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barock__merkmale_der_architektur_und_malerei

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									       Barock bezeichnet die europäische Kulturepoche zwischen etwa 1600 und 1750. Französisch
‚baroque‘, italienisch ,barocco‘ ist unregelmäßig geformte Perle; daher übertragen: „verschroben,
exzentrisch”. Zeitlich gliedert sich das Barock in Frühbarock (ca. 1600 – 1650), Hochbarock (ca. 1650 –
1720) und Spätbarock oder Rokoko (ca. 1720 – 1770). Er ging von Italien aus. Das Weltbild des Barock
ist geprägt von zerrissenen Lebensgefühlen, Bewusstsein der Vergänglichkeit, Todesangst durch den
Dreißigjährigen Krieg, mystisch-religiöse Schwärmerei und stark fanatischen Glauben.
       Die bildende Kunst im 17. Jahrhundert war von Schnörkeleien und verspielten Details geprägt,
dem Barockstil. Besonders die katholische Kirche und der Feudaladel benutzten diese Stilrichtung als
Ausdrucksmittel eines gegenreformatorischen und absolutistischen Repräsentationsbedürfnisses. Für die
katholischen Kirche galt es, die Gläubigen festzuhalten oder zurückgewinnen, ihre Augen durch die
Entfaltung von Prunk und Pracht zu fesseln. Deshalb liegt das Schwergewicht der kirchlichen
Barockkunst in den katholischen Gebieten. Aber auch die regierenden Fürsten benutzten die Baukunst,
um ihren Reichtum und ihre Macht zu zeigen und sich gegenseitig an Prachtentfaltung zu übertreffen.
       Die Kunst des Barocks fand ihren stärksten Ausdruck in der Architektur. Hauptaufgaben waren
das vom Repräsentationswillen der weltlichen und geistlichen Fürsten bestimmte, von Parks umgebende
Fürstenschloss, die durchgeplante, auf das Schloss ausgerichtete Stadtanlage und der als künstlerische
Einheit gestaltete Kirchenbau. Die Barockkunst strebte nach dynamischer Wirkung durch Reichtum des
plastischen und malerischen Schmucks, durch kühne, leidenschaftliche Bewegtheit. Bezeichnend sind
ferner das Scheinfügen der Einzelelemente in das gesamte Kunstwerk, bewegte, oft aus flachen Kurven
zusammengesetzte Grundrisse, unterbrochene Giebel, schraubenförmig gedrehte oder zu Gruppen
zusammengefasste Säulen und Durchbrechung der architektonischen Struktur mit Mitteln der Malerei.
Ausgehend von Werken der großen Meister der Spätrenaissance, entstand der Barockstil in Rom. Als
"Großvater" der barocken Baukunst kann Michel Angelo mit seinen späten Römischen Bauten,
insbesondere dem Petersdom angesehen werden. Denn im Entwurf zu Letzterem war eine bis dahin
unbekannte kolossale Ganzheitlichkeit erreicht. Sein Schüler Giacomo della Porta führte dieses Erbe in
Rom fort, wobei insbesondere die Fassade zu Il Jesu, der Mutterkirche des Jesuitenordens, zu nennen ist.
       Als Vorläufer für den katholischen Kirchenbau gilt die Jesuitenkirche Il Gesù von Giacomo
Vignola, die in Rom steht. Vignola gelang es vorbildhaft, Lang- und Zentralbau zu vereinen: durch Über-
und Unterordnung von Stilelementen entstand ein neuer, gefühlsmäßig erfassbarer Raumeindruck, der
besonders in der katholischen Gegenreform Beachtung fand, da das Erleben des Glaubens in den
Mittelpunkt gerückt wurde. Es wurde ein Endpunkt, der "Point de vue", in der Bewegung durch den
Raum gesichert (Prinzip der Zielorientierung). Diesem Raumeindruck entsprechend wurde durch
Steigerung von Architekturformen die Fassadenkonzeption angeglichen. Flächiges steigerte sich zum
Plastischen und Geradliniges zum Gebogenen. Auch hier wandte man das Prinzip der Zielorientierung an.
Im Hochbarock wurden diese Prinzipien durch überdeckende kreis- und ellipsenförmige Elemente
intensiviert. Es wurden bewegungsfördernde und retardierende Momente zu einer Einheit geformt, um
Spannung zu erzeugen. Mit dem gleichen Effekt wurden Raum- und Körperformen aufeinander bezogen.
Im Spätbarock wurde das Prinzip der Steigerung erweitert durch das Prinzip der Verschleifung. Es
wurden Grundrisse einzelner Räume durch Säulen und gewundene Wandverläufe zu Raumfolgen
miteinander verbunden.

       wichtige Merkmale der barocken Baukunst sind:
* Ablösung schmaler, langer Kirchenschiffe durch breitere, bisweilen runde Formen
* Gebrauch des Lichtes entweder durch starke Hell/Dunkel-Kontraste oder einheitliche Durchflutung
durch zahlreiche Fenster
* Zierelemente (Girlanden, Putten) aus (oft vergoldetem) Holz, Schweifwerk, Kartuschen, Gips bzw.
Stuck, Marmor oder Stuckmarmor
* Großflächige Deckengemälde
* Die Außenfassade ist häufig durch eine dramatische Steigerung zur Mitte charakterisiert.
* Das Innere ist oft nur Schale für die dekorative Ausschmückung durch Malerei und Plastik (vor allem
im Spätbarock).
* Häufiger Gebrauch von illusionistischen Effekten wie Scheinarchitektur oder Verschmelzung von
Malerei und Architektur
* Zwiebeltürme
* Zimmerfluchten
* Symmetrie
* Abstufungen mit Treppen für die Darstellung der Rangordnung (Wer höher stand, hatte auch einen
höheren Rang).
* runde und ovale Formen wie etwa Kuppeln
* Spiegelsäle

       Es kam in der Barockmalerei im gewissen Sinne zu einer Synthese von Manierismus und
Hochrenaissance. Mit dem Manierismus widmete sich die Malerei zum ersten Mal explizit dem
Unausgewogenen und Bizarren. Dies führte zu einer wesentlichen Erweiterung der thematisierten
menschlichen Affekte. Die Barockmalerei lässt nun diese tiefen menschlichen Affekte nicht unvermittelt
stehen, sondern bemüht sich darum, sie zu einer Gesamtaussage zur höchsten Dramaturgie zu verdichten.
Damit wurde nun in gewisser Weise wieder dem Harmoniebedürfnis der Hochrenaissance entsprochen. In
der barocken Malerei herrschen dementsprechend dynamische Bildwelten vor, die für religiöse Themen
ebenso wie für weltliche, mythologische oder Landschaftsdarstellungen verwendet werden.
       Die Malerei (Wand- und Deckengemälde, Tafelbilder) entsprach in ihrer Farbigkeit, in einem
gebärdenreichen Figurenstil, der häufig zu entgegengesetzten Bewegungsmotiven der Bildstruktur führte,
sowie in räumlicher Tiefenwirkung dem Pathos des barocken Lebensgefühls. Die neuen
Darstellungsmittel wurden sowohl im Sinn einer theatralischen Gruppenszenerie als auch zur Steigerung
individueller Ausdruckswerte verwendet. Die Plastik des Barocks suchte in freier Gebärde den Raum
nach möglichst vielen Seiten hin zu erschließen und erreichte in oft komplizierten Drehungen, in
Richtungsgegensätzen und vorausberechneten kontrastreichen Licht- und Schattenwirkungen eine
ekstatische Gesamtwirkung.

								
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