individualisierung

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					Strukturierung des sozialen Zusammenlebens / der Gesellschaft:
In welchen Formen / Strukturen / Systemen wirtschaften wir? -> Wirtschaftssystem
     -    Erforschen wir die Welt und produzieren Wissen? -> Wissenschaft, modern
     -    Regeln wir die Gesellschaft politisch? -> Staat mit Gesetzgebung und ausführender Bürokratie, Parteien, Verbände
     -    Sorgen wir für Gesundheit? -> Gesundheitssystem, Krankenhäuser, Ärzte, Krankenkassen
     -    Sorgen wir für die Sozialisation der nachwachsenden Generationen? -> Familie, Erziehung, Schule, Ausbildung,
          Lernen, Fürsorge
     -    Sorgen wir für emotionales Glück? -> Liebe, befreit von allen Zusatzaufgaben und moralische Normierung
     -    Sorgen wir für Zusammenhalt? -> „Wertekonsens“: Menschenwürde, Humanität, Freiheit, Toleranz, Respekt,
          Solidarität, Verfassung als Basis für Recht, Freiheitsrechte!
     -    Sorgen wir für Daseins-Sinne? -> Glaubensfreiheit, Privatisierung der Religion, Trennung von Staat und Kirche,
          Säkularisierung, Konstruktivismus, Entzauberung

Grundlegende Bestimmungsfaktoren unseres gemeinschaftlichen, gesellschaftlichen Lebens – historisch und aktuell –
    -    Leben in einer von Gott geschaffenen Welt, Geschöpfstatus, Dienen, Demut, Sünder, Erlösungsbedürfnis,
         Überwindung des Todes,
    1. Privatisierung!!
    -    Leben als permanenter Kampf um das Seelenheil, gegen die Sünde, das Böse, die Macht Satans, des Teufels
    -    Leben mit der Pflicht, dem Zwang zur Erwerbsarbeit, Berufsarbeit, als Quelle der finanziellen, materiellen
         Ressourcen, um kaufen, bezahlen zu können – Arbeitsrolle, Berufsrolle
    2. Leitprinzip
    -    Leben als Marktteilnehmer: Nachfolger und Anbieter von Waren aller Art, Güter und Dienstleitungen
    3. Zwangsrollen Käufer/Verkäufer
    -    Leben in einer wissenschaftlichen aufgeklärten, entzauberten Welt, gesichertes Erfahrungswissen, Expansion,
         Rationalismus, „transzendentale Obdachlosigkeit“, Sinn-bzw. Heilsverlust
    4. Zwang
    -    Leben in einer Welt des individuellen, subjektiven Wohlgefühlen: Wohlstand, äußere und innere Sorglosigkeit,
         Erlebnisorientierung
    5. Leitprinzip! Identität: Was will ich?

In einer solchen Gesellschaft war/ist das Leben in allen Bereichen, auch den privaten, ausgerichtet auf die Bestätigung, die
Anerkennung der eigenen Kollektive: der Familie/Sippe, des Dorfes, der Stadt, der Region/“Landsmannschaft“, des Vereins,
der Berufsgruppe, des Staates, der Nation, des Volkes, der Religion, der Partei:
Die Überlegenheitsstilisierung, -erzählungen, -legenden sind dabei in höchstem Maße irrational, affektiv-emotional, daher
sehr gefährlich – wie sich historisch gezeigt hat und immer noch zeigt:
Siehe Nationalismus, Religionskriege, Klischees, Vorurteile, Fremdenhass=Xenophobie, Wir-Gefühl, aggressives Verhalten,
Feindbilder.
Erfahrungstatsachen: Je stärker die Menschen verunsichert sind, Ängste haben, desto leichter, eher sind sie für das
Freund/Feind-Schema empfänglich – auch in Form des politischen oder religiösen Populismus oder Fanatismus. Dagegen
hilft nur Aufklärung, Rationalismus, Entzauberung und dementsprechend geschultes Denken!

Was hat sich seitdem verändert? Inwieweit haben wir veränderte Mentalitäten bzw. eine andere, moderne Gesellschaft mir
moderneren Menschen – typischerweise?


Die Soziologen Ulrich Beck und Gerhard Schulze behaupten einen grundlegenden Wandel im Zeitraum von Ende der 1960er
bis in die 1980er Jahre. U. Beck bestimmt den Wandel der Gesellschaft als „Individualisierung“, G. Schulze als Wandel zur
„Erlebnisgesellschaft“. Jeder behauptet damit einen tiefgreifenden Wandel der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen
unseres heutigen Alltagslebens.

Bereiche / Dimensionen:
     -    Materiell, ökonomisch: Massenwohlstand, hoher Konsum
     -    Arbeit, Beruf: Vollbeschäftigung, höhere Qualifizierung, Leistungsbewusstsein
     -    Werte, Normen: Selbstverwirklichung, Freiheit, Genießen, Wohlfühlen, Belohnung der Leistungsbereitschaft,
          Teilhabe, Säkularisierung, Privatisierung, Pluralisierung, Toleranz, Autoritätenkritik, Emanzipation allgemein
     -    Staat: Absicherung und Unterstützung durch den Sozialstaat, durch die gesetzlichen Sozialversicherung und
          „Transfereinkommen“.

- Familie: Privatisierung, Entnormierung, Entstandardisierung
- Geschlechterverhältnis: Emanzipation der Frauen, Gleichwertigkeit, Gleichberechtigung in allen Bereichen der Gesellschaft
Bereichsübergreifend haben wir einen allgemeinen Mentalitätswandel weg von Ängstlichkeit, Schüchternheit,
Unterordnungsbereitschaft hin zu mehr Selbstbewusstsein, kritischen Denken, Ansprüche stellen, Teilhabe beanspruchen,
Anerkennung und Respekt der eigenen Person und Lebensart beanspruchen, Lebensgestaltungsfreiheit, Toleranz
beanspruchen, genießen dürfen, Gleichwertigkeit des eigenen Denkens und Handelns beanspruchen.
Damit tritt das Ich an die oberste Stelle, also des Selbst, die Selbstverwirklichung, die eigene persönliche Identität – zu
Lasten eines Lebens als Sünder, in Demut, mit allgegenwärtigem Schuldgefühl, in Angst vor Missbilligung / Sanktionierung
durch die Umwelt, mit den Idealen der Pflichterfüllung, des Dienens, des Gehorsams, der Anpassung.
Damit wir ein hohes Maß an Selbstverantwortung und des Scheiterns an sich selbst, aber auch des Gelangens aus eigener
Kraft institutionalisiert.

Wie kommt es zu diesem Mentalitätswandel?
Welches sind die verursachenden Strukturveränderungen?

In der materiell-ökonomischen Dimension verschwinden Armut, Sorge und Notwendigkeitskonsum in Richtung auf
Wohlstandsteilhabe, Konsum nach persönlichen Wünschen. (Wirtschaftswunder, Vollbeschäftigung, höherer
Erwerbseinkommen unabhängig von Qualifikation(!), Überstunden, Akkordarbeit, Tarifverträge, starke Gewerkschaften,
Arbeit und Kapital als Partner, rechtlicher Schutz der Arbeitnehmer, sozialstaatliche Unterstützung)

Dimension der Alltagskultur: langsame Umstellung von inneren und äußeren Härte (Pflichtorientierung, Disziplin,
Selbstkontrolle, starker Gewissensdruck, Angst vor Sanktionen, Schuldgefühle, Minderwertigkeit, Sünderstatus, niedrige
Ansprüche, Dankbarkeit – harte Arbeit, Fleiß, auch in der Privatsphäre, zu Hause, also „rund um die Uhr“, Feiern, Vergnügen
nur als Ausnahme

wichtige Faktoren: Reduktion der Ängste: vor Krieg, Armut, Krankheit, Hölle, Sünde, Entzauberung durch wissenschaftliche
Aufklärung, Berechenbarkeit durch technisches Wissen, Optionsvielfalt, Bildungserweiterung, Horizonterweiterung durch
Medien, Reisen, Pragmatismus statt moralischen Prinzipien, Wertevermittlungen -> Individualisierung!!

				
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posted:10/26/2011
language:German
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