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Literatur Circoviren

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10/26/2011
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Literaturrecherche







Postweaning multisystemic wasting syndrome: a review of aetiology,

diagnosis and pathology



Literatur aus Pig News and Information 2004 Vol. 25 Nr. 4



C. Chae



The Veterinary Journal 168, 2004, 41-49



1996 wurde in West-Kanada eine neue infektiöse Erkrankung bei spezifisch-pathogenfreien

Schweineherden festgestellt. Seither konnte das Postweaning multisystemic wasting syndrome

(PMWS) bei Schweinen in Asien, Nord- und Südamerika und Europa festgestellt werden. PMWS ist

eine virale Erkrankung von abgesetzten Ferkeln welche durch progressiven Gewichtsverlust,

respiratorische Symptome und Hepatitis charakterisiert ist. Die Krankheit die in Herden mit einem

guten Gesundheitsstatus auftritt hat eine geringe Morbidität aber eine hohe Mortalität bei den

Tiergruppen im Alter von 5-12 Wochen. PMWS ist bereits in einigen Ländern endemisch verbreitet

und die häufigste Ursache für Kümmern.

Für PMWS verantwortlich ist eine Infektion mit porcinen Circoviren Typ 2 (PCV2), welche zu den

Circoviridae gehören und DNA-Viren sind. PCV ist das kleinste DNA-Virus, das sich selbständig in der

Wirtszelle vermehren kann. Es wurden zwei Typen von PCV charakterisiert, PCV1 und 2 sind in 68-

76% der DNA homolog.

PCV1 konnte bei mumifizierten Feten und einem Fall von Kümmern in den Nieren nachgewiesen

werden. Eine experimentelle Infektion von neonatalen Ferkeln mit PCV1 jedoch führte zu keinen

klinischen Anzeichen einer Erkrankung. PCV1 wird als nicht-pathogen bezeichnet.

PCV2 hingegen konnte immer wieder bei Kümmerern isoliert werden. Beide Circoviren haben

mindestens ein gemeinsames Antigen, können aber über eine virusspezifische PCR, in situ

Hybridisierung oder monoklonale Antikörper von einander unterschieden werden.

Manche Autoren sprachen sich für die Notwendigkeit einer Koinfektion oder Kofaktoren für eine volle

Entwicklung der klinischen Anzeichen nach erfolgter experimenteller Infektion aus. Es gab aber

durchaus Versuche, bei denen sich die entsprechende Klinik nach alleiniger Infektion mit PCV2

ausgebildet hat. Die gleichen klinischen Symptome zeigten sich auch bei Koinfektionen von PCV2 und

PPV. Die histopathologischen Veränderungen von PMWS konnten bei PCV2-Infektionen

nachgewiesen werden, nicht aber bei alleiniger PPV-Infektion. Daraus wurde gefolgert, dass PCV2 die

Hauptrolle im Krankheitsgeschehen von PMWS spielt. Auch der Nachweis von PCV2-DNA und/oder –

Antigen in Geweben von Tieren mit PMWS lässt glauben, dass PCV2 das aetiologische Agens ist.



Üblicherweise erfolgt die Diagnose einer Virusinfektion via Virusnachweis durch Zellkulturen, PCR,

Immunhistochemie oder in situ Hybridisierung und/oder den serologischen Nachweis von

Virusantikörpern. Die Diagnose von PMWS jedoch unterscheidet sich von diesen üblichen Methoden,

weil PCV2 auch bei Tieren mit normalem Gesundheitsstatus nachgewiesen werden kann. Der

Nachweis von PCV2 kann somit nicht mit PMWS gleichgestellt werden. Um PMWS zu diagnostizieren

müssen drei Kriterien erfüllt sein:

- klinische Anzeichen müssen vorhanden sein

- charakteristische histologische Läsionen müssen vorhanden sein

- innerhalb der Läsionen müssen PCV2 nachgewiesen werden können



PMWS tritt bei Tieren im Alter von 25-120 Tagen auf, wobei die häufigsten Fälle im Alter von 60 bis 80

Tagen registriert wurden. Die klinischen Anzeichen sind sehr variabel und unspezifisch. Die

anschliessend erwähnten Symptome wurden sowohl im Feld als auch in Experimenten beobachtet.

Bei Absetzferkeln ist PMWS charakterisiert durch Kümmern mit oder ohne respiratorische

Komponente, Diarrhoe, bleiche Haut oder Ikterus und einen markanten Anstieg an Todesfällen

aufgrund einfacher oder mehrfacher bakterieller Infektionen zu einem späteren Zeitpunkt. Bakterielle

und seltener auch virale Koinfektionen erhöhen die Sterblichkeitsrate in der Mast von üblicherweise 1-

2% auf 10-25%.



Ersteller : Riccarda Ursprung Datum : 24.02.2005 Seite 1 von 3

Alleinige PCV2-Infektionen konnten nur in 15% der untersuchten PMWS-Fälle nachgewiesen werden.

In allen anderen Fällen konnten zusätzliche Infektionen mit PRRSV, Influenzaviren, PPV, HPS, APP,

Streptokokkus suis und Mykoplasma hyopneumoniae nachgewiesen werden. Diese Koinfektionen

komplizieren den Krankheitsverlauf und führen zu Verwechslungen bei der Diagnostik. Je nach Land

sind die zusätzlichen Infektionserreger sehr variabel (in Korea z.Bsp. sind Koinfektionen mit PRRSV

und PPV am häufigsten, während in den USA nur gerade in einem von 484 PMWS-Fällen eine PPV-

Infektion nachgewiesen werden konnte).

Die Tatsache, dass sehr häufig weitere Infektionserreger nachgewiesen werden konnten spricht dafür,

dass diese Mechanismen auslösen, die das Immunsystem beeinflussen und somit den PCV2 zum

Ausbruch von PMWS verhelfen. Andererseits könnten PCV2 eine lymphoide Depletion erzeugen und

somit die Möglichkeit für virale und bakterielle Infektionen erhöhen. Immunsupression konnte in

Schweinen mit PMWS nachgewiesen werden.

Weil die klinischen Symptome von PMWS sehr unspezifisch und variabel sind, ist der Virusnachweis

mittels in situ Hybridisation oder Immunhistochemie zusammen mit moderater bis starker Depletion

und/oder granulomatöser Lymphadenitis für eine Diagnose unverzichtbar.



Histopathologisch gibt es bei PMWS zwei Charakteristika:

- Granulomatöse Inflammation in Leber, Milz, Lymphknoten, Tonsillen, Peyerschen Platten und

Thymus. Die Erfahrung zeigt, dass die Veränderungen hauptsächlich in den oberflächlichen

Inguinallymphknoten gesehen werden können und nur manchmal in den anderen genannten

Geweben. Diese einzigartigen Läsionen sind gekennzeichnet durch Infiltration von

epitheloiden Zellen (aktivierte Makrophagen, die als grosse Zellen mit blassem, schaumigem

Zytoplasma erscheinen) und mehrkernigen Riesenzellen vom Langhans-Typ. Sie entstehen

durch Fusion von Makrophagen und haben 5-20 Kerne rund um die Peripherie des

Zytoplasmas.

- Intrazytoplasmatische Einschlusskörperchen sind grosse, multiple, basophile oder amphiphile

traubenförmige Strukturen, welche oft im Zytoplasma von Histiozyten und mehrkernigen

Riesenzellen gesehen werden.

Die Lymphknoten können Depletion und Koagulationsnekrosen der follikulären Zentren aufweisen

während die Peyerschen Platten und die Tonsillen merkliche Depletion der Lymphozyten zeigen.

Weitere histologische Veränderungen sind in Leber und Nieren ersichtlich.

Die Lungenläsionen sind gekennzeichnet durch moderate Verdickungen der alveolären Septen

bedingt durch Infiltration von mononukleären Zellen und durch eine Hyperplasie der Typ II

Pneumozyten.

Obwohl die traubenförmigen, basophilen Einschlusskörperchen pathognomonisch für PMWS sind,

können sie nicht in allen PMWS-Fällen nachgewiesen werden (z.Bsp. in Korea gelang der Nachweis

nur bei rund 28% aller entsprechend untersuchten PMWS-Fälle).

Im Gegensatz dazu wurden in 97% der Fälle granulomatöse Inflammationen in lymphatischem

Gewebe nachgewiesen, weshalb diese Veränderungen einen besseren Indikator für PMWS

darstellen.

Die Hauptmerkmale der Histopathologie weisen darauf hin, dass die Monozyten- und Makrophagen-

Infiltration nahe mit der Pathogenese und Progression von PMWS verknüpft ist. Die granulomatösen

Entzündungen sind immuninduziert. Die im Entzündungsherd vorkommenden Monozyten werden

durch Adhäsion von zirkulierenden Monozyten, Diapedesis und Migration entlang eines Gradienten

von chemotaktischen Substanzen rekrutiert.



Der Nachweis von PCV2 erfolgt über Immunhistochemie oder in situ Hybridisierung. Durch diese

beiden Techniken werden auch die charakteristischen histologischen Veränderungen der Gewebe

dargestellt.

Wegen möglichen Kreuzreaktionen mit der Formalinfixation, welche gewisse Epitope unentdeckbar

machen, wurden verschiedene mono- und polyklonale Antikörper für die Immunhistochemie

ausgetestet. Die Methode der in situ Hybridisierung hingegen ist weniger empfindlich gegenüber

Formalinfixierung. Ausserdem kann durch diese Technik zwischen PCV1 und PCV2 unterschieden

werden.

Obwohl die in situ Hybridisierung einen wichtigen Stellenwert in der Diagnostik darstellt, sind wegen

des hohen technischen Aufwandes nur wenige Labors in der Lage diese durchzuführen.

Obwohl PCR für den Nachweis von PCV2 im Gewebe sensitiver ist als die in situ Hybridisierung, ist

sie für die Diagnose von PMWS nicht akkurat. Zusätzlich zum Virus-DNA-Nachweis muss eine

Beurteilung der histopathologischen Veränderungen erfolgen.







Ersteller : Riccarda Ursprung Datum : 24.02.2005 Seite 2 von 3

- PCV2 spielt die Hauptrolle im Krankheitsgeschehen von PMWS.

- PCV2 kann aber auch bei Tieren mit normalem Gesundheitsstatus nachgewiesen

werden. Der Nachweis von PCV2 kann somit nicht mit PMWS gleichgestellt werden.

- Für eine Diagnose von PMWS müssen folgende Kriterien erfüllt sein: 1. Die klinischen

Anzeichen müssen vorhanden sein. 2. Charakteristische histologische Läsionen

müssen vorhanden sein. 3. Innerhalb der Läsionen müssen PCV2 nachgewiesen

werden können.

- Klinik: Am häufigsten bei Tieren im Alter von 60-80 Tagen. Kümmern mit oder ohne

respiratorischen Komponente, Durchfall, bleiche Haut oder Ikterus, markanter Anstieg

von Todesfällen aufgrund einfacher oder mehrfacher bakterieller Infektionen zu einem

späteren Zeitpunkt.

- Histopathologische Charakteristika: Granulomatöse Inflammation in Leber, Milz,

Lymphknoten, Tonsillen, Peyerschen Platten und Thymus. Intrazytoplasmatische

Einschlusskörperchen mit typischer traubenförmiger Struktur.

- Erfolgt der Nachweis von PCV2 via Immunhistochemie oder in situ Hybridisierung

können die charakteristischen histologischen Veränderungen gleichzeitig beurteilt

werden. Erfolgt der Virusnachweis mittels PCR muss dies zusätzlich geschehen.

Der häufige Nachweis von Koinfektionen bei PMWS wird auf verschiedene Arten interpretiert.

Zum einen spricht es dafür, dass die nachgewiesenen zusätzlichen Erreger das Immunsystem

beeinflussen und somit den PCV2 zum Ausbruch von PMWS verhelfen können. Andererseits

könnten PCV2 eine lymphoide Depletion erzeugen und somit die Möglichkeit für virale und

bakterielle Infektionen erhöhen.









Ersteller : Riccarda Ursprung Datum : 24.02.2005 Seite 3 von 3



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