Gerechtigkeit in unserer Schule
Der Lehrer leiert es immer wieder herunter – dem Schüler hängt es zum Halse heraus.
Ständig heißt es: „Lehrer und Schüler haben die gleichen Pflichten und die Schüler können
eh alles mitbestimmen und haben so viele Rechte“. Doch die Schüler (ja nicht auf der
Brennsuppe dahergeschwommen), wissen dass an dieser Aussage so viel dran ist, wie
Kreativität an DJ Ötzis „Burger Dance“.
Gilt es beispielsweise darüber abzustimmen welche Getränke-Sorten im heimischen (damit
ist der Automat in der Schule gemeint) Cola-Automaten enthalten sein sollen, wird schon
gestritten bis die Fetzen fliegen. Da schreien Eltern „Zeter & Mordio“ wenn es heißt, dass im
COLA-Automaten auch wirklich COLA enthalten sein wird. „Ach nein, das ist ja sooo
ungesund und das können wir auf keinen Fall gutheißen und überhaupt ist dass alles eine
riesen Sauerei!“. Antworten die Schüler darauf, dass Cola hin oder her keinen Einfluss auf
ihre Lern- und sonstigen Fähigkeiten hat, schließen sich die Lehrer dann doch lieber den
Eltern an, damit die ja zufrieden sind und im schlimmsten Fall ja nicht böse werden, uuuh,
das wäre ja das Ende! *kreisch* *hust* *kreislauf*
Im Punkto Lehrplan hat Otto Normal-SCHÜLER ja sowieso nur still dazusitzen und zu
hoffen, dass man in einigen Fächern nicht an einem Langeweile-Herzinfarkt krepiert. Da
werden Themen durchgedroschen, mit denen man nicht einmal im Stande wäre den
dümmsten, kastriertesten Hund hinter dem Ofen hervorzulocken: „Wie äähm, heißen die
äähm, berühmten – ja ähm, Schriftrollen aus dem 5.Jahrhundert vor Christus, ähm?“.
Uuuh, wie nervenaufreibend und fesselnd! „Ein bisschen trockener Stoff ist immer dabei!“,
heißt es. Wir wurden eines Besseren belehrt. PHYSIK (2002/03) es ist NUR trockener Stoff
dabei, cheat ohne!!! Und wenn man da einmal Einspruch erheben will um zu fragen, ob man
nicht einmal etwas anderes, interessanteres durchnehmen könnte, bekommt man
wahrscheinlich ein „dickes, fettes Minus für stören des Unterrichts“. (Frage Otto: „Warum
will man eigentlich wissen wie alt der Ötzi ist?“ Antwort Lehrer/in: „Es sind ja nicht alle nur
so blödsinnig wie du!“.
Thema Patschenpflicht im Reithmann-Gymnasium (bereits als Legende in der Sammlung
der sinnlosesten Verordnungen in Schulen bekannt) eine Idee, die sich jemand einfallen ließ
um den Schülern reinzupressen wie viel mehr Rechte die Lehrer besitzen und wie cool sie
sind. Sie stehen über uns – sie haben im Haus die Hosen (bzw. Schuhe) an. Wir Schüler
neigen unsere Häupter in Ehrfurcht und denken uns unseren Teil...
Unsere große Pause „dürfen“ wir auch des öfteren im Turnsaal verbringen, oh wie
gemütlich, muss ich sagen! Da sitzt man schon gut, auf den Holztribünen, während man
sich sein Jausenbrot vorstellt, welches natürlich im Klassenzimmer liegt. Danke auf jeden
Fall dafür! Wenns dann heißt: „Hörts auf zum Fressen unter der Stunde! Für des is die
Pause da!“, dann überlegen Sie bitte, wo wir die große Pause verbracht haben (auf jeden Fall
nicht essend in der Klasse)
„Herr Professor, darf ich bitte aufs Klo gehen!“ „Dafür gibt’s die Pause!“ – Oh, welch
intelligente Aussage. Aber haben Sie schon einmal daran gedacht, dass ich da noch nicht
auf die Toilette musste? Wahrscheinlich nicht! Übrigens danke, für die PP (PinkelPause)!
...
„Wartet’s, ich geh mir schnell einen Kaffee holen, bin gleich wieder da!“. Die Schüler sind
baff! Da läuft die Werklehrerin davon und checkt sich ein Kaffetscherl, während wir an
unserer Mausefalle feilen. Fragt man dann nach ob das schon erlaubt sei im Unterricht
Kaffee zu trinken, folgt: „Aaana, des baaast scho, wissts eh wie des so is!“.
„Kleider machen Leute!“, heißt es überall. Doch wenn Otto Normal-SCHÜLER mit
unpassendem Haarschnitt und Kleidung im Schulhaus erscheint oder Waldtraud Normal-
SCHÜLERIN mit anscheinend zu tiefem Dekoltee im Unterricht sitzt, wird man im Ideal-Fall
gleich wieder rausgekickt. Ja, das ist auch gut so, da pflichte ich Ihnen bei, Chief Leher/in!
Man sollte angemessen gekleidet und gepflegt zum Unterricht erscheinen. Doch wenn die
Lehrperson im extremsten Voll-Hin-Im-Schädl-Outfit einläuft, dass sogar die Moderatoren
bei „Darüber lacht die Welt“ sich nur noch weinend die Haare raufen würden, gilt das als in
Ordnung. „Des baaast scho! Kann ja schließlich einlaffen wie i will, oder?“
„Des gibts ja nit! Die Klasse is ein Saustall! Räumts gefälligst auf!“ So wird man begrüßt
vom Herrn Direktor. Oder darf es vielleicht dieser Satz sein: „Was solln des? Wie fahrt’sn
euch schiach ein?“, der war auch nicht schlecht oder? Aber er hat noch mehr auf Lager:
„Tut’s jetzt endlich einmal was man euch sagt, sonst sperr ich euch in den Keller!“- And the
winner is: MC Maxi Gnigler! Denn: SO wird man vom Direktor begrüßt – SO UND NICHT
ANDERS! Er könnte nicht einmal nur normal mit uns reden, uns erzählen was ihm auf dem
Herzen liegt und wir regeln das ganze wie zivilisierte Menschen, nein er muss streiten,
motzen, fluchen, etc. WER ist da unreifer? Wir oder er?
„TutTut-TutTut“ – Auuuweh, war das nicht gerade ein Handy, dass da im Unterrich gepiepst
hat??? „Aufstehn – Abgeben - Hausordnung doppelt und dreifach – Merk da des! - Gibs
ja nit! – Eltern eina!“
So könnte es ausgehen, wenn uns die Glücksgöttin Fortuna wieder einmal im Stich gelassen
hat. Muss jedoch der (respektive: DIE) Herr Lehrer (respektive: FRAU LEHRERIN) feststellen,
dass ihm sein (respektive: IHR) Handy einen Streich spielt und während des Unterrichts das
verhasste Tuten von sich gibt, besteht kein Grund zur Panik. „Des baaast scho! Hamma glei
– ausgschalten – Logga Schnitzl“. Super reagiert, denn genau so hätten Sie auch reagieren
können, als das Handy von einem von uns piepste.
Pünktlich zum Unterricht ist meistens weder Lehrer noch Schüler, denn da kommen
Hindernisse wie Gegenverkehr der Erstklässler, PPs und ähnliches. Otto Normal-SCHÜLER
2min zu spät Eintragung! Entschuldigung mit Unterschrift! Betragensnote schlechter!
Doch kommt der Herr Lehrer zu spät: „Age bitte, des basst scho, weil ja, i hab no mitm
Administrator über dieses und jenes reden müssn. Koooa Stress!“
Wenn die Schüler eine alte, hölzerne, harte, total ungemütliche und extrem hässliche (und
vor allem eigenhändig mit anderen Schülern gebastelte) Eckbank aus dem Klassenraum
stellen, damit das hässliche, alte Miststück keinen wertvollen Raum im Klassenzimmer
stiehlt, werden sie natürlich gleich vom Direktor zusammengeschissen und es heißt:
„DIESE ECKBANK! HABE ICH – ZUSAMMEN MIT EINIGEN SCHÜLERN EINER FÜNFTEN
KLASSE GEBAUT! UND SIE SOLL NICHT DA DRAUßEN VERROTTEN! Also stellts das
„gemütliche“ Teil wieder rein, sonst nehme ich euch die Sofas und die Kaffeemaschine weg!“.
Wenn man dem Typ dann DIESE ECKBANK (diese GEMÜTLICHE Eckbank nicht zu
vergessen) ins Büro stellen will, damit er sein wohlverdientes Nickerchen darauf abhalten
und sich’s darauf irre gemütlich machen könne, will er sie selber nicht! Aber Hauptsache
man hat den Schülern wieder einmal gezeigt wie viel Autorität man besitzt.
Alles in Allem sind wir mit unserer Situation mehr als zufrieden. Danke für die Situation,
die man hierzulande als Demokratie und Gleichberechtigung bezeichnet, Mahlzeit!
|1108 Wörter| 24.Oktober 2003