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[Stand 02.Mai 2011]

28. April 2011 | lot


Ewig mahnen die Eltern
Ausblick: „Biester“ heißt das neue Jugendstück von Theater Transit: Sehnsucht nach einem
Leben jenseits der Verbote

DARMSTADT/MÜHLTAL.




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Scharfer Blick durch die Kamera: Jungschauspieler proben in der Wackerfabrik für das Stück
„Biester“. Foto: Günther Jockel


Wenn aus dem Lautsprecher die Kosenamen ertönen, mit denen Eltern ihre Kinder belegen, also
„Prinzessin, Mäuschen, Engelchen und Sonnenschein“, dann wird Liebe zum Korsett. Die
„Biester“ fahren aus der Haut.
Fesselnd ist die Inszenierung von Regisseurin Nicole Amsbeck für Theater Transit. „Biester“
nennt sie das Stück, das morgen (29.) im Darmstädter Theater Mollerhaus Premiere hat. Geprobt
wird in der Mühltaler Wackerfabrik, wo die Zehn- bis Dreizehnjährigen die Facetten ihres Selbst
und die Erwartungen der Erwachsenen ausloten. Sie stellen den Blick scharf auf die Schatten
ihrer Träume, auf Ermahnungen und Tröstungen der Eltern.

Termine

Premiere ist am Freitag (29.),
18 Uhr im Darmstädter Theater Mollerhaus, Sandstraße 10.
Weitere Aufführungen folgen am Samstag (30.) und Sonntag (1. Mai) jeweils 18 Uhr;
Kartenvorverkauf: 06151 26540



„Ihr wascht uns den Schmutz aus der Haut.“ Explosive Emotion kommt zutage, wenn die jungen
Leute zeigen „wie wir sind, wenn wir nicht bei Oma und Opa zu Besuch sind“, wie es
Darstellerin Natascha formuliert.
Die Inszenierung räumt den neun Jungdarstellern viel Gestaltungsfreiraum ein. „Bei hoher
Authentizität erfahren sie zugleich den Schutz der Rolle. Jeder Jugendliche steht als Symbol. Das
Endprodukt ist Kunst“, erklärt Amsbeck. „Wenn es gelingt, bei den Jugendlichen und ihren
Zuschauern neue Impulse zu setzen, bringt das Veränderungen mit sich, die über Theater
hinausgehen.“
Die Akteure richten die Sucher ihrer Kameras auf Details, die überraschende Aussagekraft
entfalten. Auf einer Videoleinwand setzt Regieassistentin Nadja Klinge die Eindrücke neu
zusammen. Rockige Musik begleitet ekstatische Aktion, verbalisierte Selbstbehauptung der
Darsteller kommt teils auch aus dem Off. „Riskiert was“, ruft Amsbeck den jungen Leuten bei
der Probe zu.
„Ihr warnt uns vor dem Messer, vor dem dünnen Eis, ihr warnt uns vor Feuer und vor
Plastiktüten, und ihr sagt, dass das Herz eine Pumpe ist. Und auch, dass es Symbol der Liebe ist“,
sprechen die Darsteller den gemeinsam erarbeiteten Text. Es sind Zurufe, die die elterliche Sorge
aufdecken, Leben in ordentliche und sichere Bahnen zu lenken. „Ihr sagt, wann wir Spaß haben
dürfen und dass wir uns nicht lächerlich machen sollen.“ Wenn der Chor flüstert: „Ihr sagt uns,
wir sollen nicht so nah am Abgrund spielen“, verursacht das Gänsehaut.
„Wir haben bei den Proben notiert, was Eltern uns sagen – so ist der Text entstanden“, erzählt
Darstellerin Natascha (11). Emma (12) meint: „Eltern quatschen einen zu.“ Und Lea (13) erklärt:
„Wir wollen mit dem Theater nicht anklagen, sondern zeigen, was wir denken und erleben.“ Auf
der Bühne gehören Pausenhofkämpfe, Hänselei und Lehrerschelte dazu. Die Inszenierung kommt
fast ohne Requisiten aus, Alltagskleidung genügt. Amsbeck: „Es wird keine Geschichte erzählt,
sondern Atmosphäre verdichtet.“

				
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posted:10/26/2011
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