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11/28/2011
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German
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							     Allgemeine
Literaturwissenschaft

Literatur als Sprachgestaltung
Fragen
   erlernbare Elementen der Textgestaltung
   analytische Vorgangsweise
   Autor
   poeta doctus mit gewisser allgemeiner und vor
    allem literarischer Bildung
   Topik (= rhetorische Mittel) lange Zeit einziger
    Hinweis auf Stil eines Autors
   Aeraria poetica: Sammlungen von Mustern für Bilder
   doctrina – exempla – imitatio
Horaz: Ars poetica
   Versepistel
   genus demonstrativum
   Definition von Gattungen und ihren Eigenschaften
   in eine Tradition gestellt
   zugehörige Sprache beschrieben
   gesellschaftliche Funktion der Dichtung reflektiert
   Bedingungen für vollkommenes Kunstwerk
    skizziert
Gegenstand und Sprache
   pictoribus atque poetis quidlibet audendi sempre
    fuit aequa potestas. (9-10)
   non ut serpentes avibus geminentur, tigribus agni.
    (12-13)
   sumite materiam vestris, qui scribitis, aequam
    viribus et versate diu, quid ferre recusent, quid
    valeant umeri. (38-40)
   nova fictaque nuper habebunt verba fidem, si
    Graeco fonte cadent parce detorta. (52-53)
   si volet usus, quem penes arbitrium est et ius et
    norma loquendi. (71-72)
Überzeugungskraft
   cur ego si nequeo ignoroque poeta salutor ? (87)
   non satis est pulchra esse poemata: dulcia sunto et
    quocumque volent animum auditoris agunto. (99-
    100)
   Aristoteles, Rhetorik 3.7: Korrelation zwischen
    Sprache und Emotion, Charakter, Gegenstand. Man
    muss das Publikum von der Echtheit der Gefühle
    überzeugen.
   aetatis cuiusque notandi sunt tibi mores (156)
   respicere exemplar vitae morumque iubebo doctum
    imitatorem et vivas hinc ducere voces. (317-318)
Gestaltung
   intererit multum, divusne loquatur an heros, maturusne
    senex an adhuc fiorente iuventa fervidus, et matrona
    potens an sedula nutrix (114-116)
   audes personam formare novam, servetur ad imum,
    qualis ab incepto processerit, et sibi constet. (125-127)
   neve minor neu sit quinto productior actu fabula (189-
    190)
   nec deus intersit, nisi dignus vindice nodus inciderit
    (191-192)
   nec quarta loqui persona laboret (192)
Zweck der Dichtung
   aut prodesse volunt aut delectare poetae aut simul
    et iucunda et idonea dicere vitae. (333-334)
   sic animis natum inventumque poema iuvandis, si
    paulum summo decessit, vergit ad imum. (377-378)
   natura fieret laudabile carmen an arte, quaesitum est
    (408-409)
   Es braucht Kunst und Inspiration (furor).
   Es geht allgemein um die Einstellung zur Kunst
   keine deskriptive Poetik, das ist eher Aristoteles
Aristoteles
   Mimesis der Natur
   mögliche Welt auf der Bühne
   Tragödie als gemeinsame Handlung
   katharsis durch eleos (Mitleid) und phobos (Schrecken)
   Impfung des freien Staatsbürgers gegen
    Schicksalsschläge
   Handlung im Verlauf eines Tages
Renaissance und Klassik
   Poetiken der Antike Grundlage für moderne Literatur
   Gesetz der drei Einheiten (Ort, Zeit, Handlung)
   Ständeklausel, Fallhöhe, Dramenstruktur usw.
   Girolamo Vida, Poetica (1520)
   Philip Sidney, Defence of Poetry (1595) – Die wahre Poesie
    ahmt nach, um zu belehren und zu erfreuen.
   Martin Opitz, Buch von der deutschen Poeterey (1624) –
    Anwendung der Prinzipien auf deutsche Literatur
   Nicolas Boileau, L’art poétique (1674) – Normen der
    klassischen Dichtung aus Horaz und Aristoteles
   Johann Christoph Gottsched, Versuch einer critischen
    Dichtkunst (1729)
    Sprachlicher Text
   Phoneme: einzelne Lauteinheiten (a,       Syntax: regelgesteuerte
    e, i), deren Verknüpfung erst              Verknüpfung von
    Sinneinheiten schafft                      Bestandteilen des Lexikons
   Morpheme: kleinste sinntragende            zu größeren Sinneinheiten
    Einheiten, deren Kombinationen ein        Prosodie: Intonation, die die
    Wort ergeben: mög - lich, mög - en;        Bedeutung von Wörtern
    re - vital - isieren; wurm - isieren
                                               oder Sätzen auch verändern
   Lexikon: Verzeichnis der möglichen         kann (Ironie, Pathos)
    oder tatsächlichen Wörter einer
    Sprache                                   Diskurs: Verbindung von
   Semantik: Bedeutung, die mit den           Satzeinheiten zu einem Text
    einzelnen Wörtern verbunden ist (=         nach gewissen typologi-
    das Konzept von Dingen, nicht die          schen Regeln (Brief, SMS,
    Dinge selbst)                              Billet)
Übertragung eines Textes
Übersetzung eines Textes
Funktionen eines Textes




   the creative function of generating new messages
   the artistic function of the stylistic choice and of the
    poetic transformation of the language
   the function of memory in the culture
Strukturalismus – Alltagssprache
        Achse der Selektion
    (unter Äquivalenzen = Paradigmata)
                        s1             o1
                        s2     p1      o2
                        s3     p2      o3
                        s4             o4
                                       Achse der Kombination
                               (Syntagmata mit bestimmten Regeln)
   produzierte Sätze:
         s1+p1+o1: Le ciel + brille + de lumière.
         s2+p2+o2: Le firmament + est plein + de la vaste clarté.
         s1+p2+o1: Le ciel + est plein + de lumière.
Strukturalismus – poetische Sprache
   Roman Jakobson: „Die poetische Funktion überträgt
    das Prinzip der Äquivalenz von der Achse der Selektion
    auf die Achse der Kombination.“

               s1+p1+o1
               s2+p2+o1 s1+p3+o5
               s1+p2+o3 s2+p2+o4+o3..

   poetischer Text = ausgewählte Kombination
   Le firmament est plein de la vaste clarté;
    Tout est joie, innocence...
    (Victor Hugo: Les Contemplations I/4)
Funktionen und Strukturen
   Funktionen in einer Märchenerzählung (Vladimir J. Propp:
    Morfologia della fiaba. Turin 1966):
   1 allontanamento; 2 divieto; 3 infrazione;
    4 investigazione; 5 informazione; 6 inganno;
     complicità involontaria; 8 danneggiamento; 9 missione;
    10 partenza; ...
    29 trasfigurazione; 30 punizione; 31 nozze / ascesa al
    trono
   7 personaggi fissi:
    l’eroe; l’antagonista; il donatore; l’aiutante; la principessa
    / il re; il mandante; il falso eroe.
Funktionen und Strukturen
   Makrostruktur eines Krimis (Claude Bremond: Logique du
    récit. Paris 1973)
   1. Rätsel → 2. Nachforschung – Aufklärungstätigkeit
    {2.1. Prüfung der Indizien – Beobachtungen →
    2.2. Erstellen einer Hypothese – Schlussfolgerungen
    [2.2.1. Erstellen eines Tests → 2.2.2. Durchführung des
    Tests → 2.2.3. Testerergebnis positiv] →
    2.3. Hypothese überprüft} → 3. Rätsel gelöst.
   Möglichkeit von Schleifen wegen blinder Motive
   Permutation in einem Liebesroman (Franziska Ruloff-Häny:
    Liebe und Geld. Zürich 1976)
Erzählsequenzen
   1. Held und Heldin lieben sich, aber jeder der beiden glaubt, dass
    der andere ihn nicht liebe.
   2a. Sie lieben sich, aber er glaubt, dass sie ihn nicht liebe.
   2b. Sie lieben sich, aber sie glaubt, dass er sie nicht liebe.
   2c. Variation zu 2a: Sie glaubt, ihn nicht lieben zu dürfen.
   2d. Variation zu 2b: Er glaubt, sie nicht lieben zu dürfen.
   3a. Er glaubt, die ihn treu Liebende nicht zu lieben, erkennt aber
    schließlich ihren wahren Wert.
   3b. Sie glaubt, den sie treu Liebenden nicht zu lieben, erkennt
    aber schließlich seinen wahren Wert.
   4a. Erst liebt er die Falsche, dann die Richtige (diese hat
    unterdessen treu auf ihn gewartet).
   4b. Erst liebt sie den Falschen, dann den Richtigen.
   4c. Variation zu 4a: Der Frauenheld, der die wahre Liebe kennen
    lernt. Erst liebt er falsch, dann liebt er richtig. ...
Aufbau von Texten
   Fabel / Plot (bei Aristoteles auch Mythos)
     Grundplan im Handlungsverlauf: Stoff (sachlicher Inhalt) und
       verwendete Motive (Ausgestaltung durch Personen und Orte)
   Stoff: Opferung der Tochter für den Ruhm, Sühne für Elternmord,
    Opfer der eigenen Person für Vaterland usw.
   Motiv: Orakel, Erscheinen eines Geistes, Prüfung durch Fragen usw.
     Stoff und Motive durch Tradition aneinander gebunden: Iphigenie,
       Don Juan usw.
     Je konventioneller der Stoff und die Motive, desto deutlicher ist die
       besondere Ausgestaltung zu erkennen.
   Motivanalyse erster Schritt für Strukturanalyse
     Haupt- und Nebenmotive; Leitmotive; blinde Motive (im Krimi zur
       Irreführung z.B.)
   Makrostruktur / Mikrokontext: inhaltlich und formal
   Komposition: formaler Aufbau (Akte, Strophen usw.)
Originalität eines Textes
   Plagiat und Verfälschung
   umstrittene Fälle:
    The Vampyre 1819 (John Polidori / Lord Byron);
    Mémoires inédits de Joseph Balsamo 1841 (Cagliostro /
    Pierre Cousin); Die Forschungsreise des Afrikaners Lukanga
    Mukara ins innerste Deutschland (Hans Paasche, 1913) –
    Der Papalagi (Erich Scheurmann, 1920).
   passive und aktive Rezeption
   Literarisches Zitat: ironische Abwandlung; Hinweis auf
    passive oder aktive Rezeption
Plagiat?
Plagiat oder Zitat ?
   manche Details des Pferdes stimmen überein
   andere weichen ab
   Hauptfiguren verhalten sich anders
   Wilhelm von Ockham: ý 1350, Nominalist
   Mönche glauben an Autorität
   Kopf usw. bei Isidor von Sevilla: Etymologiae;
    Brunello Name eines Pferdes bei Buridan
   Zadig als Magier angeklagt
   Aberglaube verdunkelt die Gehirne
Spielerische Verfremdung
   Limerick                          Calembour(g) / Kalauer
   There was a young lady            Algorithmen und Regeln
    from Riga                         Bah! Beh! Bi beau: but
    Who smiled when she rode           Caquet: qui cocu?
    on a tiger.                        Dad est dit dodu
    They came back from the            Faf’ et fifre au fût!
    ride                               Gag: Eh, Guy gogues hue!
    with the lady inside
    and the smile on the face of
    the tiger.
   5 Zeilen aa bb a
Sprachspiele
   Computerlyrik = Aleatorik
   Cyberlyrik = aleatorische Lektüre
   Figurative Poesie
   Oulipo = Ouvroir de littérature potentielle
   Verformung nach technischen Regeln (nur mit einem
    Vokal, oder ohne einen bestimmten Konsonanten,
    Anfangsbuchstaben des folgenden Wortes vorgegeben,
    Vokalfolge vorgegeben, Wechsel der Stilebenen usw.)
   Georges Pérec, Raymond Queneau, Italo Calvino
   Ecriture automatique / automatischer Text
Paraphrase
   Arma virumque cano, Troiae qui primus ab oris
    Italiam fato profugus Laviniaque venit
    litora, multum ille et terris iactatus et alto
    vi superum saevae memorem Iunonis ob iram...
   Le donne, i cavallier, l’arme, gli amori,
    le cortesie, l’audaci imprese io canto,
    che furo al tempo che passaro i Mori
    d’Africa il mare, e in Francia nocquer tanto,
    seguendo l’ire e i giovenil furori
    d’Agramante lor re...
   Vergil: Aeneis – Ludovico Ariosto: Orlando furioso
Parodie – Satire – Karikatur
   Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
    Im dunkeln Laub die Goldorangen glühn,
    Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
    Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht,
    Kennst du es wohl?
                           Dahin! Dahin
    Möcht ich mit dir, o mein Geliebter ziehn.
   Kennst du das Land, wo die Faschisten blühn,
    im dunkeln Laub die Diebslaternen glühn,
    ein Moderduft von hundert Leichen weht,
    die Freiheit still und hoch der Duce steht?
    Kennst du es wohl?
                           Dahin! Dahin
    möcht ich mit dir, mein Adolf Hitler ziehn!
   J. W. v. Goethe – Erich Mühsam
Normative Poetik und Rhetorik
   schreiben Gestaltungstechniken vor       Genus-Lehre
   z.B. Gesetz von den drei Einheiten       Zuordnung von Stoff
   Klassische Rhetorik                       und Darstellungsweise
   genus iudiciale (gerichtliche Rede)       auf drei Ebenen
   g. deliberativum (politische Rede)       Forderung des aptum
   g. demonstrativum (sachliche Rede)        (Angemessenheit)
   5 Hauptschritte:                         genus grande /sublime
   inventio (Stoffsammlung)                 genus medium /
   dispositio (Aufbau, Motive)               mediocre
   elocutio (Ausformulierung)               genus subtile / humile
   memoria (Lernen)
   actio (Vortrag)
Rota Vergilii
   Johannes von
    Garlandia
    (13. Jh.)
   gravis stylus
    Aeneis
   mediocris stylus
    Georgica
   humilis stylus
    Bucolica
Modus und Schriftsinn
   Dante in Brief an Can            Gregor d. Gr. (~ 600)
    Grande della Scala               sensus litteralis
   modus tractatus = äußere         sensus allegoricus
    Gliederung des Textes            sensus moralis
    (Bücher, Gesänge,
    Strophen, Verse)                 sensus anagogicus
   modus tractandi =                Jerusalem
    Behandlungsweise                     = eine Stadt auf Erden
                                         = die Kirche
   z.B. poeticus, fictivus,
                                         = die Seele der Gläubigen
    descriptivus, digressivus …
                                         = die himmlische Stadt
   Exegese des vierfachen
                                     Dante Alighieri: plurisemico
    Schriftsinns
    Rhetorische Figuren
   1) Lautfiguren:                     2) Wortfiguren:
   Gestaltungsweise des Textes         Chiasmus (Spiegelung)
    auf lautlicher Ebene, Vokal-            Les riches plafonds
    oder Konsonantenfolge                    Les miroirs profonds
   a) repetitiv: durch                 Anapher
    Wiederholung,                       Anagramm
    Beschwörungsformeln,                    Amor - Roma, amari – Maria
    Rituale                             Katachrese: Fehler durch
   b) alliterativ: immer mit            Kombination zweier Bedeutungen
    gleichem Anlaut                         Geldmagnet, Visionen des
       Pour qui sont ces serpents           Eukalyptus, Elephantom
        qui sifflent sur ma tête?       3) grammatikalische Figuren:
        veni – vidi – vici
                                        Änderungen der Position
   c) expressiv: Wiedergabe von
    Emotionen mit                       Zeitenverwendung: historisches
    konventionellen Mitteln              Präsens
4) Gedankenfiguren:
   Bild: zusätzlich zum wörtlichen Sinn wird ein weiterer eingeführt
    (analog, vergleichend, symbolisch, allegorisch)
     Il pleure dans mon coeur comme il pleut sur la ville..

   Symbol: Sinnbild; Übereinstimmung von zwei wesentlichen
    Elementen
     Justiz – Waage → Ausgewogenheit; Verräter – Schlange →
       Hinterhältigkeit.
   Metapher: Übertragung auf einen anderen Ausdruck durch
    Ausnützen gemeinsamer Bedeutungselemente; Winkel der
    Bedeutungslinien



       Kamel – Schiff der Wüste → durchquert Wogen der Dünen.
Emblem
Gedankenfiguren
   Metonymie: Umbenennung
       Ersatz des eigentlichen Begriffes durch einen
        Eigennamen
       Ersatz des Inhalts durch den Behälter
   Oxymoron
   Antithese
       ghiaccio bollente – Icy Fire
   Pleonasmus
   Klimax: Steigerung
       Friends, Romans, Countrymen
Konzept und Konnotation
Denotat und Konnotat
   Denotat = konventionelles Konzept
   Konnotat = individuelle Vorstellung
   André Martinet: La connotation, c’est tout ce qui dans
    l’emploi d’un mot, n’appartient pas à l’expérience de
    tous les utilisateurs de ce mot dans cette langue.
   Konnotationsmodell von Louis Hjelmslev:
   Denotat 1. Ausdruck              2. Inhalt
                              3. Zeichen
    Konnotat                  I. Ausdruck          II. Inhalt
                                            III. Zeichen
Metrik
   Gliederungsprinzipien
   Rhythmus und Vers
   Rhythmus – auf Akzent ausgerichtet
    Metrum – Anzahl und Qualität der Silben
   alternierend, akzentuierend und quantitierend
   romanische Sprachen alternierend
   einsilbige Hebungen und Senkungen in bestimmter
    Silbenzahl
   ˘˘˘˘˘˘ ˘˘˘˘˘˘
   → große Bedeutung des Endreims
Metrik
   germanische Sprachen akzentuierend
   Rhythmus (Versfüße) von Hebungen und Senkungen
   Versakzent = Wortakzent
   ΄˘˘ ΄˘˘ ΄˘˘ ΄˘˘ ΄˘˘ ΄˘˘
   klassische Antike quantitierend
   Füße aus langen und kurzen Silben
   –˘˘ –˘˘ –˘˘ –˘˘ –˘˘ –˘˘
   Ersatz von Doppelkürzen durch eine Länge
   kein Endreim
   Übergänge in mittelalterlicher Dichtung
Versfüße und Reime
   Jambus                      Spondeus
   kurz-lang bzw.              lang-lang
    unbetont-betont             Peter Luder 1456
   Dialog im griechischen      Versus quidem exameter habet
    Drama                        sex pedes Primus enim potest/
   Alexandriner                 esse spondeus uel dactilus
    = 6 Jamben                   secundus spondeus uel dactilus/
                                 tercius spondeus uel dactilus
   Trochäus                     Quartus similiter Quintus dac/
   lang-kurz                    tilus tantum Sextus spondeus uel
   Anapäst                      trocheus ut in multis/
   kurz-kurz-lang               uersibus declarabimus Sed in
                                 uersu penthametro primo/
   Daktylus                     debemus ponere spondeum uel
   lang-kurz-kurz               dactilum ...
Reim, Strophen und Cursus
   Reim                                  Strophen
   männlich (auf Hebung endend, mit      meist syntaktische
    Kleinbuchstaben)                       Einheit
   weiblich (auf Senkung endend, im      3-12 Verse
    Franz. Konsonant + e, mit             isometrische und
    Großbuchstaben)                        heterometrische
   Fülle des Reimes nach Anzahl der       Strophe
    Silben                                Distichon
   Schema in der Abfolge usw.            Cursus
   fortgesetzter (aaa)                   rhythmischer
   gepaarter (aaBB)                       Satzschluss der
                                           Kunstprosa
   umschlungener (aBBa)
                                          2 mindestens
   gekreuzter (aBaB)                      dreisilbige Endwörter
   Binnenreim (..a..a/..B..B)
Epische Formen
   Einfache               Roman
   Märchen, Sage,         ständige Formensuche
    Legende
                           Aussageweise (empfindsam,
   Großformen              didaktisch, satirisch)
   Roman, Epos
                           Form (Ich, Brief, Rahmen)
   Kleinformen
                           Gehalt (Abenteuer,
   Novelle,
    Kurzgeschichte,         Entwicklung, Krimi,
    Anekdote; Satire;       Gesellschaft, Heimat)
    Verserzählung,         Niveau (trivial, experimentell)
    Ballade, Romanze
Formen
   Dramatische                   Lyrische
   Tragödie, Komödie,            fixierte Gebilde aus
    Melodram, Drama,               Strophen, Versen und
    Lustspiel…                     Reimen (feste Formen)
   Traditionelle Gliederung      Sonett: 14 Zeilen, 4 + 4 +
    in Akte                        3 + 3 Verse
   Einsatz des Chores            Kanzone: 5-10 Strophen
                                   von 13 Elfsilblern
   Zuordnung einer
    bestimmten Versart            Tenzone: Wechselgesang
                                   in bestimmten Strophen
   usw.
                                  usw.
Moderne rhetorische Analyse
      Gestaltungsmittel
      a) Stilprinzipien
          Angemessenheit
          Richtigkeit
          Klarheit
      b) Stilkategorien
          Disposition
          syntaktische Figuren
          Tropen
      c) Stilarten
Stil
   6 Modelle:
   a) Stil als Hinzufügung
   b) Stil als Stimmigkeit
   c) Stil als Abweichung von der Norm
   d) Stil als Auswahl
   e) Stil als individuelle Sprachcharakteristik
       Le style, c’est l’homme lui-même. (Buffon)
   f) Stil als konventionelle Sprachcharakteristik
Stilstatistik
   Verhältnisse einer Stichprobe (einzelner Text) zu
    Gesamtkorpus (alle erfassten Texte)
   standardisierte Abweichung des Vokabulars, des
    Satzbaues usw.
   in Relation zu anderen Werken des Autors oder der
    Epoche – spezifische Zeichensetzung,
    Schlüsselvokabular für Werk, Autor oder Epoche;
    Verteilung der Phänomene über den Text
   Hinweise auf Archaismus und Neologismus, bzw.
    Preziosität des Vokabulars
Leser und Literaturgeschichte
   Heranbildung des Geschmacks und Beurteilung
    des Textes nach sprachlichen Merkmalen
   sprachliche Kunstfertigkeit fordert
    Anerkennung

   Periodisierung auf Grund gemeinsamer
    Stilmerkmale oder vorherrschender Gattungen
    (= Gemeinsamkeit von diesen Merkmalen)

						
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