „Pflegewissenschaften- Handbuch für klinische Psychologie“
Berencamp, AZW- Pflegewissenschaften Band 13, 1996

Billig Nathan: „Depressionen im Alter- Früherkennung und Behandlung“
Fischer, 1994

Oesterreich Klaus: „Gerontopsychiatrie- Forschung, Lehre, Praxis, Perspektiven“
Quintessenz- Verlag GmbH, 1993

Sheehy G: „Die neuen Lebensphasen“
Knaur Taschenbuch, 1999




Weitere Quellen:
Skripten zum Geriatriediplom der ÖAK 1994/95
Eigene Mitschriften von Interviews mit dem österreichischen Gerontologen Rosenmayer




Skriptum erstellt von DSA Angermayr Petra, petra.angermayr@aon.at                     15
Februar 2005

								
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