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Sudan

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10/26/2011
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German
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2
Sudan: Darfur Konflikt

Hintergründe des Konflikts in Sudan



- Sudan ist im Nordosten Afrikas gelegen und ist das größte Land auf dem afrikanischen Kontinent.

Als Mitglied in der „Arabischen Liga“ ist das Land auch das größte der Arabischen Welt. Die Region

Darfur befindet sich im Westen Sudans. Die Bevölkerung dieser Region setzt sich aus

unterschiedlichen ethnischen Gruppen zusammen: arabisch- oder afrikanisch-stämmige Nomaden oder

sesshafte Ackerbauern.

- Sudan erreichte 1956 seine Unabhängigkeit vom Britischen Imperium und Darfur wurde 1994 in drei

Sudanesische Bundesstaate aufgeteilt; Nord, Süd und West Darfur.

- Wenn es zu früheren Zeiten in Darfur Konflikte zwischen oder innerhalb der verschiedenen

ethnischen Gruppen gab, wurden diese traditionell durch „Konferenzen“ geschlichtet, bei denen eine

dritte Partei (z.B. Stammesoberhäupter) als Vermittler eintrat. Lokale Regierungsbehörden

kontrollierten, dass die Abmachungen eingehalten wurden.

- Durch einen Militärputsch des Generals Al-Bashir 1989, der mit Hilfe der „Nationalen Islamischen

Front“ erfolgreich die Macht übernahm, wurden viele arabische Milizen die sich über die Jahre

gebildet hatten, legalisiert; diese mischten sich in einzelne Konflikte und Streitigkeiten in Darfur ein

und da die Regierung dies duldete, gab es nun wie bei früheren Konflikten keine höhere

Kontrollinstanz mehr, sondern die Regierung war mehr oder weniger Teil der Konflikte geworden.

- Generell geht es bei diesen Konflikten meistens um die Nutzung der Ressourcen; die wenigen

Wasserstellen die es gibt und das immer weniger werdende fruchtbare Land. Sesshafte Bauern und

nomadische Viehzüchter sind die Hauptbeteiligten in diesen Streitigkeiten; die Streitenden

unterscheiden sich also hauptsächlich durch ihre Lebensart.

- Religiös bedingte Konflikte gibt es in Darfur allgemein nicht, da fast alle Einwohner Muslime sind.

Rebellenorganisationen und Milizen nützen jedoch, zum Teilnehmer werben, die ethnischen

Unterschiede der Streitenden aus; in den letzten Jahren haben sich die Tendenzen der arabischen

Bewohner eher zu den Nomaden zu gehören und der schwarzafrikanischen Gruppen eher zu den

Sesshaften zu gehören, herauskristallisiert. Die rassistische Rhetorik ersetzt also zu einem gewissen

Grad die nichtvorhandenen Religionsunterschiede.

- Durch wiederkehrende Dürreperioden, Bevölkerungswachstum und Hungersnöte verschärft sich die

Konfliktsituation. Auch ist die Region Darfur wirtschaftlich und politisch eine Peripherieregion, die

sich seit dem „indirect rule“ des Britischen Imperiums nie richtig erholt und behauptet hat.



Anna Geis nennt in ihrem Text die Langwierigkeit innerstaatlicher Kriege; dies trifft in hohem Maße

auch für die Entwicklung des Sudankonflikts zu. Es ist ein zäher und ausgedehnter Konflikt, der durch

gebrochene Abkommen und nicht eingehaltene Verträge ständig verlängert wird. Laut den von Geis

aufgestellten Charakteristiken unterschiedlicher Kriege, ließe sich dieser Krieg als „neuer“ Krieg

einstufen, sowohl Gewaltakteure als auch Gewaltmotive sind entpolitisiert; es geht um einzelne

organisierte Interessensgruppen die vorwiegend Ressourceninteressen haben. Weiter finden im

Sudankonflikt oft Auseinandersetzungen zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren statt; es

entsteht eine unberechenbare, nichtkonventionelle und schwer zu beendende Kriegsführung, genau

wie Geis es einem sogenannten „kleinen“ Krieg zuspricht.







Akteure



Als Janjaweed (auch: Dschandschawid), übersetzt bedeutet das soviel wie „ein Mann mit einer

Waffe auf einem Pferd“, werden bewaffnete Milizen, die auf Seiten der sudanesischen Regierung

kämpfen, bezeichnet. Diese nomadischen, arabisch sprechenden afrikanischen Stämme, stehen

mit den in Darfur ansässigen Stämmen im Konflikt um natürliche Rohstoffe. Es handelt sich in

diesem Konflikt ursprünglich um ökonomische und nicht um politische oder religiöse Motive,

welche aufgrund derselben Religionszugehörigkeit zum Islam ausgeschlossen werden können.

Sie werden allerdings auch von Seiten der Regierung unter Omar al-Bashir mit Waffen,

Kommunikationsmitteln, Einkommen und teilweise sogar Uniformen unterstützt. Zudem

kämpfen auf Seiten der Regierung noch paramilitärische Gruppen (Popular Defence Force und

Border Intelligence Guards) sowie die Streitkräfte (Sudan People’s Armed Forces).

Die Janjaweed Rebellen begehen in Darfur zahlreiche Menschenrechtsverletzungen, teilweise

mithilfe der Regierung und Armee an der Zivilbevölkerung: Massenexekutionen,

Vergewaltigungen, Vertreibungen, Folter, Plünderung und der Zerstörung ganzer Dörfer.

Aufgrund des Ausmaßes und des selektiven Charakters dieser Maßnahmen, wurden den

Janjaweed bereits Völkermord und ethnische Säuberungen vorgeworfen. Die Regierung

bestreitet jegliche Unterstützung der Milizen, welche seit 2006 teilweise in die Armee

eingegliedert wurden. Am 4.3.2009 wurde ein Haftbefehl gegen al-Bashir ausgestellt, in welchem

ihm Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie Kriegsverbrechen vorgeworfen werden,

aufgrund eines Mangels an Beweismaterial wurde der Punkt des Völkermordes zurückgewiesen.

Auf der anderen Seite gibt es in Darfur in etwa 15 Rebellengruppen, die in den Konflikt mit

der sudanesischen Regierung verwickelt sind. Die beiden wichtigsten sind die Sudan Liberation

Movement/Army (SLM/A) und die Justice and Equality Movement (JEM).

Die SLM/A besteht aufgrund von inneren Differenzen heute aus zwei Flügeln mit

unterschiedlichen Führern. Die SLM/A entstand 2003 mit dem erklärten Ziel, die

Marginalisierung Darfurs zu beenden und eine politische Vertretung für regionale Interessen in

Khartum durchzusetzen. Breite Unterstützung fand die SLM/A zunächst v.a. bei der städtischen

Jugend, allen voran den Studenten, und erst nach einiger Zeit auch bei der Landbevölkerung.

Die JEM hingegen ist eher an der politischen und sozialen Gleichstellung der

unterrepräsentierten afrikanisch-stämmigen Bevölkerung mit den arabisch-stämmigen

Bevölkerungsteilen interessiert. Gegründet soll die Gruppe von einem ehemaligen Mitstreiter

des sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir, nachdem er bei selbigen in Ungnade gefallen

war, worden sein. Nach einem ersten Waffenstillstand, mit welchem die Basis der SLM/A-

Rebellen unzufrieden war, konnte die JEM regen Zulauf verzeichnen und an Einfluss gewinnen



Aktuelle Entwicklungen



Januar 2007: Einsetzung von SLA-Mitgliedern in politische Ämter, entsprechend des

Friedensabkommens vom 5. Mai 2006

Juni 2007: Zustimmung der Regierung Sudans zu einer gemischten Friedenstruppe der AU und UN

für Darfur. (UNAMID); ab Oktober 2007 Entsendung von 9000 von geplanten 20000 Soldaten und

6000 Polizisten der weltweit größte Friedensmission; im Dezember Übergabe der operativen Leitung

der AMIS auf die UNAMIS

Januar 2009: Militärisches UNAMID-Persona: 12541 der 19555 Einheiten des UN-Mandats.

Polizeiliches UNAMID-Personal: 2639 der 6432 Einheiten des UN-Mandats. Truppen können wegen

logistischer Probleme nicht effektiv eingesetzt, Zivilbevölkerung des Darfurs durch die UN-

Friedenstruppen noch immer nicht effektiv gesichert werden

März 2009: Das International Criminal Court (ICC) erlässt Haftbefehl gegen NIF-Präsident Omar al-

Bashir wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Unterstützung al-Bashirs

durch die NIF: „al-Bashir wird sich nicht dem Kolonialismus unterwerfen“; in der Folge müssen

dreizehn internationale Hilfsorganisationen das Land verlassen, da „ihre Sicherheit nicht mehr

garantiert werden kann“, drei einheimische Hilfsorganisationen stellen ihre Arbeit ebenfalls ein. Al-

Bashir verkündet, sein Regime wolle alle internationalen Hilfsorganisationen ausweisen; Folgen sind

medizinische Unterversorgung von rund ca. 1,5 Millionen Menschen, Knappheit von Notunterkünften,

nach Schätzungen kann nur 30% bis 35% der benötigten Mengen sauberen Wassers für 1,6 Millionen

Menschen geliefert werden; das Risiko des Ausbrechens von Krankheiten erhöht sich drastisch.

Der Sudan verschwindet dabei mehr und mehr aus den Medien, er verwandelt sich in einen

„abgekauten Genozid“, da er heute weniger von blutigen Massakern, die dabei weiterhin vorkommen,

als vom Leiden der Zivilbevölkerung gekennzeichnet ist.



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